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Flüchtlinge an Unis: Wanka verspricht 100 Millionen Euro

Deutschkurs für Flüchtlinge an der Uni in Vechta: "Zum Nutzen Deutschlands" Zur Großansicht
DPA

Deutschkurs für Flüchtlinge an der Uni in Vechta: "Zum Nutzen Deutschlands"

Flüchtlinge sollen schneller und einfacher an deutschen Unis studieren können. Der Bund will dafür in den kommenden Jahren rund hundert Millionen Euro bereitstellen. Woher das Geld kommt - und wofür es ausgegeben werden soll.

Viele Flüchtlinge möchten in Deutschland studieren - und viele Hochschulen möchten es ihnen ermöglichen. Doch die Hürden sind oft hoch: Bewerber sprechen noch kein Deutsch, können keine Zeugnisse und noch keinen Aufenthaltstitel vorlegen. Hochschulen tun sich häufig schwer, ausländische Abschlüsse anzuerkennen. Manchmal scheitert es auch am Geld.

Bei all diesen Problemen will der Bund nun stärker helfen. 27 Millionen Euro sollen 2016 für die Integration von Flüchtlingen an Hochschulen bereitstehen, in den kommenden vier Jahren sollen es insgesamt rund hundert Millionen sein. "Wer studieren will und kann, dem wollen wir ein Studium ermöglichen - auch zum Nutzen Deutschlands", sagte Bundesbildungsministerin Johanna Wanka. Sie stellte die Maßnahmen des Bundes am Freitag an der Technischen Universität Berlin vor.

Der Plan enthält folgende Punkte:

  • Der Verein Uni-Assist, der prüft, ob internationale Zeugnisse zum Studium in Deutschland berechtigen, soll ausgebaut werden. Der Bund will noch festlegen, in welchen Fällen er für Flüchtlinge die Gebühren übernehmen kann.

  • Der Test für ausländische Studierende (TestAS), mit dem die Studierfähigkeit von Flüchtlingen geprüft wird, soll in weitere Sprachen wie Arabisch und Dari übersetzt werden. Der Bund will außerdem die Testgebühren erstatten und flexible Prüfungstermine an zentralen deutschen Hochschulstandorten unterstützen.

  • Der Bund zahlt die Gebühren für die Sprachtests OnDaF und onSET, mit denen Flüchtlinge in den passenden Deutsch- oder Englischkurs eingestuft werden.

  • Der Bund will in den kommenden vier Jahren rund zehntausend zusätzliche Plätze an Studienkollegs und vergleichbaren Einrichtungen finanzieren, die junge Menschen aus dem Ausland auf ein Studium in Deutschland vorbereiten sollen.

  • Studenten, die sich zum Beispiel in den Refugee Law Clinics oder anderen Initiativen für Flüchtlinge engagieren, will der Bund fördern - unter anderem mit Mitarbeiterverträgen an den Hochschulen.

  • Das Informationszentrum des DAAD, der die Maßnahmen mit entwickelt hat, soll vergrößert werden. Außerdem können sich Flüchtlinge auf einer neuen Internetseite in mehreren Sprachen über ein Studium in Deutschland informieren.

  • Wer als Flüchtling geduldet ist oder eine Aufenthaltserlaubnis hat, kann ab Januar schon nach 15 Monaten Bafög beantragen - und nicht erst nach vier Jahren. Asylbewerbern bleibt diese staatliche Förderung aber weiterhin verwehrt.

Hinzu kommen rund hundert Millionen Euro, die der Bund in die berufliche Qualifikation und Ausbildung von Flüchtlingen investieren will. Außerdem sollen die Promotionsstipendien der Begabtenförderwerke im kommenden Herbst um 200 Euro angehoben werden.

Es ist jedoch nicht alles frisches Geld, das die Regierung dafür in die Hand nimmt. Für das Integrationspaket an Hochschulen schichtet der Bund zum Beispiel 20 Millionen Euro um, die für den Bau des Forschungsschiffs "Sonne" vorgesehen waren, aber nun nicht benötigt werden, sagt Swen Schulz, SPD-Politiker und Mitglied des Haushaltsausschusses. Die restliche Summe sei Schulz zufolge aus dem Hochschulpakt übrig geblieben. "Es gibt also nicht etwa eine Kürzung bei der Finanzierung von Studienplätzen."

Die Opposition kritisierte jedoch, dass andererseits die Zahl der Studienplätze auch nicht erhöht werde. "Ministerin Wanka muss zügig den Ausbau der Infrastruktur an den Hochschulen forcieren", sagte Kai Gehring, Hochschulsprecher der Grünen-Fraktion. "Ohnehin sind zusätzliche Studienplätze, Hörsäle, soziale Infrastruktur bis hin zu zusätzlichen Welcome-Centern und internationalen Büros notwendig." Die Ankunft vieler junger Flüchtlinge mache dies nur umso dringender. Die Maßnahmen, die der Bund beschlossen habe, seien zu kurzfristig.

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lov

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