Drohender Verlust des Doktortitels: NRW-Politiker Eumann attackiert Uni Dortmund

SPD-Politiker Eumann promovierte 2010 - jetzt droht ihm der Titelverlust Zur Großansicht
DPA

SPD-Politiker Eumann promovierte 2010 - jetzt droht ihm der Titelverlust

NRW-Staatssekretär Marc Jan Eumann kämpft um seinen Doktortitel. Der SPD-Politiker wirft der Uni Dortmund vor, vertrauliche Informationen aus der Prüfung seiner Arbeit zu streuen - und kündigt eine Klage gegen seine ehemalige Hochschule an.

Düsseldorf - Im Streit über die mögliche Aberkennung seines Doktortitels kritisiert NRW-Medienstaatssekretär Marc Jan Eumann (SPD) seine ehemalige Hochschule, die Technische Universität (TU) Dortmund, scharf. "Vertraulichkeitsregelungen wurden ganz offensichtlich missachtet, da immer wieder Interna über das laufende Verfahren in die Öffentlichkeit getragen wurden", schrieb Eumann am Dienstag in einer Pressemitteilung. Eumann schließt mit der Androhung rechtlicher Schritte gegen die TU Dortmund: "Sollte sich das Verfahren in der bisherigen Art und Weise fortsetzen, wird im Zweifelsfall ein unabhängiges Gericht die Angelegenheit klären müssen, um die Hintergründe angemessen aufzuklären."

Mitte Juli hatte das Rektorat dem Politiker "erhebliches wissenschaftliches Fehlverhalten" vorgeworfen, ohne jedoch weitere Details anzugeben. Eumanns 2010 eingereichte Doktorarbeit "Der Deutsche Presse-Dienst" soll in weiten Teilen mit seiner 1991 verfassten Magisterarbeit identisch sein. Laut "FAZ" beruft sich die Universität in ihrem Urteil auf ihre interne Prüfkommission und ein Gutachten des Bonner Rechtswissenschaftlers Wolfgang Löwer. Laut Nachrichtenmagazin "Focus" steht in dem Gutachten, Eumann habe seinen Doktorväter bewusst getäuscht. Gutachter Löwer versicherte SPIEGEL ONLINE, er habe sich weder öffentlich über die Eumann-Untersuchung geäußert, noch das Gutachten weitergegeben. Als wahrscheinlichste Quelle erscheint damit jemand aus der TU Dortmund oder aus deren Umfeld.

Bei Eumanns Kritik geht es um mehr als um eine Stilfrage: Leistet sich die Universität Dortmund in dem Prüfverfahren Formfehler, wie einen Verstoß gegen die Vertraulichkeitsregeln, könnte Eumann mit dieser Begründung gegen einen möglichen Titelentzug klagen - und das unabhängig davon, ob er tatsächlich wissenschaftliche Standards missachtet hat. Auf diesem Weg versucht auch die zurückgetretene Bundesbildungsministerin Annette Schavan (CDU), den endgültigen Verlust ihres Doktortitels zu verhindern.

Die Chance, auf diesem Weg einen verlorenen Titel zurückzubekommen, ist denkbar klein. Wohl auch deshalb verteidigt Eumann seine Arbeit und sein Vorgehen bei der Dissertation vehement. Der SPD-Politiker erklärt, er habe dem Promotionsausschuss den Titel seiner Magisterarbeit und die Entstehungsgeschichte seiner Doktorarbeit "ausdrücklich erläutert". Dem widerspricht allerdings sein Doktorvater, der mittlerweile emeritierte Journalistikprofessor Horst Pöttker. Pöttker erklärte in der "FAZ", er habe den Titel von Eumanns Magisterarbeit nicht gekannt. Der SPD-Politiker habe den Titel sogar im obligatorischen Lebenslauf verschwiegen.

ade/lgr

Diesen Artikel...
  • Aus Datenschutzgründen wird Ihre IP-Adresse nur dann gespeichert, wenn Sie angemeldeter und eingeloggter Facebook-Nutzer sind. Wenn Sie mehr zum Thema Datenschutz wissen wollen, klicken Sie auf das i.
  • Auf anderen Social Networks teilen

Forum - Diskutieren Sie über diesen Artikel
insgesamt 25 Beiträge
Alle Kommentare öffnen
    Seite 1    
1. CDU Balsam
Blaufrosch 30.07.2013
aaaach ist das schön für die die CDU Anhänger: endlich mal kein CDU oder CSU Turbokarrierist am Pranger.... juhu ein Sozi! Und auch hier gilt: gleiches Recht für alle. Plagiate sind unabhängig vom Parteibuch zu verfolgen. Warum die schwarzen hier fast uneinholbar führen? Ja keine Ahnung, ist das Netz etwa links und die NSA daher die Rache Guttenbergs? Schließlich ist er doch der Neulandbeauftragte der EU... oder etwa auch nicht mehr?
2. Titel-Wahn und Plagiate
raber 30.07.2013
Titel-Wahn in Deutschland. Da kann man nur mit dem Kopf schütteln. Ist wirklich super einen Titel zu haben aber ihn zu ergaunern ist schon ein anderes Thema. Wenn die Titel alle überprüft werden würden, bliebe von der Titel-Inflation vielleicht viel weniger übrig und die hätten es dann auch richtig verdient, dass alles ausgemistet wird. Seinen Titel wegen Formfehler behalten zu dürfen, falls es sich wirklich um ein Plagiat handelt, wäre wohl das Allerletzte.
3. Man sollte wissen, wenn man...
mccomment 30.07.2013
...verloren hat. Unglaublich: Eumann unterschlägt bei seinem Betreuer den Titel seiner früheren Magisterarbeit und kündigt nun eine Klage an. Das ist so nassforsch, dass es fast schon wieder lustig ist. Wenn er nur halb so viel Energie in seine wissenschaftliche Arbeit gesteckt hätte, dann hätte wäre die wahrscheinlich wirklich gut geworden. Aber darum ging es ihm ja nicht...
4. Wie kann es sein?
knulp_u 30.07.2013
dass ein Doktorvater die Magisterarbeit seines Schützlings nicht kennt? Wie bei den anderen Fällen auch, scheint es den Universitäten hauptsächlich darum zu gehen, die eigene Weste reinzuwaschen. Wenn der nicht schon eremetiert wäre, sollte man ihm nicht mehr erlauben als Doktorvater zu wirken.
5. Plagiat-Jäger
alibaba2011 30.07.2013
Warum werden diese Neider oder missgünstige, geistig Verarmte Sonderlinge nicht einfach von den Medien ad acta gelegt.Warum werden diese Neidhamel nicht mit Namen versehen, so dass jeder gleich weis wer der Sonderling ist? Wahrscheinlich ist es so einer der es nicht geschafft hat seinen Doktor oder einen Hochschulabschluss zu erreichen.Für das im Müll wühlen reicht es gerade noch. Pfui Deibel - arme Heckenschützen.
Alle Kommentare öffnen
    Seite 1    
News verfolgen

HilfeLassen Sie sich mit kostenlosen Diensten auf dem Laufenden halten:

alles aus der Rubrik UniSPIEGEL
Twitter | RSS
alles aus der Rubrik Studium
RSS
alles zum Thema Plagiatsaffären
RSS

© SPIEGEL ONLINE 2013
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH



  • Drucken Senden
  • Nutzungsrechte Feedback
  • Kommentieren | 25 Kommentare