Ein Stück weit ist ihr Erfolg ein glücklicher Zufall, sagt Johannes Geibel. Gemeinsam mit vierzehn Kommilitonen gründete er an der Universität Tübingen vor fünf Jahren die ehrenamtliche Initiative "Greening the University e.V.", um seine Hochschule etwas grüner zu machen. Damals spielte Nachhaltigkeit an der Uni noch keine Rolle, sagt Geibel.
Doch für dieses Ehrenamt waren die richtigen Leute zur richtigen Zeit zusammengekommen: Die Studenteninitiative hat in nur wenigen Jahren die ehrwürdige Eberhard Karls Universität ordentlich umgekrempelt. Heute druckt die Universität nur noch auf Recycling-Papier, heizt im Winter sparsam und führte in der Lehre sogar ein Studium Oecologicum ein. Das Fach können Studenten sich inzwischen als Schlüsselqualifikation anrechnen lassen.
Für ihren Öko-Anstoß, die nachhaltige Entwicklung an die Universität zu bringen, wurde die Initiative inzwischen mit dem Preis "Studierende für Studierende" des Deutschen Studentenwerks prämiert. Außerdem wurden sie offizielles Projekt der UN-Dekade Bildung für nachhaltige Entwicklung. Ein Vorzeigeprojekt in Sachen ehrenamtliches Engagement also.
Studenten engagieren sich heute anders als früher
Doch die Hochschüler von "Greening the University" sind mit ihrer freiwilligen Arbeit an der Hochschule keine Ausnahme. Studenten engagieren sich heute jedoch anders als früher. "Die Fachschaften, Asten oder hochschulpolitischen Gruppen spielen eine untergeordnete Rolle", sagt Hochschulforscher Lars Fischer. Studenten würden stärker eigene Initiativen gründen.
Das bestätigt auch Stefan Grob vom Deutschen Studentenwerk: "Das Engagement der Studenten ist sprunghaft, punktuell und es muss eine biografische Passung geben", sagt Grob. So engagieren sich Medizinstudenten etwa häufig in Krankenhäusern oder bei Rettungsdiensten.
Gefragt nach den Gründen für ihr gesellschaftliches Engagement, haben viele Studenten neben idealistischen Motiven auch ihre eigene Karriere im Blick. In einer Studie von Hochschulforscher Fischer gab jeder zweite Student an, im gesellschaftlichen Engagement eine gute Möglichkeit zu sehen, sich weiterzuqualifizieren. Mehr als die Hälfte glaubt, dass das gesellschaftliche Engagement die späteren Chancen im Berufsleben erhöht.
Glaubt man der Karriereberaterin Svenja Hofert, ist diese Hoffnung auch berechtigt: "Personaler schauen natürlich auf ehrenamtliches Engagement", sagt Hofert. Wenn jemand über lange Jahre in der Fachschaft arbeitet, dann beweist das Konsequenz. Zudem zeigt dies, dass jemand auch einmal über den eigenen Tellerrand blickt, urteilt die Beraterin.
Mit dem Ehrenamt zum richtigen Job
Johannes Geibel hat primär erst einmal nicht an seine Karriere gedacht. Er wollte vielmehr mithelfen, das umzusetzen, was er für richtig hält. Aber auch er hat viel gelernt. Für "Greening the University e.V." hat er Anträge geschrieben, Gruppendiskussionen moderiert und mit seinen Kommilitonen über die richtige Strategie gestritten. Viel wichtiger als diese Fähigkeiten war für Geibel jedoch die Erkenntnis: "Wenn man will, dann kann man etwas verändern."
Wollen sich Erstsemester engagieren, haben sie allerdings die Qual der Wahl: Vom Hochschulsport über die Hochschulpolitik bis zum studentischen Filmclub gibt es zahlreiche Möglichkeiten, sich einzubringen. "Bei der Auswahl würde ich vor allem danach gehen, was Spaß macht", sagt Grob.
Hochschulforscher Lars Fischer hält Spaß ebenfalls für wichtig. Er rät Studenten aber auch, einen praktischen Aspekt zu beachten. "Ich würde versuchen, über das Ehrenamt herauszufinden, was mir beruflich liegt." Das sei insbesondere für Geisteswissenschaftler interessant, für die es kein vorgefertigtes Berufsbild gebe. Auch über ein Ehrenamt lasse sich herausfinden, wohin der berufliche Weg einmal führen soll.
Kristin Kruthaup/dpa/jon
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