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Niederlande: Tausende Studenten protestieren gegen Bummelgebühren

In den Niederlanden sollen nicht nur Langzeitstudenten eine Strafgebühr zahlen, sondern auch ihre Unis. Professoren und Studenten gingen zu Tausenden auf die Straße und protestierten gegen Bummelgebühren und Einsparungen an den Hochschulen. Vereinzelt kam es zu Krawallen.

Proteste in Den Haag: Nein zur Gebühr für Langzeitstudenten, fordern die Demonstranten Zur Großansicht
dpa

Proteste in Den Haag: Nein zur Gebühr für Langzeitstudenten, fordern die Demonstranten

Nach einer Protestaktion von mehr als 15.000 Studenten sind am Freitag in Den Haag Sicherheitskräfte und Demonstranten aneinandergeraten. Als unweit des niederländischen Parlaments und des Amtssitzes von Ministerpräsident Mark Rutte aus einer Menge Eier und Unrat auf die Beamten flogen, trieben Polizisten auf Pferden Gruppen von jungen Leuten auseinander. Einige gewalttätige Demonstranten seien vorübergehend festgenommen worden, teilte die Polizei mit.

Zuvor war eine große Protestkundgebung friedlich verlaufen. Gemeinsam mit den Studenten demonstrierten auch Hunderte Dozenten gegen eine neue Strafgebühr für Langzeitstudenten. Die Teilnehmer forderten die Rücknahme der sogenannten Halbe-Gebühr von 3000 Euro pro Jahr für Überschreitungen der Regelstudienzeit. Zugleich richtete sich ihr Protest gegen Etatkürzungen im Hochschulwesen.

Die nach ihrem Erfinder, dem Staatssekretär im Bildungsministerium, Halbe Zijlstra, benannte Gebühr soll künftig von den betroffenen Studenten erhoben werden - zusätzlich zu den regulären Studiengebühren von 1700 Euro. Betroffen wären Studenten, die mehr als vier Jahre für ein dreijähriges Bachelor-Studium brauchen und mehr als zwei Jahre für einen einjährigen Master-Studiengang, wie ein Sprecher des Bildungsministeriums mitteilte.

Mindestens jeder zehnte Student müsste zahlen, heißt es

Außerdem sollen den Universitäten pro Student 6000 Euro an Zuschüssen gestrichen werden. Auch deshalb beteiligten sich nach Angaben des TV-Senders NOS fast ein Drittel aller Hochschullehrer des Landes an den Protesten.

Ministerpräsident Rutte sagte, die Regierung nehme die Kritik "respektvoll" zur Kenntnis. Die geplanten Maßnahmen seien jedoch nötig, um den Staatshaushalt zu sanieren und gleichzeitig die Qualität der Hochschulbildung zu verbessern.

Sijbolt Noorda vom Verband der niederländischen Universitäten sagte: "Eine Regierung, die sagt, dass das Bildungssystem nicht gut genug ist, und es dann noch schlimmer macht", das sei unverständlich. Nach Angaben des Studentenverbandes ISO wären rund 70.000 Studenten von den Maßnahmen betroffen, mehr als zehn Prozent aller Studenten.

