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02. Juni 2012, 08:15 Uhr

Ohne Erasmus ins Ausland

Traut euch!

Wer während das Studiums in einem anderen Land studieren will, denkt als erstes an Erasmus. Doch Studenten können sich auch ohne das EU-Programm in die weite Welt wagen. Der Vorteil: Sie haben die freie Uni-Auswahl. Der Nachteil: Es drohen hohe Kosten. Immerhin gibt es finanzielle Hilfe.

Ein Auslandsaufenthalt während des Studiums gehört für viele Studenten dazu. Aus Neugier, aus Interesse an anderen Kulturen oder weil es sich gut im Lebenslauf macht. Der einfachste Weg ins Ausland heißt nach wie vor Erasmus.

Das EU-Programm fördert den europaweiten Austausch von Studenten zwischen Partneruniversitäten. "Mehr noch als die finanzielle Förderung ist die feste Struktur ein Vorteil von Erasmus", sagt Jane Moros vom Akademischen Auslandsamt der Universität Leipzig. Programmkoordinatoren kümmern sich um Fragen und Probleme, und die Anerkennung der im Ausland erbrachten Studienleistungen sei ebenfalls meist gesichert. Neben Erasmus vereinbaren einige Hochschulen außerhalb der staatlichen Förderprogramme einen direkten Austausch.

Doch was machen Studenten, die keinen Programmplatz bekommen? Was ist, wenn die eigene Hochschule keine Kooperation mit der Traum-Uni oder in das bevorzugte Gastland unterhält?

Als "Free Mover" allein losziehen

Wem die existierenden Angebote nicht genügen, der könne als "Free Mover" selbst die Initiative ergreifen, sagt Moros. "Studenten können sich dann direkt bei der ausländischen Gasthochschule um die Zulassung bewerben." Sie haben in der Regel den größeren zeitlichen, organisatorischen und oft auch finanziellen Aufwand. Dafür können sie sich absolut frei für den Studienort entscheiden. "Die Anforderungen der Gasthochschulen für freie Bewerbungen sind oft höher als in Austauschprogrammen, einzureichende Unterlagen sind umfangreicher, Sprachnachweise formalisierter und Fristen oft strikter", sagt Moros.

Doch auch wer seinen Auslandsaufenthalt individuell plant, könne finanzielle Förderung erhalten. "Da ist der Klassiker natürlich das Auslands-Bafög", sagt Moros. "Damit sind in vielen Ländern auch Free Mover-Aufenthalte gut finanzierbar." Außerdem können sich Studenten für ein Promos-Stipendium des Deutschen Akademischen Austausch Dienstes (DAAD) bewerben.

"Aktuell haben wir 279 Hochschulen in der Förderung", sagt Frank Merkle vom DAAD in Bonn. Hochschulen, die sich erfolgreich bewerben, erhalten ein Budget, um Auslandsaufenthalte ihrer Studenten zu fördern. "Das bedeutet auch, dass das Auswahlverfahren für Promos bei der jeweiligen Hochschule liegt", erklärt Merkle. Dabei kann das Verfahren von Hochschule zu Hochschule variieren.

"Die Förderung beträgt 300 Euro im Monat, ist also sogar etwas höher als bei Erasmus. Dazu kommt ein Reisekostenzuschuss", sagt Moros von der Uni Leipzig. Die Nachfrage nach den Stipendien sei zumindest in Leipzig sehr groß - nur etwa ein Viertel der Anträge habe Erfolg. Promos sei auch eine Reaktion auf den beschleunigten Studienprozess in Zeiten des Bachelors - denn die Vorlaufzeit seien oft kürzer: "Bei einem DAAD-Jahresstipendium muss man teilweise Vorlaufzeiten von über einem Jahr einplanen", sagt Merkle.

Organisationen helfen bei der Planung

Denn wer länger ins Ausland möchte, kann dies auch über den DAAD finanzieren. In den meisten Fällen hätten die Studenten so früh noch keine feste Zusage ihrer Wunsch-Hochschule. Das sei aber zum Bewerbungszeitpunkt auch nicht zwingend vorgeschrieben. "Sie können sich mit mehreren Studienvorhaben bewerben", sagt Merkle. Bei erfolgreicher Bewerbung werde eine Förderung unter Vorbehalt zugesagt und ausgezahlt, wenn das Auslandsstudium tatsächlich beginnt.

Wer einen Teil des Organisationsaufwands loswerden will, findet Hilfe auch außerhalb der Hochschule. "Empfehlenswert sind aber nur Angebote von Organisationen, die von Hochschulen im Ausland finanziert werden", sagt Moros. Denn diese können Vermittlung und Beratung kostenfrei zur Verfügung stellen.

Ein Beispiel ist das Unternehmen College Contact in Münster. "Wir sind Repräsentant von ungefähr 200 ausländischen Hochschulen", sagt die stellvertretende Geschäftsführerin Alexandra Michel. "Wir sind dafür zuständig, im Namen dieser Hochschulen deutsche Studenten zu beraten, die entweder ein Auslandssemester oder auch das komplette Studium dort verbringen wollen."

Neben der Beratung übernehme die Agentur für die Studenten einen Großteil des Schriftverkehrs: "Wir leiten die Unterlagen weiter und sind dann erster Ansprechpartner der ausländischen Hochschulen." Dabei treffe College Contact keine Vorauswahl. "Im Prinzip geben wir alle Bewerbungen weiter, die wir bekommen", sagt Michel. Wer einen Zweierschnitt habe, hat an fast allen unserer Partnerhochschulen gute Chancen.

Der kleine Haken: "Da wir nur Deutsche ins Ausland vermitteln, also keinen Austausch anbieten, müssen meist Studiengebühren gezahlt werden." Dadurch können - je nach Land - erhebliche Kosten auf Studenten zukommen: In England beispielsweise dürfen Universitäten ab Herbst bis zu 9000 Pfund (rund 10.800 Euro) für ein Studienjahr verlangen.

Unterm Strich ist ein Auslandsaufenthalt als "Free Mover" nicht unbedingt mehr wert als der etwas bequemere Weg über Erasmus. "Es kommt vor allem darauf an, wie jeder Student die Zeit im Ausland nutzt, Leistungen erbringt, Fähigkeiten erwirbt, aber auch Netzwerke vor Ort schafft und Zeiten nach dem Auslandsstudium plant", sagt Moros.

Von Christian Vey, dpa/fln

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