OECD-Studie: Nur jeder Fünfte schafft Aufstieg durch Bildung

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Fast alle Vierjährigen gehen in die Kita - das ist die gute Nachricht. Doch bei den Bildungsausgaben liegt Deutschland weit hinten, besagt eine Studie der OECD. Besonders dramatisch: Arbeiterkinder haben kaum Aufstiegschancen, viele bleiben sogar hinter dem Bildungsniveau ihrer Eltern zurück.

Kita-Kletterer: Frühkindlicher Erziehung funktioniert in Deutschland gut, sozialer Aufstieg nicht Zur Großansicht
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Kita-Kletterer: Frühkindlicher Erziehung funktioniert in Deutschland gut, sozialer Aufstieg nicht

Berlin - OECD-Bildungschefin Barbara Ischinger ist extra aus Paris gekommen, um in der Berliner Bundespressekonferenz die aktuelle Studie der Organisation der Öffentlichkeit zu präsentieren. Der Name des Werks: "Bildung auf einen Blick". An Ischingers Seite sitzen zwei deutsche Politikerinnen: Bildungsstaatssekretärin Cornelia Quennet-Thielen und Johanna Wanka (CDU), Wissenschaftsministerin aus Niedersachsen. Sie sind da, um im Namen von Bundesregierung und Kultusministerkonferenz allzu negative Diagnosen zurechtzurücken.

Bei dem alljährlichen Ritual prallen zwei Weltsichten aufeinander. Die OECD auf der einen Seite misst Bildungserfolg in Skalen, Intervallen, Ranglisten. Sie geht davon aus, dass ein Land umso erfolgreicher ist, je mehr Abiturienten und Hochschulabsolventen es produziert. Dabei sieht die Bundesrepublik regelmäßig schlecht aus im Vergleich zu Nationen, wo auch Hebammen oder Krankenschwestern auf Hochschulen gehen.

Die Vertreter des deutschen Föderalismus auf der anderen Seite verteidigen die hiesigen Besonderheiten. Sie machen sich etwa für die betriebliche Ausbildung stark, weil diese erfolgreiche Facharbeiter auch ohne Hochschulabschluss produziere. Zehn Jahre nach Pisa haben sie es satt, dass ihnen regelmäßig Versagen attestiert wird - darum die Eskorte.

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OECD-Bericht: Knauseriger Staat, reiche Lehrer
Die Statistiker attestieren der Bundesrepublik in ihrem fast 600 Seiten starken Konvolut (hier als pdf in englischer Sprache) Fortschritte auf gleich mehreren Gebieten. Demnach fallen hierzulande junge Menschen seltener aus dem Berufs- und Bildungssystem heraus als in anderen Industrieländern. Selbst die internationale Wirtschaftskrise bewirkte nicht, dass es mehr Verlierer gab - was freilich auch an Deutschlands Sonderrolle als gesunde Volkswirtschaft in einem ansonsten lahmenden Europa liegen könnte.

Fast alle Vierjährigen gehen in Kitas

Positiv vermerken die Forscher auch, dass in Deutschland inzwischen 96 Prozent der Vierjährigen in Betreuungseinrichtungen untergebracht sind, weit mehr als im Durchschnitt der teilnehmenden Länder. Für die ganz Kleinen gibt Deutschland im Vergleich auch mehr Geld aus, während es bei den übrigen Bildungsausgaben zurückliegt.

Die Bildungspolitikerinnen Quennet-Thielen und Wanka kann es freuen, auch wenn Deutschland in den meisten Kategorien nicht zu den Klassenbesten wie Norwegen oder die Schweiz gehört. 34 OECD-Länder kamen auf den Prüfstand, darunter 21 Staaten der Europäischen Union. Immerhin: Als akut versetzungsgefährdet muss Deutschland laut der neuesten Zahlen nicht mehr gelten.

Allerdings zeichnet die Studie auch das Bild eines saturierten Landes, in dem zu wenige durch Bildung nach oben kommen wollen oder daran durch äußere Umstände gehindert werden. Woran es genau liegt - solche Ursachenforschung betreibt "Bildung auf einen Blick" leider nicht.

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Aussortierte Abiturienten: So bremst Deutschlands Bildungsaufsteiger aus
Dass Deutschland zu wenig Chancen bietet, zeigte allerdings zu Wochenanfang eine neue Bildungsstudie der Vodafone-Stiftung: Demnach steht es um die Chancengleichheit in Deutschland weiter schlecht. Kinder aus bildungsfernen Familien schaffen es hierzulande viel seltener ans Gymnasium und ins Studium als Mitschüler aus dem Bildungsbürgertum. Und selbst wer sich das Abitur erkämpft hat, setzt lieber auf eine Berufsausbildung.

Deutschland als Sonderfall: Abstieg häufiger als Aufstieg

Die OECD deutet die Zahlen, die sie liefert, nicht. Aber sie passen ins Bild der Nation, die wenig Chancen eröffnet: 20 Prozent der Deutschen zwischen 25 und 34 Jahren erwerben einen Bildungsabschluss, der höher ist als der ihrer Eltern, 22 Prozent bleiben hingegen hinter dem zurück, was Papa oder Mama vorgelegt haben. Damit überwiegt die Abwärtsmobilität, ein Trend, der international sehr selten ist.

