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Student ohne Arme und Beine: "Dann wirst du eben Bundeskanzler"

Student McDavid: Motiviert durchs Leben Zur Großansicht
Julia Unkel / UNI SPIEGEL

Student McDavid: Motiviert durchs Leben

Er braucht Hilfe beim Anziehen, beim Zähneputzen: Janis McDavid kam ohne Arme und Beine zur Welt. Trotzdem fühlt er sich nicht behindert. Denn er weiß, wie man sich motiviert. Darüber hält der Student sogar Vorträge.

"Nichts ist unmöglich." Ein verbrauchter Satz. Doch wenn Janis McDavid ihn sagt, gewinnt er an Stärke.

Der Student, in Hamburg geboren, Vater Engländer, hält Motivationsvorträge. Dabei hat er auf den ersten Blick ein Riesenhandicap: Der 24-Jährige wurde ohne Arme und Beine geboren. Ursache unbekannt. "Eine Contergan-Folge ist es nicht, dafür bin ich zu jung, die Ursache zu kennen würde mich aber auch nicht weiterbringen", sagt er. "Ich gucke lieber nach vorn."

McDavid studiert Wirtschaftswissenschaften an der Universität Witten-Herdecke. Er bewegt sich im Rollstuhl durchs Leben, an jedem Tag hat er einen Menschen aus seinem Freundeskreis oder seiner Familie um sich, der ihm im Alltag hilft, angefangen beim Anziehen eines Pullovers, aufgehört beim Zähneputzen.

Trotzdem fühlt er sich nicht behindert, denn er wählt in seinem Kopfkino das richtige Programm: "Ich stelle mir manchmal einfach vor, Arme und Beine zu haben; wenn ich mich unterhalte, gestikuliere ich innerlich, als hätte ich Arme; wenn ich durch die Stadt rolle, laufe ich in meinen Gedanken, als hätte ich Beine."

Auf Lösungen konzentrieren, nicht auf Probleme

McDavid blendet nicht aus, dass er auf mehr Hürden stößt als andere Menschen. "Gerade weil ich so bin, wie ich bin, weiß ich, wie wichtig es ist, Grenzen im Kopf gedanklich Stück für Stück nach hinten zu verschieben. So konzentriert man sich nicht auf Probleme, sondern auf Lösungen."

Sein Optimismus ist anziehend: Seit mehr als einem Jahr buchen Großunternehmen McDavid für Mut machende Workshops, in denen er etwa vorträgt, "wie man die Potenziale von Arbeitnehmern mit Behinderungen gewinnbringend nutzen kann". Im Prinzip brauchte er einfach nur von sich zu erzählen: wie er als Achtjähriger in den Spiegel blickte, wie ihm sein Anderssein zum ersten Mal bewusst wurde.

"Damals wollte ich Motorradpolizist werden. Als ich mich im Spiegel sah, dachte ich: Okay, das mit dem Motorradpolizisten wird wohl nix - dann wirst du eben Bundeskanzler."

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