Aufnahmetest fürs Medizinstudium: Wiener Uni bevorzugt Frauen

Da wird mit zweierlei Maß gemessen: Weil beim Aufnahmetest für angehende Ärzte zu wenige Frauen durchkamen, änderte die Medizinische Universität Wien das Verfahren - Bewerberinnen brauchen künftig weniger Punkte. Viele Studenten, auch weibliche, wehren sich gegen die "Quotenfrauen"-Regel.

Eignungstests fürs Medizinstudium in Wien: 4370 Bewerber auf 740 Plätze Zur Großansicht
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Eignungstests fürs Medizinstudium in Wien: 4370 Bewerber auf 740 Plätze

Jahrelang hatten sich mehr Frauen als Männer um einen Studienplatz an der Medizinischen Universität Wien beworben. Doch stets hatten die Männer beim Aufnahmetest besser abgeschnitten. Das ist unfair, fand die Hochschule, und reformierte ihr Testverfahren. Zum ersten Mal wurden Bewerberinnen dieses Jahr besser bewertet als ihre männlichen Konkurrenten.

Der Plan ging auf: Mehr Frauen als Männer ergatterten einen der begehrten 740 Studienplätze. Doch die Hochschule machte sich damit nicht beliebt: Studentenvertreter wehren sich seit Monaten gegen die Neuerung. Nun wollten einige abgewiesene Bewerber die Universität verklagen, berichtete die österreichische Tageszeitung "Kurier" am Samstag auf ihrer Internetseite.

"Ich fühle mich von der Universität betrogen", zitierte das Blatt einen Bewerber. Er gehörte zu den 4370 Kandidaten, die am 6. Juli in der Messe Wien zur Aufnahmeprüfung angetreten waren. "Hätte ich den Test als Frau gemacht, hätte ich jetzt einen Studienplatz."

Auch Studentinnen kritisieren das Vorgehen der Uni. Die stellvertretende Vorsitzende der Studentenvertretung ÖH Medizin Wien, Birgit Ludwig, sagte: "Frauenförderung ist für die ÖH ein sehr wichtiges Thema, muss sich jedoch in rechtlich abgesichertem Rahmen bewegen und darf keine Diskriminierung von Männern darstellen." Medizinstudentinnen könnten künftig als "Quotenfrauen" abgestempelt werden, auch wenn sie von der geschlechtsspezifischen Auswertung nicht profitiert hätten, warnte Christian Orasche, Vorsitzender der ÖH Medizin Wien, bereits im März.

Die Uni habe sich das rechtlich absichern lassen, sagte der Sprecher

Die Universität fragt in ihrem fünfstündigen Eignungstest unter anderem das medizinisch-naturwissenschaftliche Grundverständnis, das räumliche Vorstellungsvermögen und den Umgang mit Zahlen ab. Diesmal berechnete sie den Mittelwert der Testergebnisse getrennt nach Geschlechtern. Das hatte zur Folge, dass Frauen mit weniger Punkten weiterkommen konnten als Männer. "Die genderspezifische Auswertung war unsere Lösung, um dem bestehenden Gender-Gap entgegenzuwirken", sagt Universitätssprecher Klaus Dietl im "Kurier". Das habe sich die Meduni Wien auch rechtlich absichern lassen.

Ein von der Studentenvertretung beauftragter Jurist kam im April hingegen zu einem anderen Schluss: Die "umgekehrte und indirekte Diskriminierung" sei rechtswidrig, zitierte "Die Presse" aus dem Gutachten. Der Verfassungsjurist Heinz Mayer sieht gute Chancen für eine studentische Sammelklage. "Im Studium und später als Ärzte müssen beide die gleiche Leistung bringen, daher muss auch die Leistung des Eignungstests gleich bewertet werden.", sagte er im "Kurier".

Die Hochschule ist anderer Meinung: "Es ist in der angewandten Psychometrie durchaus üblich, unterschiedliche Mittelwerte für unterschiedliche Gruppen, also auch geschlechterspezifische, anzuwenden", teilte sie mit. Die drei österreichischen Medizin-Unis in Wien, Innsbruck und Graz arbeiten derzeit gemeinsam an einem neuen Testverfahren, das nächstes Jahr erstmals an allen drei Hochschulen angewandt werden soll.

