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Neues Auswahlverfahren für Medizinstudenten: "Tolle Typen aufspüren"

Alexander Zimmerhofer: "Keine Spitzennoten, aber das Zeug zu einem guten Mediziner" Zur Großansicht

Alexander Zimmerhofer: "Keine Spitzennoten, aber das Zeug zu einem guten Mediziner"

Wer Medizin studieren möchte, brauchte bislang ein Spitzen-Abi, reiche Eltern oder viel Zeit. Das könnte sich ändern: Alexander Zimmerhofer, 36, entwarf für deutsche Hochschulen einen Test. Der soll tolle Medizinstudenten entdecken - auch ohne Top-Noten.

Zur Person
Der Psychologe Alexander Zimmerhofer, 36, ist Gesellschafter der ITB Consulting, die im Auftrag deutscher Hochschulen den "Test für medizinische Studiengänge" (TMS) entworfen hat.
  • Zum Test
  • Am Test kann man nur einmal teilnehmen, die Teilnahme ist freiwillig und kostet 50 Euro. Das Testergebnis kann die Chance auf einen Studienplatz erhöhen. Der TMS prüft das Verständnis für medizinische und naturwissenschaftliche Fragestellungen, Fachwissen wird nicht abgefragt.
  • Weitere Infos: www.tms-info.org

UniSPIEGEL: Weil es zu wenige Studienplätze in Medizin gibt, haben Bewerber mit einer Abi-Note, die schlechter ist als 1,5, an fast keiner Uni eine Chance. Warum finden Sie das falsch?

Zimmerhofer: Ich glaube, es ist schlecht für Deutschlands Kranke, wenn wir die angehenden Mediziner nur aufgrund der schulischen Leistungen aussuchen. Es gibt Stimmen, die behaupten, dass es junge Menschen mit Top-Abiturnoten nach der Uni eher in die Forschung oder in die Pharmabranche drängt. Das lässt sich so nicht belegen. Allerdings ist klar: Schon jetzt werden 50 Prozent aller Abiturienten, die ein Medizinstudium aufnehmen, nicht zu Ärzten, und wir müssen aufpassen, dass sich dieser Trend nicht verstärkt. Es ist immer gut, eine breitangelegte, heterogene Studentenschaft zu haben - heterogen hinsichtlich der Interessen, aber auch hinsichtlich der Abiturnoten. Denn auch das Berufsbild "Arzt" ist sehr unterschiedlich.

UniSPIEGEL: Sollte man also gezielt Bewerber mit schlechteren Abi-Noten ins Medizinstudium holen, in der Hoffnung, dass wenigstens die dann Arzt werden und vielleicht sogar aufs Land gehen, wo wir einen Medizinermangel haben?

Zimmerhofer: Es wäre auf jeden Fall ratsam, zukünftig mehr auf Auswahltests wie den TMS zu setzen, der ja schon an 17 Universitäten eingesetzt wird. Mit so einem speziellen Auswahltest kann man tolle Typen aufspüren, die zwar keine Spitzennoten, aber das Zeug zu einem guten Mediziner haben. Und das ist doch wohl das Entscheidende! Außerdem kann man mit besonderen Auswahlverfahren Abiturienten identifizieren, die Defizite in der sozialen Kompetenz haben und sowieso nicht richtig sind im Arztberuf. Verfahren, die auf solches achten sollen, müssen dann eher Assessment-Centern ähneln als Abiturprüfungen. Solche Tests funktionieren gut, sind aber sehr aufwendig in der Durchführung.

UniSPIEGEL: Kann denn ein Abiturient mit einer Note von 2,7 überhaupt ein Medizinprofi werden?

Zimmerhofer: Selbstverständlich! Studien haben zwar ergeben, dass Einser-Abiturienten zielstrebig sind und meist auch an der Uni gut abschneiden. Wir wissen aber, dass Menschen mit Abi-Noten um 2,3, die bei einem Auswahltest gut abschnitten, ähnliche Leistungen im Medizinstudium bringen - und später tolle Ärzte werden können. Wichtig ist nicht die Abiturnote. Wichtig ist die Eignung für ein Medizinstudium.

