Minister-Ranking: Von mittelmäßig bis miserabel

Professoren stehen oft in der Kritik und teilen einmal im Jahr selbst aus: Per Ranking rechnen sie mit der Arbeit der Wissenschaftsminister ab. Die Note 4,0 gab's für Bundesbildungsministerin Annette Schavan - selbst das reichte noch fürs Mittelfeld. Denn die beste Minister-Zensur war eine Drei.

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Ranking: Watschen für die Bildungsminister
Studenten, Professoren und Hochschulen kennen sich mit Ranglisten bestens aus. An der LMU München etwa bekommt das beste Zehntel der Absolventen ihre Studiengebühren komplett erlassen - weit vorn zu stehen zahlt sich in barer Münze aus. Die Forschung ist ohnedies ein großer Wettstreit um Publikationen in großen Fachmagazinen, um Drittmittel und um Elite-Lorbeeren in der Exzellenzinitiative. Und tauchen Professoren in der Lehre ab oder halten immer die gleiche Vorlesung aus den siebziger Jahren, erhalten sie in Foren und im Bewertungsportal meinprof.de meist die schlechten Noten, die sie verdienen.

Von Rankings verschont bleiben meist die Bildungs-, Wissenschafts- und Kultusminister in den 16 Ländern. Sie treffen viele Entscheidungen, die gut zwei Millionen Studenten, Zehntausende von Professoren und wissenschaftliche Mitarbeiter an ihren Hochschulen direkt betreffen. Regelmäßig treffen sie sich in der Kultusministerkonferenz, brüten über Bafög-Sätzen, Stipendienmodellen, Hochschulgesetzen, Regeln für den Bachelor - und suchen nach dem kleinsten gemeinsamen Nenner.

Professoren strafen Bildungspolitiker ab

Einmal im Jahr bläst der Deutsche Hochschulverband (DHV) zum Minister-Ranking. Die DHV-Mitglieder, überwiegend Universitätsprofessoren, gönnten den Ministern wie schon im Vorjahr nur mäßige Zensuren. Bundesbildungsministerin Annette Schavan (CDU) etwa schafft in der frisch veröffentlichten Rangliste gerade so die Schulnote 4,0, also "ausreichend" - und liegt damit nicht etwa am Ende, sondern im Mittelfeld des Minister-TÜV.

"Ministerin des Jahres" wurde die frühere sächsische Wissenschaftsministerin Eva-Maria Stange (SPD). Ihre hochschul- und wissenschaftspolitischen Leistungen wurden bei der Online-Umfrage unter den habilitierten Professoren mit der guten Note Drei und damit "befriedigend" noch am besten bewertet, meldete der DHV am Dienstag. Stange, seit Herbst 2009 nicht mehr im Amt, liegt vor dem Vorjahressieger, Sachsen-Anhalts Kultusminister Jan-Hendrik Olbertz (parteilos), und Nordrhein-Westfalens Wissenschaftsminister Andreas Pinkwart (FDP), deren Arbeit mit der Note "noch befriedigend" beurteilt wurde.

Im Notenspektrum zwischen "drei minus" und "vier" befinden sich auch Wolfgang Heubisch (FDP/Bayern), Doris Ahnen (SPD/Rheinland-Pfalz), Jürgen Zöllner (SPD/Berlin), Peter Frankenberg (CDU/Baden-Württemberg), Henry Tesch (CDU/Mecklenburg-Vorpommern), Ex-Minister Bernward Müller (CDU/Thüringen) sowie Eva Kühne-Hörmann (CDU/Hessen).

Das Schlusstrio bilden die Minister der Nordländer Niedersachsen, Schleswig-Holstein und Hamburg. Die Leistungen von Lutz Stratmann, Ex-Minister Jörn Biel sowie von Herlind Gundelach (alle drei CDU) wurden mit "vier minus" und "mangelhaft" bedacht.

Der beste Rektor residiert in Rostock

Die Professoren waren auch aufgerufen, den besten Hochschulchef aus den eigenen Reihen zu küren: Rektor des Jahres wurde Wolfgang Schareck, Gefäßchirurg und erst seit einem guten Jahr Rektor der Universität Rostock. Knapp dahinter landete Lambert T. Koch, 44, Rektor der Uni Wuppertal auf Rang zwei, gefolgt von Elmar Weiler, 60, Rektor der Ruhr-Uni Bochum.

Gewählt werden konnten nur Minister und Rektoren, die zu Beginn der Abstimmung mindestens 100 Tage im Amt waren. Andernfalls stand der Amtsvorgänger zur Abstimmung. Die Wahl der Politiker lief vom 10. November bis zum 20. Dezember online.

