Uni-Wechsel für den Master: Umziehen, bitte

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Corbis

Umzug: Für den Master in die neue Stadt

Der Bachelor ist geschafft, aber wie geht's weiter? Viele Absolventen wollen noch einen Master draufsetzen, um bessere Job-Chancen zu haben. Eine aktuelle Studie zeigt: Für jeden Dritten bedeutet das den Neustart an einer anderen Hochschule.

Ich muss weg - das gilt für viele Master-Studenten. Denn wer sich für einen Master-Studiengang entscheidet, wechselt häufig noch einmal die Hochschule. Das zeigt eine Befragung von Master-Anfängern des HIS-Instituts für Hochschulforschung (hier als pdf).

So haben von den Anfängern im Wintersemester 2011/2012 rund 39 Prozent vorher an einer anderen Hochschule studiert. Von den Wechslern begründete mehr als jeder Zweite (57 Prozent) seine Entscheidung damit, dass der Wunschstudiengang an der alten Hochschule nicht angeboten wird. 45 Prozent wollten noch einmal den Studienort wechseln. Jeder Elfte (9 Prozent) musste gehen, weil er die Zulassungsvoraussetzungen für den Master am alten Studienort nicht schaffte. Die Befragten konnten mehrere Gründe für ihren Wechsel angeben.

Trotz vielerorts hoher Zulassungsvoraussetzungen für den Master, gab die Mehrheit (78 Prozent) an, sowohl einen Platz im Wunschmaster als auch am Wunschort bekommen zu haben. Jeder Zehnte hat zwar einen Platz im Wunschfach bekommen - studiert aber nicht am bevorzugten Studienort. Nur eine Minderheit (5 Prozent) hat keinen Platz im Wunschfach bekommen. Das Motiv für den Masterstudiengang ist bei den meisten (89 Prozent), die Berufschancen zu verbessern. Auf Rang zwei folgt das fachliche Interesse (85 Prozent).

Für viele Bewerber fehlen die Master-Plätze

Für die Studie haben die Wissenschaftler rund 6600 Online-Fragebögen ausgewertet, die 2012 von Master-Studenten an 52 Hochschulen im ersten Semester ausgefüllt worden waren. Die Autoren betonen, dass es sich um eine Pilotstudie handelt, deren Ergebnisse als vorläufig gelten müssen.

Bildungsministerin Johanna Wanka aber jubelt, die Ergebnisse würden zeigen, das die Umstellung der Studiengänge auf Bachelor und Master gut funktioniere. "Besonders erfreulich ist der hohe Anteil der Studierenden, die einen Masterplatz in ihrem Wunschfach erhalten haben."

Was dabei nicht thematisiert wird: Ein Bachelor gilt vielen Studenten immer noch als halbwertiger Abschluss, deshalb wollen die meisten noch einen Master dranhängen. Doch für etliche Interessenten heißt es derzeit: Wir müssen leider draußen bleiben.

Längst nicht jeder kann sich in seinem Wunsch-Master einschreiben. Die Plätze sind knapp, heißt es beim Centrum für Hochschulentwicklung (CHE). Für beliebte Fächer wie Psychologie oder Betriebswirtschaftslehre gibt es an vielen Universitäten bereits jetzt mehr Bewerber als Plätze. Treffen Modellrechnungen des CHE zu, wird sich die Lage bis 2016 noch einmal dramatisch verschlimmern. In drei Jahren könnten dann bis zu 36.000 Masterbewerber leer ausgehen.


AUF MASTER-SUCHE? WIR MEISTERN DAS

Nach dem Bachelor beginnt das Chaos: Es gibt nicht genügend Master-Plätze für alle Absolventen - und die Aufnahmekriterien sind oft undurchsichtig. Zwei Studenten haben deshalb eine Internetplattform gegründet, die helfen soll. Mehr...


