24. Januar 2013, 08:39 Uhr

Schneeballschlacht zwischen zwei Unis

"Wir haben sie überrollt"

Von Vanessa Klüber

Die Münchner Unis schmeißen um die Wette: Bei einer Massen-Schneeballschlacht im Englischen Garten wollten die Studenten ermitteln: Welche Uni ist die bessere? Doch es ging um mehr als den Sieg im Eis-und-Schnee-Duell - eigentliches Ziel war das Bezahlstudium.

Es war eine Kampfansage der einen Münchner Elite-Uni an die andere. Eine innige Hassliebe verbindet die beiden größten Hochschulen der Stadt, die Ludwig-Maximilians-Universität und die Technische Universität, eine Rivalitäten mit Tradition. Welche die bessere Uni ist, das sollte am Dienstag eine gnadenlose Schlacht entscheiden: eine Schneeballschlacht im Englischen Garten.

Den Fehdehandschuh, quasi den ersten Schneeball, hatte die LMU in Richtung TU geworfen. In einer "Kriegserklärung" schrieben die LMU-Studenten: "Der noble Konvent der Fachschaften wird ballistische Gebilde aus kristallinem Dihydrogenmonoxid, vulgo: Schneebälle" als Waffe einsetzen, denn "in einem Duell des Intellekts" sei die TU sowieso "heillos unterlegen". Nur Schneebälle seien darum faire Kampfmittel.

"Plattgemacht und eingeseift"

Den Sieg allerdings will die TU davongetragen haben. "Wir haben sie gnadenlos überrollt", sagt Stefan Bschorer, 24, Vorsitzender der Studentischen Vertretung an der TU. "Wir waren viermal so viele." Nach "wenigen Minuten" habe das TU-Team die Gegner plattgemacht, eingeseift und die LMU-Schneemann-Schutzwälle eingerissen. "Wir haben das LMU-Banner erobert. Das hängt jetzt als Trophäe in zehn Metern Höhe im Maschinenwesengebäude. Die mussten uns zum Sieg gratulieren", sagt Bschorer stolz. 800 TU-Studenten hätten 200 LMUler eingeseift.

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"Stimmt nicht ganz", sagt Michelle Klein, 21, studentische Senatorin der LMU und bei der Schneeballschlacht an vorderster Front. "Wir waren zahlenmäßig unterlegen, aber technisch nicht schlechter. Wir haben uns wacker geschlagen." Außerdem habe auch die LMU ein TU-Banner erobert, was wiederum laut Bschorer nicht ins Gewicht falle.

Volksbegehren läuft schleppend

Beide Seiten räumten schließlich ein: Die Schlacht war auch ein Stellvertreterkrieg. Das Kampfgeheul und die Munition aus Schnee sollten Aufmerksamkeit erzeugen für einen Kampf, den die Studentenvertretungen gerade mit der Landesregierung Bayerns ausfechten. "Erst einmal bekriegen wir uns gegenseitig, dann bekriegen wir gemeinsam die Studiengebühren", erklärten die Studenten einträchtig.

Noch bis zum 30. Januar läuft in Bayern das Volksbegehren gegen die Studiengebühren an bayerischen Hochschulen. Die CSU-FDP-Regierung hält dort bislang an der Campus-Maut fest. Unterschreiben zehn Prozent der Wahlberechtigten, muss der bayerische Landtag die Abschaffung der Studiengebühren diskutieren.

Doch das Volk begehrt bisher noch nicht so recht. Die Freien Wähler, Initiatoren des Begehrens, sprechen zur Halbzeit am Dienstagabend von 3,4 Prozent Beteiligung. "Die Schneeballschlacht war dazu da, mehr Leute zu mobilisieren", erklärt LMU-Studentin Klein. Obwohl LMU und TU also in Wirklichkeit Verbündete sind - so ganz ohne Blessuren sind die Studenten nicht davongekommen. Es soll Prellungen, durchnässte Klamotten und sogar blutende Wunden gegeben haben, sagt Klein. "Aber alles halb so wild. Nächstes Jahr gibt es eine Revanche."


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