otr/dpa/AFP

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insgesamt 8 Beiträge
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1. War das ein protest...???
frikettoni 21.01.2011
15.000 Studenten auf einer großen Wiese (eben da wo sie niemanden wirklich stören), mit Musik von einem lustig herumhüpfenden "Moderatoren" bei Laune gehalten, dürfen sich von Politikern billige Wahlkampagnensprüche anhören. Gefühlte 20 mal hintereinander: "In Bildung muss investiert werden, wir sind auf eurer Seite und würden es anders machen (wählt uns!)... Amen." Keine zwei Stunden nach Ende der "Demonstration" Ruttens Stellungnahme: habt ihr ganz toll gemacht, Studenten, demonstrieren ist wichtig, aber interessiert mich nicht im geringsten....
2. Titeldum, titeldei
unterländer 21.01.2011
Zitat von frikettoni15.000 Studenten auf einer großen Wiese (eben da wo sie niemanden wirklich stören), mit Musik von einem lustig herumhüpfenden "Moderatoren" bei Laune gehalten, dürfen sich von Politikern billige Wahlkampagnensprüche anhören. Gefühlte 20 mal hintereinander: "In Bildung muss investiert werden, wir sind auf eurer Seite und würden es anders machen (wählt uns!)... Amen." Keine zwei Stunden nach Ende der "Demonstration" Ruttens Stellungnahme: habt ihr ganz toll gemacht, Studenten, demonstrieren ist wichtig, aber interessiert mich nicht im geringsten....
Ich hoffe, die Protestierer gegen eine Studiengebühr hierzulande haben gut aufgepasst, wie hoch die Studiengebühr in einem Nachbarland ist, das gemeinhin als liberal, sozial und bürgerfreundlich empfunden wird. Vielleicht dient der Artikel dazu, ein paar Leuten die tatsächlichen Verhältnisse (von wegen unsoziale Studiengebühr in D) vor Augen zu halten.
3. Wer hat die höchsten Studiengebühren - und alles darunter ist sozial?
frikettoni 21.01.2011
Zitat von unterländerIch hoffe, die Protestierer gegen eine Studiengebühr hierzulande haben gut aufgepasst, wie hoch die Studiengebühr in einem Nachbarland ist, das gemeinhin als liberal, sozial und bürgerfreundlich empfunden wird. Vielleicht dient der Artikel dazu, ein paar Leuten die tatsächlichen Verhältnisse (von wegen unsoziale Studiengebühr in D) vor Augen zu halten.
...was ist das für eine Logik? Weil es in eben diesem liberalen, sozialen und bürgerfreundlichen Land gerade noch schlechter zu laufen scheint mit den Bildungsinvestitionen, sollten sich die Deutschen mal gar nicht erst beschweren? Übrigens sind zwar die Gebühren, aber gleichzeitig auch die finanzielle Unterstützung während des Studiums in den Niederlanden noch höher (und erreicht weitaus mehr Studenten): Bis zu über 900Euro Studiefinanciering; da bleibt selbst der Höchstsatz BAFöG weit drunter. Von dem Geld lassen sich sie 1700 im Jahr doch schon eher bezahlen als die ca. 1400Euro (2x500 + 2x Verwaltungsbeiträge etc) in Deutschland. Wenn ein Land Bildung vernachlässigt, ist das immer ein Grund etwas dagegen zu unternehmen! Nur leider gelingt das den Studenten in den Niederlanden gerade nicht. Sie feiern lieber ein bisschen und lassen sich dann mit abgedroschenen Politikerphrasen abspeisen.
4. Titel
bipolar84 22.01.2011
Zitat von frikettoni...was ist das für eine Logik? Weil es in eben diesem liberalen, sozialen und bürgerfreundlichen Land gerade noch schlechter zu laufen scheint mit den Bildungsinvestitionen, sollten sich die Deutschen mal gar nicht erst beschweren? Übrigens sind zwar die Gebühren, aber gleichzeitig auch die finanzielle Unterstützung während des Studiums in den Niederlanden noch höher (und erreicht weitaus mehr Studenten): Bis zu über 900Euro Studiefinanciering; da bleibt selbst der Höchstsatz BAFöG weit drunter. Von dem Geld lassen sich sie 1700 im Jahr doch schon eher bezahlen als die ca. 1400Euro (2x500 + 2x Verwaltungsbeiträge etc) in Deutschland. Wenn ein Land Bildung vernachlässigt, ist das immer ein Grund etwas dagegen zu unternehmen! Nur leider gelingt das den Studenten in den Niederlanden gerade nicht. Sie feiern lieber ein bisschen und lassen sich dann mit abgedroschenen Politikerphrasen abspeisen.
