New-Age-Universität: Wie Esoteriker und Polit-Prominenz die Welt retten wollen

Von Hans-Ulrich Felmberg

Nicht immer, wenn Universität draufsteht, ist auch eine drin. Die "Planet Life University" zum Beispiel sehen Kritiker eher als Inszenierung für den Milliarden-Markt der Esoterik. Prominente von Rita Süssmuth über Michail Gorbatschow bis zum Dalai Lama mischen trotzdem als "Ehrenmitglieder" beim dubiosen Projekt mit.

Mit einem "Global Marshall Plan" wollen prominente Politiker, Wissenschaftler und Geschäftsleute die Menschheit vor der Selbstzerstörung bewahren. Armut, Klimawandel, Überbevölkerung, Kriege - diese Probleme sollen durch einen Bewusstseinswandel bald der Vergangenheit angehören. Mit einem "Fest der Impulse" wird die Initiative am heutigen Freitag in Düsseldorf vorgestellt, moderiert vom Journalisten Franz Alt.

Hilft die Welt zu retten: Rita Süssmuth
DPA

Hilft die Welt zu retten: Rita Süssmuth

Damit der Aufbruch in ein neues Zeitalter gelingen kann, wurde bereits am 20. Juni im nordrhein-westfälischen Neuss die "Planet Life University" gegründet und feierlich durch die frühere Bundestagspräsidentin Rita Süssmuth eröffnet. Die Ziele klingen durchaus sympathisch, die Hintergründe sind indes dubios. Der vermeintlichen Universität fehlt jede rechtliche Grundlage. Kritiker sehen das Projekt als esoterisch-kommerzielle Aktion, als nur eine Inszenierung im Milliarden-Markt des New Age.

Dahinter steht der als gemeinnützig anerkannte Verein Club of Budapest, der "aktive Mitgestalter für eine bessere Welt" um sich scharen will. Das "Bildungs- und Trainingsinstitut für planetarisches Bewusstsein" sei keine herkömmliche Universität, sagte Generalsekretär Peter Spiegel. Man wolle Schlüsselkompetenzen vermitteln, vom "Lernen des Lernens" über friedliche Konfliktlösung bis hin zu Management-Trainings.

Interstellare Pseudo-Uni ohne rechtliche Basis

Zu seinen Ehrenmitgliedern zählt der Club nach eigenen Angaben 50 "weltberühmte Persönlichkeiten, die für ein planetarisches Bewusstsein stehen", darunter etwa die Politiker Hans-Dietrich Genscher, Richard von Weizsäcker und Michail Gorbatschow, die Künstler Zubin Mehta, Gidon Kremer und Peter Gabriel, Wissenschaftlerin Jane Goodall, Theologe Hans Küng sowie Desmond Tutu und drei weitere Friedensnobelpreisträger. Hinzu kommen 60 "Kreativmitglieder". Sie alle könnten nach dem Willen der Universitätsgründer als Dozenten wirken.

Ebenfalls an Bord: Dalai Lama
AP

Ebenfalls an Bord: Dalai Lama

Die "Studenten" sollen auch Zertifikate und Abschlüsse vom Bachelor über den Master bis zur Promotion erwerben können. Doch bisher ist die Planeten-Uni allenfalls ein Seminarhaus, das vereinzelt Seminare und Vorträge veranstaltet. Der Begriff "Universität" indes ist - auch in der englischen Form "University" - in Deutschland geschützt. Darauf hat das nordrhein-westfälische Wissenschaftsministerium den Club of Budapest mit seinem Präsidenten Ervin Laszlo, der zugleich als Uni-Präsident firmiert, bereits im Juni hingewiesen. Bis Ende Juli 2004 solle man ein Konzept vorlegen, andernfalls sei es rechtlich unzulässig, mit dem Etikett "Universität" einen geschäftlichen Betrieb aufzuziehen.

"Wir kooperieren mit der privaten Universität Arbon in der Schweiz. Wir führen den Universitätstitel zu Recht", sagte Wolfgang Riehn, Direktor der Einrichtung, auf Anfrage der "Hannoverschen Wirtschaftszeitung". Allerdings existiert die Universität Arbon bisher nur als Aktiengesellschaft auf dem Papier. Sie hat - immerhin - eine Homepage, befindet sich demnach "in der Gründungsphase und plant die offizielle Eröffnung des Studienbetriebes für den 1. September 2004". Selbst wenn sie nicht vor dem Start implodiert, würden ihre Abschlüsse und Professorentitel in Deutschland zunächst nicht anerkannt. Mitbegründer des "Ortes der permanenten kreativen Entfaltung" und Kontaktmann zur "Planet Life University" ist Johannes Tebbe, ein Hals-Nasen-Ohren-Arzt aus Mülheim an der Ruhr. Tebbe gibt wahlweise an, am "Lichtinstitut" in der Schweiz zu lehren und "Professor an der JINAN-Universität für Ganzheitlichkeit in Isny im Allgäu" zu sein - auch diese Universität gibt es nicht und gab es nie.

Vorläufer "Friedensuni" mit Gurus und Geistheilern

Und so tauchen im Umfeld des Club of Budapest allerlei Universitäten auf, die gar nicht existieren, erst gegründet werden sollen oder nicht anerkannt sind. Mehr Schein als Sein, kombiniert mit offensivem Namedropping, das gab es schon vor zehn Jahren: Damals versuchten Laszlo und andere Anhänger der New-Age- und Esoterik-Szene, eine "Internationale Friedensuniversität" in Berlin und Potsdam zu gründen. Natürlich durfte auch sie diesen Namen nicht führen und musste in "Friedenskolleg" umgetauft werden.

Homepage des Club of Budapest: Man will so viel Gutes tun

Homepage des Club of Budapest: Man will so viel Gutes tun

Auch dafür gab Rita Süssmuth zunächst ihren guten Namen und sagte später als Referentin ab. Neben ihr waren weitere Prominente eingespannt, allein zwölf Nobelpreisträger, jedoch teils ohne ihr Wissen. Als Unterstützer wurden beispielsweise die Uni Potsdam, Stiftungen, Goethe-Institute und Promis wie Günther Jauch und Thomas Gottschalk genannt. Sie distanzierten sich von dem kommerziell-esoterischen Projekt; von der Vortragsliste gestrichen wurden auch Ignatz Bubis, Inge Meysel, Dieter Kronzucker, Bud Spencer und andere. Einige Referenten gaben enge Kontakte zur Mun-Sekte zu. Am Ende blieben nur offene Rechnungen über etwa 300.000 Mark.

Lesen Sie im zweiten Teil:

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