otr/dpa

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1. Das war ...
Feindbild_Mensch 18.07.2013
doch genaus das Ziel der Reform. Jungen Leuten mehr Chancen zu gewähren, flexilber in ihren Studienplanung zu sein (was auch den Wechsel der Hochschule bedeutet). Das war in meiner Zeit nur beschränkt möglich, da man meist mindestens ein Semester verloren hätte. Aber dasselbe Problem wie früher - es kostet eben Geld umzuziehen, was eben nur wieder Studenten reicher Eltern die Flexibilität gewährt. Da ich bei meinen Bewerbungen auch feststellen musste, dass das "Woandershingehen" heute Einstellkritierium ist (zumindest bei größeren Unternehmen), ist das schon wichtig. Ob das richtig ist, dass man sich flexbile Menschen heranzieht, die wie Unterhosen das Unternehmen später wechseln, dürfen uns die oberen Herren in den Unternehmen erklären (die das Wort "Flexibilität" selbst schon längst abgelegt haben).
2. Alles genau so gewünscht
holdensturm 18.07.2013
Genau das soll doch Sinn und Zweck der ganzen Reform sein und entspricht auch den Erwartungen der Arbeitgeber: Nicht jeder Bachelor soll einen Master machen, und (europaweite) Flexibilität, was den Studien- oder Arbeitsort angeht, wird eh von allen Akademikern verlangt. Das das nicht mit den Wünschen der meisten Studenten übereinstimmt, spielt hier keine Rolle. Übrigens auch ein gewichtiger Grund für die niedrige Geburtenrate unter Akademikern: Partnerschaften können unter diesen Umständen häufig nicht lange Bestand haben; Job-Unsicherheit, ständiges Umziehen und Dumping-Löhne verhindern die notwendige Sicherheit für das verantwortungsvolle Aufziehen von Kindern. Da bekommt der Akademiker eben keine!
3. Anrechnungen immernoch am Anfang
gammaburst 18.07.2013
Immerhin begreifen sehr viele Studenten, dass der Master-Standort nicht in Stein gemeißelt ist und wechseln (wie ich auch). Allerdings gibt es immernoch große Unterschiede zwischen Hochschulen was den Umstieg teilweise erheblich erschwert oder zumindest das Vorankommen. Gerade was die Anzahl der Studiensemester in Bachelor und Master angeht unterliegt etwa die theoretisch vorhandene Möglichkeit der Anrechnung von Studienleistungen - wenn der FH-Bachelor z.B. ein Semester länger gedauert hat (= 210 ECTS) und man sich Leistungen in einem 4-semestrigen Uni-Master anrechnen lassen will - immernoch keiner einheitlichen Regelung und wird von der Willkür der Hochschulen definiert... Allgemein sind die Gesetze zu Bachelor- und Master-Studiengängen hinsichtlich vieler Kriterien noch in den Kinderschuhen und oft nicht zentral geregelt. Mal ehrlich, die 'neuen' Studienformen gibt es nicht erst seit ein/zwei Jahren... Da muss sich etwas ändern!
4.
plietsch 18.07.2013
Zitat von gammaburstImmerhin begreifen sehr viele Studenten, dass der Master-Standort nicht in Stein gemeißelt ist und wechseln (wie ich auch). Allerdings gibt es immernoch große Unterschiede zwischen Hochschulen was den Umstieg teilweise erheblich erschwert oder zumindest das Vorankommen. Gerade was die Anzahl der.....
Mag sein. Der Uni-Bachelor wird aber in der Regel nicht einmal zum Master an der FH zugelassen. Nur wenige FH bieten an, dass man die fehlenden ECTS nachholt. Da kommen dann solche Sachen wie: "Lieber Herr X, Sie können sich für ein Bachelorstudium bewerben und ein Semester absolvieren. Die Leistungen dieses Semesters können Sie mit Ihrem vorweg erworbenen Bachelor-Abschluss in einem Jahr einreichen und sich erneut bewerben." Bloß wer will somit, da die Studiengänge nur im Wintersemester anfangen, ein Jahr lang warten bzw. ein Semester studieren (sofern er überhaupt einen Platz kriegt), ein Semester eventuell jobben und dann sich nochmal bewerben -- ohne überhaupt vorweg zu wissen, ob er einen Studienplatz im folgenden Jahr kriegen wird. Also muss damit gerechnet werden, nochmal umziehen zu müssen. Viel zu umständlich, wenn man schon andere Zusagen in der Tasche hat. Da wundert es auch wenig, wenn die eigenen FH-Studenten, die meistens weniger flexibel sind, problemlos ihren dreisemestrigen Master dranhängen können, wenn sie es wünschen. Externe Bewerber schauen in die Röhre.
5. Selektion
LorenzSTR 18.07.2013
Auch ein Grund weshalb im BA/MA-System viele fähige, aber finanziell schlechter gestellte Studierende nach dem Bachelor aufhören müssen: Es ist schlicht und einfach mit weiterem finanziellen Aufwand verbunden nochmals umzuziehen, Kaution zu hinterlegen, evt. höhere Mietkosten tragen zu müssen, etc. Von der Lust und Motivation mal ganz zu schweigen: Viele Doktoranden etwa haben ihr ganzes Studienleben an einer Uni verbracht und mussten nicht mitten im Studium erneut komplett von vorne anfangen. Und all das dann übrigens erst nach einer erneuten Bewerbung und für ganze vier, anstatt wie beim alten (FH) Diplom, Magister nur für zwei Semester. So ist den eher Unfähigen mit den wohlhabenden Eltern das Weiterstudieren gesichert, während andere in die Röhre schauen. Toll, danke!
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