Zwischen Männern und Frauen wächst außerdem hierzulande die Gehaltskluft, weil vergleichsweise viele Frauen in Teilzeit arbeiten - auch kein Zeichen für große soziale Dynamik.

"Die Funktion des Bildungssystems als Motor für Aufstieg zwischen den Generationen ist relativ schwach in Deutschland", attestiert die OECD. Ein Befund, der die deutsche Politik beschäftigen muss, trotz aktuell erreichter Verbesserungen. Rundum glücklich schätzen können sich hingegen die deutschen Lehrer: Sie sind so gut bezahlt wie sonst nur die Kollegen in der reichen Schweiz und in Luxemburg.

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insgesamt 247 Beiträge
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1. Deutschland nur befriedigend
tdmdft 11.09.2012
Deutschland ist bekanntermassen schlecht aufgestellte. Die Leute sind nicht gut ausgebildet. Als Folge verbuchen wir, das deutsche Produkte im Ausland wegen der mangelnden Qualität nicht nachgefragt werden. Ja, es gibt leider immer noch kein Universitätsstudium für Automechaniker, wie z.B in den USA. Auch unsere Schreiner, Mauerer und Krankenschwestern sind nicht konkurenzfähig. Deutschland steht daher kurz davor, bei der EU Bildungshilfen zu beantragen. Wir fragen uns: was ist das Ziel? Sollen 80% der Leute einen akademischen Abschluss haben? Welche Fächer sollen das sein?
2. Alles wie gehabt
Flinsenberger 11.09.2012
Also alles wie gehabt. Wenig Aufwärts-Mobilität durch Bildung, zu wenig Geld für Bildung und die Bildungspolitiker der Parteien, die ja alle irgendwo in der Verantwortung sind, sagen "Bei uns ist es doch prima. Man sollte nicht alles schlecht reden." Änderungen? Ansatzweise. Behutsam. Das grundlegende Manko der sozialen Ungerechtigkeit und Undurchlässigkeit wird ignoriert. Seit mindestens einem Jahrzehnt. Stattdessen wird gesagt: "Die faulen Schweine sollen halt mehr arbeiten und weniger fernsehen."
3. Apfel- und Birnenstatistik
saxae 11.09.2012
Wie sagt man so schön: Es werden Äpfel mit Birnen verglichen. Alles in eine Statistik (und die sind generell zweifelhaft) reingepresst. Jeder kann frei entscheiden, welchen Bildungsweg er geht. Bei den meisten werden die Eltern bis zu einen gewissen Alter ein hohes maß an Einfluss haben, wenn diese sich nicht um ihre Kinder scheren kann auch der beste Staat nichts dagegen machen. Außer der Staat investiert noch mehr in Bildung, dann muss aber bei dem größten Posten, den Sozialausgaben, gekürzt werden. Und schon kommt die nächste Statistik über die furchtbare Armut in Deutschland...
4. Bankenrettung...
wkilikidoo 11.09.2012
Zitat von sysopDPAFast alle Vierjährigen gehen in die Kita - das ist die gute Nachricht. Doch bei den Bildungsausgaben liegt Deutschland weit hinten, ergibt eine Studie der OECD. Besonders dramatisch: Arbeiterkinder haben kaum Aufstiegschancen, viele bleiben sogar hinter dem Bildungsniveau ihrer Eltern zurück. http://www.spiegel.de/unispiegel/studium/0,1518,855073,00.html
...ist viel wichtiger als die paar 100.000 Arbeiterkinder. Damit Deutschland in den selben US-Machtimperiumsstatus aufsteigen kann, muss ein Grossteil der Bevölkerung möglichst sehr blöd sein...
5. Bildungsfeindlichkeit
Jolande9 11.09.2012
Ich würde mir wünschen, dass neben allen Statistiken und Studien ein Thema betrachtet würde, was meines Erachtens das Bildungsklima in Deutschland am allermeisten beeinträchtigt, und damit meine ich die starke Bildungsfeindlichkeit, teilweise quer durch alle Schichten. Dabei fällt vor allem auf, in welcher Weise sich die sogenannten bildungsfernen Schichten sich von den bildungsaffinen abgrenzen, nicht nur andersherum wie das immer beklagt wird. Wie geht man in der Familie mit einem lernbegierigem Kind um? Bedeutet es eine narzisstische Kränkung für den Vater, wenn der Sohn oder gar die Tochter klüger ist? Darf die Tochter Abitur machen? Wird das intelligente Kind unter weniger bildungsinteressierten Kindern als Streber tituliert und ausgegrenzt? Wie geht man mit Eltern um, die selbstverständlich für ihre Kinder die bestmögliche Bildungsinstitution suchen - selbst wenn es eine private ist? Die jüngere deutsche Geschichte kumulierte nicht umsonst in Bücherverbrennungen - und Verfolgung und Vernichtung von Menschen, die eine große kulturelle und intellekturelle Tradition haben. Danach der Sozialismus mit seiner Gleichmacherei... wehe, einer schert aus... heute kombiniert mit einem bigotten Christentum welches Demut predigt und freies Denken verhindert - und in der Gesellschaft wieder sehr präsent und raumgreifend ist. Solange sich in den Köpfen der Menschen nichts ändert wird auch das Bildungswesen nicht durchlässiger.
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