De Fakto bezahlt man in NRW bei einem Studium mit Regelstudienzeit von sagen wir mal 6 Semestern als Bafög-Empfänger (auch schon wenn man nicht den Bafög Höchstsatz bekommt) häufig gar keine Studiengebühren, weil diese einem erlassen werden. Der Bafög-Höchstsatz beträgt z.Zt. übrigens 670 Euro/Monat. In NRW ist es da doch ein ganzes Stück sozialer als beim Nachbarn. Auch deshalb, weil es eben keine zusätzlichen Langzeitstudiengebühren gibt. Im übrigen sollten Sie fairerweise berücksichtigen, dass in diesen "Verwaltungsbeiträgen" Kosten für das Ticket (in NRW z.B. ein komplettes NRW-Ticket) und den ach so sozialen ASTA enthalten sind. http://www.nrwbank.de/de/bildungsfinanzierungsportal/studienbeitragsdarlehen/faq/Allgemeine_Fragen/index.html#Kappung
5.
taupe, 22.01.2011
Zitat von bipolar84De Fakto bezahlt man in NRW bei einem Studium mit Regelstudienzeit von sagen wir mal 6 Semestern als Bafög-Empfänger (auch schon wenn man nicht den Bafög Höchstsatz bekommt) häufig gar keine Studiengebühren, weil diese einem erlassen werden. Der Bafög-Höchstsatz beträgt z.Zt. übrigens 670 Euro/Monat. In NRW ist es da doch ein ganzes Stück sozialer als beim Nachbarn. Auch deshalb, weil es eben keine zusätzlichen Langzeitstudiengebühren gibt. Im übrigen sollten Sie fairerweise berücksichtigen, dass in diesen "Verwaltungsbeiträgen" Kosten für das Ticket (in NRW z.B. ein komplettes NRW-Ticket) und den ach so sozialen ASTA enthalten sind. http://www.nrwbank.de/de/bildungsfinanzierungsportal/studienbeitragsdarlehen/faq/Allgemeine_Fragen/index.html#Kappung
Da kocht halt jedes Bundesland ihr eigenes Süppchen. In Bayern werden Bafög-Empfängern, unabhängig von der Höhe des Bafögs, die Studiengebühren nicht erlassen. Auch gibt es bei uns (Uni Erlangen) keine Übernahme der Tickets durch die Verwaltungsgebühr. Bei der Einführung der Studiengebühren hieß es bei uns in der Uni, dass den Studenten, die in den Zwischenprüfungen oder vergleichbare Prüfung sehr gut abschneiden, die Studiengebühren erlassen werden (Begründet wurde das damit, dass besondere Leistungen belohnt werden sollen). Ich habe gelernt wie eine Wahnissinge, in beiden Prüfungen eine 1.0 bekommen, nur um festzustellen, dass die Uni dieses Angebot wieder zurückgenommen hat...
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Studentenproteste seit 1968
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Dezember 1981
Bundesweit protestieren hunderttausende Studenten gegen überfüllte Hörsäle, Stellenstreichungen, Wohnungsnot und Kürzungen bei der Ausbildungsförderung (Bafög).
Dezember 1990
Mit Besetzungen und Blockaden protestieren Studenten in den neuen Bundesländern gegen die geplante Auflösung von Studiengängen und Fachbereichen ostdeutscher Hochschulen.
Dezember 1997
Die Protestwelle gegen die Finanzmisere an den deutschen Hochschulen erreicht einen Höhepunkt. Mehr als 100.000 Studenten gehen für eine bessere Ausstattung der Hochschulen, demokratischere Strukturen und eine von den Eltern unabhängige Studienförderung auf die Straße.
Dezember 2003
Zehntausende Studenten protestieren in mehreren deutschen Städten gegen Einsparungen bei den Hochschuletats, überfüllte Hörsäle und die Einführung von Studiengebühren.
Juni 2009
In rund 70 deutschen Städten gehen mehr als 100.000 Schüler und Studenten auf die Straße, um für mehr Geld und Reformen im Bildungssystem zu demonstrieren. Es ist ein wuchtiger Auftakt des Bildungsstreiks 2009 in Deutschland.


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