Ökowelle an US-Unis: Duschen mit Stoppuhr

von Gregor Peter Schmitz

Der American Way of Life ist traditionell verschwenderisch. An den Unis aber gilt: Green is beautiful. Viele Studenten stellen Europas Ökos der Achtziger in den Schatten. Sie wohnen im Halbdunkel, frieren mit Wonne, gehen ungeduscht ins Seminar - alles der Umwelt zuliebe.

Bei den Kronleuchtern im ehrwürdigen Speisesaal war es einigen Kommilitonen dann doch genug. Mit Energiesparlampen verbrauchten die zwar viel weniger Strom - aber sie tauchten die Esstische im Eliot House, einem Studentenwohnheim der Harvard University, ins Halbdunkel. Über den E-Mail-Verteiler des Wohnheims wogte der Streit übers Licht hin und her.

Der Umwelt helfen wollten eigentlich alle, die mitdiskutierten - aber ihr Essen auf dem Teller erkennen wollten sie auch. "Dann haben wir schließlich eine Ausnahme gemacht und die alten Birnen wieder eingesetzt", seufzt Brandon Geller.

Solche Ausnahmen sind dem 23-jährigen Biochemiker eigentlich zuwider. Geller arbeitet für die Harvard Green Campus Initiative. Der drahtige Ökobeauftragte trägt ein grünes Recycling-Zeichen als Abziehtattoo auf dem Arm, um ihn herum liegen Broschüren mit vielen Ausrufezeichen: "Setz deinen Computer auf Diät!", "Dreh die Heizung in deinem Raum runter!", "Fahr mit Bus und Bahn!"

Unamerikanische Umtriebe: Studenten finden Öko schick

Harvard wäre nicht Harvard, wenn die Vorzeige-Uni an der Ostküste nicht auch bei einer Bewegung vorn liegen wollte, die derzeit Studenten in ganz Nordamerika umtreibt: beim Umweltschutz.

Während im US-Präsidentschaftswahlkampf Pluspunkte sammelt, wer im kostbaren Alaska nach Öl bohren will, während das Weiße Haus trotz steigender Rohstoffpreise den verschwenderischen American Way of Life propagiert, finden die Studenten Öko schick.

Mehr als 470 Unis in den USA haben sich schon zur CO2-Neutralität verpflichtet. Gerade hat Harvards Universitätspräsidentin angekündigt, sie werde die Treibhausgasemissionen der Hochschule um 30 Prozent reduzieren - in einem Referendum hatten fast 90 Prozent der Studenten dafür gestimmt.

An der University of Washington in Seattle fahren Studenten wie Professoren längst Wasserstoff-Autos. Die Pennsylvania State University deckt 27 Prozent ihres Stromverbrauchs mit Windkraft. In Vermont kompostiert das kleine Middlebury College seinen gesamten Speisesaalabfall und eröffnet im Januar ein elf Millionen Dollar teures Bioheizkraftwerk, das den Heizölverbrauch des Colleges halbieren soll. Und die Duke University in North Carolina gibt als Studienziel für ihr neues Fach "Energie und Umweltstudien" an: Studenten darauf vorbereiten, die Welt zu verändern.

Im wettbewerbsfixierten US-Hochschulsystem ist Umweltschutz eine neue Maßeinheit für akademische Qualität geworden. Die "Princeton Review", berüchtigt für ihre Uni-Ranglisten, hat die Bildungseinrichtungen nach ihrer Umweltfreundlichkeit sortiert. Elf Hochschulen finden sich da, bekannte Namen wie eben Harvard und Yale, aber auch kleinere Einrichtungen wie das Bates College oder das College of the Atlantic in Maine - das sich auf seiner Website frech das "grünste College der Welt" nennt.

