Minister-Ranking: Ein bisschen Spaß muss sein

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Evaluationen und Rankings erdulden Professoren häufig. Einmal jährlich drehen sie den Spieß um und stimmen ab: Wer ist der stärkste Wissenschaftsminister, wer schwächelt im Amt? Ein ostdeutscher Politiker holt den Titel "Minister des Jahres" - schon zum zweiten Mal.

Im Noten vergeben haben Deutschlands Hochschullehrer viel Routine, im Noten kassieren ebenso. Ob bei Uni-Rankings von Zeitschriften oder bei Lehrevaluationen, bei der Forschungsförderung oder Exzellenzinitiative - dem Urteil über ihre Arbeit müssen sie sich stellen. Das schmeckt nicht allen Professoren, zumal wenn genau jene Bildungspolitiker Wettbewerb und "Profilbildung" anheizen, die sonst Stillstand als "Solidarpakt" oder Stellenstreichungen als "Hochschuloptimierungskonzept" verkaufen.

Manchmal wollen Professoren auch selbst gern austeilen. Dazu lädt der Deutsche Hochschulverband (DHV) sie seit 2004 ausdrücklich ein. Beim "Ministerranking" können die Mitglieder des Verbands der Professoren und alle, die sich sonst für Wissenschaftspolitik interessieren, über die Stärken und Schwächen der Wissenschaftsminister urteilen. Und Schulnoten verteilen.

Das amtliche Endergebnis des aktuellen Rankings: Jan-Hendrik Olbertz aus Sachsen-Anhalt geht als Sieger durchs Ziel. Das war dem parteiloser Wissenschaftsminister bereits 2007 einmal gelungen, dann löste ihn 2008 seine Brandenburger Kollegin Johanna Wanka ab. Nun haben sie wieder die Plätze getauscht. Beide erhielten mit 2,0 und 2,1 gute Noten.

Ex oriente lux

Alle anderen Minister mussten sich mit Zensuren im Bereich 3 oder deutlich schlechter bescheiden. Schlusslicht ist diesmal die Bremer Wissenschaftssenatorin Renate Jürgens-Pieper - mit der Note 5,2. Sie verantwortet zugleich auch den Schulbereich, muss sich mit Bremens blamablen Pisa-Ergebnissen herumschlagen und kennt das satte "mangelhaft" auf ihrem DHV-Zeugnis schon aus dem Vorjahr.

Die ostdeutschen Wissenschaftsminister schnitten durchweg gut ab, mit Ausnahme von Henry Tesch aus Mecklenburg-Vorpommern auf Rang 10. Passable Noten erhielten auch Joachim Rippel (Saarland) und Doris Ahnen (Rheinland-Pfalz) auf den Plätze drei und vier. Die relativ arbeitslose Bundesforschungsministerin Annette Schavan fädelte sich mit der Note 3,6 ins Mittelfeld ein.

Ernsthafte Begutachtung ist die Internet-Umfrage indes nicht, eher gehobene Professoren-Bespaßung. Das zeigen auch schwer erklärliche Befunde wie der kometenhafte Aufstieg des allzeit smarten Hamburger Ex-Senators Jörg Dräger: Drei Jahre hintereinander belegte er den letzten Platz, im neuen Ranking plötzlich den sechsten. Dabei konnte Dräger im Jahr 2008 praktisch gar nichts mehr gestalten, weil die Bürgerschaftswahlen bereits Ende Februar stattfanden. Was ihn jetzt zum Galopper des Jahres macht? Rätselhaft - vielleicht war es schlicht Dankbarkeit für seinen Abgang.

Eher Stimmungsbild als ernsthafte Evaluation

Berlins Senator Jürgen Zöllner verlor erneut zwei Plätze und ist jetzt auf Rang 8. In den Jahren 2005 und 2006 war er noch Klassenprimus, waltete als dienstältester Wissenschaftsminister damals allerdings in Rheinland-Pfalz, bevor er seine Geländegängigkeit auf dem weitaus schwierigeren Hauptstadt-Terrain beweisen musste.

Der Hochschulverband sieht die Abstimmung selbst mehr als Stimmungsbild denn als ernsthaftes Arbeitszeugnis und lässt auch Platz für freie Kommentare. Ein Teilnehmer schlug vor, das Bundesforschungsministerium "angesichts der Übermacht auf Länderebene konsequenterweise zu schließen". Über den Abstimmungssieger Olbertz notierte ein Teilnehmer: "Der Minister zeigt trotz angespannter Lage im Land wirkliches Interesse und weiß, wovon er redet!"

Bei anderen Ministern geht das nicht als selbstverständlich durch. Das Motto der sächsischen Wissenschaftsministerin Eva-Maria Stange laute: "Wir haben kein Geld, aber zusammen schaffen wir das schon", warf ein Teilnehmer ihr vor. Herbe Kritik auch an der Bremer Senatorin: "Frau Jürgens-Pieper ist weitgehend in den Ideologien der siebziger Jahre zu Hause."

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