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insgesamt 184 Beiträge
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1.
Battlemonk 05.08.2012
Zitat von sysopViele Studenten, auch weibliche, wehren sich gegen die "Quotenfrauen"-Regel.
Immerhin scheint die Generation langsam fortgeschrittener zu werden als die Jammernasen ala Ulla Schmidt, wenn es aber möglich ist DASS rechtlich abzusichern frag ich mich ob Österreich wirklich ein Rechtsstaat ist.
2.
DMenakker 05.08.2012
Was ist denn passiert? Es hat lediglich eine Uni zum ersten Mal zugegeben, was schon seit Jahrtausenden bekannt ist. Es mag zwar sein, dass Mädels in der Schule fleissiger sind als Jungs und dadurch bessere Noten schreiben, in der Summe aller Eigenschaften sind sie Jungs eben trotzdem unterlegen. Dass diese simple Erkenntnis dazu führt, dass man - um "Gerechtigkeit" zu bekommen - nicht mehr Männer mit Frauen vergleicht, sondern jedes Geschlecht untereinander für sich, ist eigentlich nur die logische Konsequenz. Wenn ich wüsste, dass bei einer komplizierten chirurgischen Operation eine Frau das Messer schwingt, würde ich vom OP Tisch hüpfen. Ich find das ganze so herrlich political incorrect. Mal sehen ob der Beitrag durchgeht.
3. Unglaublich
matthias_b. 05.08.2012
Da fehlen einem doch glatt die Worte. Und wenn ich schon wieder was von Genderquatsch und "umgekehrter Diskriminierung" (genauso wie "umgekehrter Rassismus, als wenn es eine exotische Ausnahme wäre, dass Schwarze Weiße nicht leiden können) lesen muss, frage ich mich, wie lange ich es hier noch aushalten kann.
4. Quote eben
criticalck 05.08.2012
Jede selektive Quote ist diskriminierend. Möglich, dass die Quote rechtlich zulässig ist, irgendwie hält sich ja auch die Wehrpflicht noch, mit der Begründung das "gleich" eben nicht "gleich" bedeutet. Jedem und jeder mit einem Mindestmass an moralischer Vernunft, muss so was doch aufstossen. Man könnte schliesslich noch weiter Quoten einführen. Z.B. bin ich mir sicher, dass Personen mit höherem IQ besser in den Tests abschneiden, also solche mit niedrigem. Die Lösung wäre also, dass nur Personen nur innerhalb ihrer IQ-Gruppe um einen Studienplatz konkurrieren. Schliesslich findet sich für jede Frau sicher ein Mann, der genau so blöd ist.
5. quoten und so
Marc87 05.08.2012
" Im Studium und später als Ärzte müssen beide die gleiche Leistung bringen, daher muss auch die Leistung des Eignungstests gleich bewertet werden.", sagte er im "Kurier" " Naja: Das hängt von den Prämissen ab. Ich persönlich glaube ja nicht, dass Männer bessere Ärzte als Frauen sind. Wenn dem so ist, dann sollte es im Mittel eigentlich auch gleich viele männliche und weibliche Studenten geben. Dem ist aber scheinbar nicht gegeben gewesen. Wieso? Männer und Frauen unterscheiden sich bzgl. ihrer Begabungen, aber vor allem bzgl. ihrer Erziehung. Wenn der Test mehr Männer selektiert hat, dann kann das daran liegen, dass Attribute abgeprüft wurden, die eher auf männlicher Seite ausgeprägt sind(Zahlenlogik). Wenn man schlechte Indikatoren wählt, kann man entweder diese Anpassen, oder die Auswertung beeinflussen. Ich persönlich halte Auswahltests ja eh für reichlich bescheuert. Normalerweise lernt man den Stoff im Studium beginnend mit den elementaren Dingen. Vorwissen ist zwar hilfreich, aber bringt einem nach ein paar Semestern nix mehr. Auswahltests sagen daher was über die schulische Bildung, Erziehungen und Interessen vor dem Studium aus. Ein Rückschluss auf Leistungen im Studium oder gar im Berufsleben find ich schwachsinnig.
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