Alle lernen unter einer Lampe und frieren für Mutter Erde

Am Oberlin College in Ohio steht ein ganzes Haus, das als Ökoversuchsanstalt dient, genannt "Student Experiment in Ecological Design" (SEED). Die Idee zu dem Projekt kam Lucas Brown, einem 22 Jahre alten Wirtschaftsstudenten, und zwei Freunden, als sie einen Kurs in ökologischem Design belegten. "Wir dachten uns, wir wollen das auch in unserer direkten Umgebung vorleben." Die Uni gab 40.000 Dollar, um ein renovierungsbedürftiges Haus mitten auf dem Campus umweltfreundlich herzurichten, mit entsprechender Isolierung, Heizung und Leitungen. Lucas, ein geübter Handwerker, packte bei den Umbauten selbst an.

An allen Elektrogeräten im Haus klebt nun ein buntes Schild, das zum Energiesparen mahnt. Auf dem elektronischen Keyboard von Lucas steht: "Die Musik war wundervoll. Jetzt geh an die Hausarbeiten und vergiss nicht, mich auszustöpseln." Im Garten wartet ein Komposthaufen auf hilfreiche Würmer, die Lauge fürs Geschirr spült danach die Toilette. Meist lernen die Bewohner gemeinsam im Wohnzimmer, um Licht in den anderen Räumen zu sparen.

Selbst im Winter puckert die Heizung nur selten auf Hochtouren - die Studenten tragen lieber warme Sachen oder hüllen sich in Decken. Neben der Dusche steht eine Uhr, die die Duschzeit misst. Drei Minuten braucht Lucas; Mädchen mit langen Haaren dürfen etwas länger. Aber die meisten Bewohner wollen gar keine Ausnahmen. Oft duschen Mitglieder der Öko-WG tagelang nicht, um Energie zu sparen.

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Forum - Wie ökologisch sind deutsche Unis?
insgesamt 19 Beiträge
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1.
kleiner-moritz 27.10.2008
Zitat von sysopVorbild USA - der American Way of Life ist traditionell verschwenderisch. An den Unis aber gilt: Green is beautiful. Viele Studenten stellen Europas Ökos der Achtziger in den Schatten. Aber was sind Ihre Erfahrungen: Wie ökologisch sind deutsche Unis heute? Der Artikel zum Thema: http://www.spiegel.de/unispiegel/studium/0,1518,585551,00.html
Ich will nicht stänkern, aber Strom verbracht man nicht und schon gar nicht in einem Stromkreis! Das war bereits zur Zeit der seligen Glühlampe so und ist auch bei den Super-Öko-LED-Lampen nicht anders!
2. Die Frage müsste lauten:
lalito 27.10.2008
Zitat von sysopVorbild USA - der American Way of Life ist traditionell verschwenderisch. An den Unis aber gilt: Green is beautiful. Viele Studenten stellen Europas Ökos der Achtziger in den Schatten. Aber was sind Ihre Erfahrungen: Wie ökologisch sind deutsche Unis heute? Der Artikel zum Thema: http://www.spiegel.de/unispiegel/studium/0,1518,585551,00.html
Was lernen die Studenten an den Unis? Ökologisch korrektes Bewusstsein?
3.
DJ Doena 27.10.2008
Zitat von kleiner-moritzIch will nicht stänkern, aber Strom verbracht man nicht und schon gar nicht in einem Stromkreis! Das war bereits zur Zeit der seligen Glühlampe so und ist auch bei den Super-Öko-LED-Lampen nicht anders!
http://de.wikipedia.org/wiki/Korinthenkacker
4.
kleiner-moritz 27.10.2008
Zitat von DJ Doenahttp://de.wikipedia.org/wiki/Korinthenkacker
Sie verwechseln hier Unwissenheit mit Gelassenheit! Etwas mehr hätten Sie ruhig schreiben dürfen! Wenn man selbst an einer Uni nicht weiß, dass es beim Umrüsten der Leuchtmittel darauf an kommt, dass man den gleichen - nicht denselben - Lichtstrom erreichen sollte, so sehe ich für die betroffenen Schwarz.
5.
kleiner-moritz 27.10.2008
Zitat von DJ Doenahttp://de.wikipedia.org/wiki/Korinthenkacker
Warum schreiben Sie statt über die kleinste Rosine nichts über den Spannungabfall aus ökologischer Sicht?
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