Sie sollten als Deutsche kommen, hieß es. Und dann kamen sie als Nazis. Studienanfänger an der Lincoln University in Neuseeland feierten ihr Oktoberfest in ziemlich eigentümlichen Kostümen: Die Zeitungen "The Press" und "The New Zealand Herald" berichten, dass einige Studenten in Nazi-Uniformen zu ihrer Wohnheimparty in Canterbury erschienen, andere verkleidet als KZ-Insassen.
Den Berichten zufolge war auf den Kostümen "Sieg Heil!" zu lesen und "Hitler ist mein Mann"; ein Partygast soll ein weißes Oberteil mit Hakenkreuzen getragen haben. Der "New Zeland Herald" zitiert einen Studenten mit den Worten, die Partygäste hätten "Heil Hitler" gerufen und geschmacklose Witze gemacht.
Der Vize-Kanzler der Uni, Roger Field, entschuldigte sich mittlerweile für das Verhalten der Studenten. Er bezeichnete es als unangemessen und nicht akzeptabel.
Nach Angaben der Präsidentin der Studentenverbindung, Megan Harte, war die Party vom Wohnheim organisiert worden, nicht von der Uni selbst. Die Feiernden seien nicht rassistisch gesinnt und würden auch nicht der Nazi-Ideologie anhängen, sagte sie. Viele der Studenten im ersten Jahr wüssten einfach nicht, was es mit dem Holocaust auf sich habe. Jetzt müssten Uni- und Wohnheimleitung entscheiden, ob die beteiligten Studenten bestraft werden.
Stephan Goodman, Präsident des Rates der Juden in Neuseeland, zeigte sich enttäuscht und bezeichnete die Kostümierung der Studenten als "abscheuliche Vorführung von Ahnungslosigkeit". Es sei nicht das erste Mal und werde wohl auch nicht das letzte Mal sein, dass so etwas in Neuseeland passiere. In den meisten Fällen geschehe es jedoch aus Unwissen und nicht aus böser Absicht.
Brutale Rituale, eindeutige Symbole: In Verbindungen nicht ungewöhnlich
Immer wieder sorgen Studentenpartys und Uni-Rituale, bei denen sich die Teilnehmer als Nazis verkleiden, für Aufregung. Im Herbst 2008 wurde ein studentisches Saufgelage in Nazi-Optik im englischen Cheltenham sogar im Fernsehen gezeigt. Weil dabei Erstsemster besonders heftig gedemütigt wurden, ging die Uni damals dem Fall nach.
Bizarre Aufnahmeprüfungen und Partybräuche für Studenten gibt es nicht nur in Neuseeland und Großbritannien, sondern auf der ganzen Welt, vor allem bei Studentenvereinigungen. Für die oft grausamen und erniedrigenden Rituale gibt es Bezeichnungen wie Fala (Polen), Nonnismo (Italien) oder Trote (Brasilien). In Frankreich sorgt die Bizutage immer wieder für Proteste.
An US-Unis werden Bewerber bei Studentenverbindungen beim Hazing bisweilen mit Eiswasser übergossen, mit Urin eingerieben oder erhalten Elektroschocks. Auch auf Erstsemester in den Niederlanden warten groteske Prüfungen: Die Tierschutzbehörde teilte im vergangenen Jahr mit, dass Studenten gezwungen worden sein sollen, lebende Goldfische zu schlucken; auch von Sex mit Hühnern ist die Rede. Regelmäßig werden zudem holländische Studenten hinter der deutschen Grenze ausgesetzt und sollen nach Amsterdam zurückkehren - nur mit Strumpfhosen und Müllsäcken bekleidet.
otr
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