Über ein Passwort stellte der Verband sicher, dass jeder Teilnehmer nur einmal abstimmen konnte. Der Rücklauf für die Befragung war allerdings mäßig, nur 2264 der rund 25.000 DHV-Mitglieder nahmen teil. So konnten die Minister der Länder Bremen, Saarland und Brandenburg nicht aufgenommen werden, weil sie zu wenig Stimmen für ein gültiges Ergebnis hatten.

cht/dpa

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insgesamt 4 Beiträge
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1. Urteil vernichtend. Wir brauchen einen Neuanfang.
Klo 24.02.2010
Zitat von sysopProfessoren stehen oft in der Kritik und teilen einmal im Jahr selbst aus: Per Ranking rechnen sie mit der Arbeit der Wissenschaftsminister ab. Die Note 4,0 gab's für Bundesbildungsministerin Annette Schavan - selbst das reichte noch fürs Mittelfeld. Denn die beste Minister-Zensur war eine Drei. http://www.spiegel.de/unispiegel/studium/0,1518,679843,00.html
In Deutschland gibt es nicht einen einzigen Bildungsminister, der diesen Titel auch nur ansatzweise verdient hätte. Es gibt ausschließlich bildungsferne Dilettanten, die sich den Posten erkrochen haben mit dem Versprechen, die Bildungsausgaben dramatisch zusammenzustreichen. Insofern wüßte ich persönlich derzeit keinen einzigen, der über die Note ungenügend hinauskäme. Wenn man der Schavan gerade noch eine 6 geben kann, dann hätte ihre Vorgängerin Bulmahn allerdings eine 6- verdient gehabt. Es gibt in der deutschen Nachkriegsgeschichte keinen Menschen, der mehr Bildungssubstanz in kürzerer vernichtet hat, als Frau Bulmahn. Aber die Schavan holt auch kräftig auf.
2. Günstling ?
Peter Sonntag 24.02.2010
Zitat von sysopProfessoren stehen oft in der Kritik und teilen einmal im Jahr selbst aus: Per Ranking rechnen sie mit der Arbeit der Wissenschaftsminister ab. Die Note 4,0 gab's für Bundesbildungsministerin Annette Schavan - selbst das reichte noch fürs Mittelfeld. Denn die beste Minister-Zensur war eine Drei. http://www.spiegel.de/unispiegel/studium/0,1518,679843,00.html
Die Frau Schavan muss etwas Verborgenes über Frau Merkel wissen. Anders ist es nicht zu begreifen, dass sie immer wieder protegiert wird.
3. Wen wunderts
hiro_protagonist 24.02.2010
Wen wunderts wenn Minister nicht nach Qualifikation sondern nach Herkunft, Religion und Flügelzugehörigkeit ausgewählt werden.
4. Reformen sind notwendig
danton199 26.02.2010
Welch eine Überraschung! Die Professoren in den Hochschulen geben ihren Ministern überwiegend schlechte Noten! Wie sollte es in einem System, das vor lauter Besitzständen noch immer so verkrustet und reformbedürftig ist wie kaum ein anderer Bereich in Deutschland, auch anders sein? Nehmen wir zum Beispiel Niedersachsen. Dort wurde kürzlich die Niedersächsische Technische Hochschule (NTH) gegründet als Zusammenschluss der Universitäten Hannover, Braunschweig, Clausthal. Ein enorm wichtiger Schritt für das Land und die Wettbewerbsfähigkeit der niedersächsischen Hochschulen in den Ingenieur- und Technikwissenschaften! Aber macht man sich Freunde mit so einem Schritt? Sicher nicht - ein Blick in die Presse und auch in dieses Ranking zeigt das. Nichtsdestotrotz: Respekt für den Mut der Politik und des zuständigen Ministers Stratmann, diesen Schritt gewagt und erfolgreich umgesetzt zu haben! Ich finde, wir brauchen mehr solche Beispiele - auch die Entwicklung des Karlsruhe Institute of Technology, der TU München oder der FU Berlin in den letzten Jahren gehören dazu. Also: Mehr Mut der zuständigen Politiker, notwendige Reformen und profilbildende Schritte, die zu mehr Kooperation und Zusammenarbeit von Hochschulen und zur Bündelung von Kompetenzen führen, auch tatsächlich umzusetzen. Und zwar ohne populistische Meinungsmache und ohne ständig ein Ranking fürchten zu müssen, das von denen erstellt wird, die von (selten gewordenen) mutigen Reformen der Politik persönlich betroffen sind.
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