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insgesamt 66 Beiträge
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1. Eierköpfe oder Menschen?
ruhepuls 23.03.2014
Noten sagen wenig über Eignungen für einen praktischen Beruf aus, sondern nur über die Fähigkeit die Leistungen zu erbringen, die in der Schule benotet werden - und zwar so, wie sie die Lehrer haben wollen. Es ist sehr fraglich, ob damit die Fähigkeiten dokumentiert werden, die z.B. ein Arzt in der späteren Praxis haben muss. Nicht umsonst beklagen immer mehr Menschen die fehlende Sozialkompetenz und Kälte vieler Mediziner. Man kann noch so gut in seinem Fach sein, wenn man vergisst, dass vor einem keine Laborwerte, sondern Menschen sitzen, hat man trotzdem den Beruf verfehlt und wäre in einem Forschungslabor sicher besser aufgehoben.
2. Alter Wein in neuen Schläuchen
chirug 23.03.2014
Auf den Test, der "tolle Typen" identifiziert, wartet die Welt leider noch. Der "TMS" wurde schon in den 1980ern als vermeintlicher Fortschritt aus den Niederlanden übernommen und in der Bundesrepublik eingeführt, dann überarbeitet, abgeschafft, wieder eingeführt usw. Die Teilnahme war mal obligat für alle Bewerber, bevor er zwischenzeitlich abgeschafft war. Jetzt ist er seit einigen Jahren wieder da und die Teilnahme kostet Geld. Und - die Testleistungen korrelieren extrem mit den Abiturleistungen! Der Test ist also weder neu, noch in irgendeiner Weise fortschrittlich oder sonstwie bemerkenswert. Und schon gar kein "Licht am Ende des Tunnels. Man sollte ehrlich sein, mehr Ärzte sind politisch nicht gewollt, nicht in strukturschwachen Bereichen und auch sonst nicht. Wäre dies anders, würde die "Kassenzulassung" für Humanmediziner unreglementiert vergeben, so wie das auch bei Zahnärzten der Fall ist.
3. Reinlassen und rausprüfen
volkerbrosch 23.03.2014
---Zitat--- Wichtig ist nicht die Abiturnote. Wichtig ist die Eignung für ein Medizinstudium. ---Zitatende--- Das ist die richtige Kernaussage des Artikels. Eine Orientierung an der Abiturnote dokumentiert die Hilflosigkeit derjenigen, die Studenten zum Studium zulassen. Ein vergeigter Geschichtskurs und eine mittlere Note in Sport oder Kunst, selbst bei exzelenten Noten in Bio, Physik, Chemie und Mathe, können einen die Zehntel kosten, die zwischen Zulassung oder Warterunde entscheiden. Wobei mir immer noch nicht klar ist, wieso das Warten etwas positiv an der Eignung zum Studium verändern kann. Da halte ich es für erheblich besser, mehr Studenten zum Studium zuzulassen und in den ersten Semestern über Prüfungen die Eignung für das Fach sicherzustellen. So wie das früher in den Ingenieursstudiengängen war, inzwischen gibt es selbst da teilweise völlig abenteuerliche NCs.
4.
miruwa 23.03.2014
Zitat von sysopWer Medizin studieren möchte, brauchte bislang ein Spitzen-Abi, reiche Eltern oder viel Zeit. Das könnte sich ändern: Alexander Zimmerhofer, 36, entwarf für deutsche Hochschulen einen Test. Der soll tolle Medizinstudenten entdecken - auch ohne Top-Noten. http://www.spiegel.de/unispiegel/studium/medizinstudenten-neuer-eignungstest-fuer-medizinische-studiengaenge-a-954030.html
Bringt trotzdem nichts. 99% aller Studenten werden während ihres Studiums merken, dass grade die ersten Jahre ihrer Karriere in Deutschland unter absolut ätzenden Bedingen starten werden. Beschwert man sich, erstickt man direkt im Shitstorm mit den üblichen "19.000€ im Monat" Argumenten. Fakt ist, dass alle Nicht-Mediziner meiner Abi-Freunde schon lange mit Bier am Grill stehen während ich noch am OP-Tisch stehe. Und das bei vergleichbarem Gehalt. Ich verstehe jeden Absolventen, der sich seine besten Jahre dadurch nicht versauen lassen will.
5. Gar nicht schlecht...
spon_2513064 23.03.2014
Aber die Berufsquote liegt betreffend die kurative Medizin mittlerweile bei 40%. Dies aber nicht Folge dess Wunsches, in die kurative Medizin zu gehen sondern das seit 20 Jahren laufende Ärztebashing und die haarsträubende Arbeitssituation an deutschen Krankenhäusern und auch in niedergelassener Praxis Doku, QM, DRG, QZ, EBM, GOÄ, EBMneu, GOÄneu, etc.). Die Regulierungswut, das verrückte Controlling, das Bashing, all dies hat den Beruf mittlerweile zu einem extrem schwierigen Feld gemacht.
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