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OECD: Deutschland muss mehr in Bildung investieren

Noch immer studieren in Deutschland zu wenige junge Menschen, andere Industriestaaten geben mehr für Schulen und Hochschulen aus - das zeigt ein neuer internationaler Vergleich. Die OECD fordert Deutschland auf, gerade in der Krise stärker auf Bildung zu setzen.

Erstsemester (in Kassel): Nur jeder dritte Schulabgänger schafft es an eine Hochschule Zur Großansicht
dpa

Erstsemester (in Kassel): Nur jeder dritte Schulabgänger schafft es an eine Hochschule

Deutschland liegt im Vergleich mit anderen Industrieländern bei der Zahl der Hochschulabsolventen und auch in der Weiterbildung zurück. Auf diesen Missstand hat die Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD) am Dienstag hingewiesen. Sie veröffentlichte wie jedes Jahr ihren Bericht "Bildung auf einen Blick" und forderte dabei auch mehr Engagement der Bundesrepublik in Bildungsfragen.

Der Zahl der Studienanfänger lag in Deutschland im Jahr 2007 bei 34 Prozent eines Jahrgangs. Das ist einer der niedrigsten Werte innerhalb der OECD, noch geringer ist die Quote lediglich in der Türkei, Belgien und Mexiko. Im Jahr 2008 nahmen allerdings mit 36 Prozent erneut etwas mehr deutsche Schulabgänger mit Hochschulreife ein Studium auf als in den Vorjahren (nach den deutschen Berechnungen liegt die Studienanfängerquote etwas höher als nach der OECD-Statistik). Im Schnitt der 30 wichtigsten Industrienationen nehmen indes heute 56 Prozent ein Studium auf.

Die Absolventenquote, also der Anteil derjenigen eines Jahrgangs, die bis zu einem erfolgreichen Hochschulabschluss studieren, hat sich weiter leicht verbessert. Im internationalen Vergleich liegt Deutschland aber auch hier zurück. 23 Prozent eines Altersjahrgangs schlossen 2007 ein Hoch- oder Fachhochschulstudium ab; im Vorjahr waren es nur 21 Prozent gewesen und 1995 sogar lediglich 14 Prozent. Indes verdoppelte sich die Quote der erfolgreich Studierenden im gleichen Zeitraum in den Mitgliedsländern der OECD, für die entsprechende Zahlen vorliegen, von 18 auf 36 Prozent.

Deutschland bei Akademikerausbildung weiter unterdurchschnittlich

Auch in der Weiterbildung hinkt Deutschland laut OECD hinterher; in anderen Industrieländern beteiligen sich erheblich mehr Ältere an hochqualifizierter Weiterbildung. Und gemessen an der Wirtschaftskraft investiert Deutschland in Bildung auch weniger Geld als die meisten anderen Industriestaaten. Die gesamten öffentlichen und privaten Ausgaben für Bildung lagen in Deutschland im Jahr 2006 bei 4,8 Prozent des Bruttoinlandsprodukts (OECD-Schnitt: 5,5 Prozent). Unter den OECD-Ländern gaben nur die Türkei, die Slowakei, Spanien und Irland einen geringeren Anteil für Bildung aus.

Allerdings rechnet die OECD private und öffentliche Bildungsausgaben zusammen. Darum ist fraglich, inwieweit sich Länder mit staatlich finanzierten Bildungswesen und Länder mit starkem privatwirtschaftlichen Bildungssektor überhaupt vergleichen lassen. Dabei stehen sich so ungleiche Systeme wie das finnische oder dänische Modell dem privatwirtschaftlichen Ansatz in den USA oder Chile gegenüber. In Chile etwa wird, statistisch betrachtet, überproportional in Hochschulen investiert - auf dem Papier steht das Land damit besser da als Deutschland. Nur hält sich der Staat Chile aus der Finanzierung der Hochschulbildung nahezu komplett heraus.

Doch auch der deutsche Staat investiert, verglichen mit dem Durchschnitt der OECD-Länder, weniger in Schul- und Hochschulbildung: 13,3 Prozent ihrer öffentlichen Ausgaben wenden die Industrieländer durchschnittlich für Bildung auf, in Deutschland liegt die Quote bei unter zehn Prozent.

Ein Studium bringt 150.000 Euro mehr als eine Ausbildung

Die OECD in Paris, die die 30 wichtigsten Industriestaaten bei ihrer wirtschaftlichen Entwicklung berät, forderte die Bundesrepublik nachdrücklich zu weiteren Reformanstrengungen auf. "Wenn Deutschland gestärkt aus dieser Wirtschaftskrise hervorgehen will, dann ist jetzt der Zeitpunkt gekommen, in Bildung und höhere Qualifikation zu investieren", sagte OECD-Bildungsdirektorin Barbara Ischinger.

Eine höhere Bildung zahlt sich dem Bericht zufolge auch im Verdienst deutlich aus. Männer, die nach Schulabschluss direkt ein Studium aufnehmen, können in Deutschland in ihrem Erwerbsleben im Vergleich zu einer beruflichen Ausbildung mit einem Einkommensplus von durchschnittlich 150.000 Euro brutto nach heutigem Wert rechnen. Für Frauen liegt der Wert aufgrund eines noch immer niedrigeren Lohnniveaus und einer höheren Teilzeitquote bei 95.000 Euro.

cht/otr/AFP/dpa

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Erstsemester an deutschen Hochschulen 1998 bis 2008
Jahr Anzahl Anfänger-Quote* Trend
1998 271.999 29,2
1999 290.983 31,7
2000 314.539 33,6
2001 344.659 36,6
2002 358.792 38,3
2003 377.395 38,3
2004 358.704 37,1
2005 355.961 36,9
2006 344.822 35,9
2007 358.673 35,9
2008 385.500 39,3
*Anteil am Altersjahrgang
Quelle: Bildung in Deutschland 2008