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Mehr Durchlässigkeit: Tausende studieren ohne Abi

Ohne Abitur zu studieren, war früher schwierig. Vor drei Jahren erleichterten die Kultusminister mit gemeinsamen Standards die Zulassung. Die Maßnahmen wirken, mehr Studenten denn je gelangten ohne Abi an eine Hochschule - wobei es große Unterschiede zwischen den Bundesländern gibt.

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Schweißer an die Uni? Seit 2009 ist das ein bisschen leichter möglich

Die Nachfrage nach einem Studium ohne Abitur ist sprunghaft angestiegen: Gut 9.000 der rund 450.000 Studienanfänger in Deutschland hatten im Jahr 2010 keine allgemeine Hochschulreife. Lag der Anteil der Studienstarter ohne Abi im Jahr 2007 noch bei 1 Prozent, stieg er auf 2,1 Prozent im Jahr 2010. Diese Zahlen ermittelte das Centrum für Hochschulentwicklung (CHE) in einer aktuellen Studie.

Vor drei Jahren hatte die Kultusministerkonferenz den Hochschulzugang für jene ohne Abi deutlich erleichtert, Personen mit Meistertitel und vergleichbaren Berufsbildungsabschlüssen sind seitdem gleichgestellt. Sie können sich somit an jeder Hochschule für ein Studium bewerben. Auch Personen mit einer abgeschlossenen Ausbildung und mehrjähriger Berufserfahrung haben eine Chance auf einen Studienplatz - wobei deren Auswahl beschränkt ist: Denn das Studienfach muss bei ihnen einen Bezug zu ihrem Beruf haben.

Je nach Bundesland sind die Chancen der Bewerber allerdings sehr unterschiedlich: Jedes Land habe verschiedene Detail- und Ausnahmeregeln, schreiben die Autoren. "Studierwillige ohne Abitur müssen sich entsprechend intensiv durch den Dschungel der Verordnungen wühlen, um über die Sonderkonditionen in den Bundesländern im Bilde zu sein", sagte CHE-Projektleiterin Sigrun Nickel. Auch fehlten für Studieninteressierte ohne Abitur nach wie vor ausreichend Stipendien.

In Schweden hat jeder dritte Student kein Abi

Spitzenreiter der Bundesländer ist Nordrhein-Westfalen, das mit 4,2 Prozent den höchsten Anteil von Nicht-Abiturienten unter seinen Studienanfängern hat. Ein Grund dafür ist die Fern-Universität Hagen: Im Jahr 2010 nahmen hier 2500 Studenten ohne Abi ihr Studium auf. Damit ist sie mit Abstand die beliebteste Hochschule in dieser Zielgruppe.

In Berlin beträgt die Quote der Nicht-Abiturienten 3,7 Prozent, wo mit der Steinbeis-Hochschule auch die zweitbeliebteste Hochschule steht: 433 Personen schrieben sich dort ein. Auf Platz drei folgt Mecklenburg-Vorpommern mit 2,2 Prozent. Ansonsten liegen die Anfängerquoten in den ostdeutschen Bundesländern allerdings deutlich darunter. Schlusslichter unter den Bundesländern sind Thüringen, Sachsen und das Saarland mit Anteilen zwischen 0,9 Prozent und 0,4 Prozent.

Im Vergleich zum Ausland ist der Anteil der Studienanfänger ohne Abitur in Deutschland immer noch verschwindend gering. Laut jüngstem EU-Studentenreport haben in Schweden 36 Prozent der Studenten keine klassische Hochschulreife und schaffen über ihre berufliche Qualifizierung den Sprung ins Studium.

fln/dpa

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