Von Frank van Bebber
Die Prüfung wird generalstabsmäßig geplant, über 300 Fragen, bundesweit einheitlich, jährlich neu erarbeitet, unter Verschluss gehalten bis zu jenen zwei Tagen, an denen 3000 bis 4000 angehende Mediziner ihr Wissen unter Beweis stellen müssen. "Das Physikum" lässt Medizin-Studenten zittern, jedes Jahr aufs Neue. Nur wer hier besteht, darf den klinischen Teil des Studiums antreten.
Doch jetzt hat es bei der zentralen Physikumsprüfung eine Panne gegeben. Bei Studenten in mehreren Städten fehlten Seiten in den Prüfungsbögen, bestätigte das Institut für medizinische und pharmazeutische Prüfungsfragen (IMPP) in Mainz. Betroffen waren demnach rund 50 Prüflinge in vier Bundesländern.
Die meisten fehlerhaften Prüfungshefte waren in Frankfurt, Gießen und Marburg aufgetaucht. Auch in Mainz und Homburg (Saar) vermissten Prüflinge Seiten. In Baden-Württemberg entdeckte das Prüfungsamt in letzter Sekunde durch Zufall einen fehlerhaften Bogen - und konnte so kurz vor Prüfungsbeginn alle Medizin-Fakultäten im Land warnen, berichtete das zuständige Regierungspräsidium in Stuttgart. Zumindest in Tübingen wurden dann keine weiteren Fehldrucke gefunden.
Bei 5620 gedruckten Heften seien die wenigen Mängelexemplare bei den üblichen Stichproben nicht entdeckt worden, sagte IMPP-Direktor Jürgen Neuser. Der Leiter des von den Ländern mit der Prüfungsvorbereitung beauftragten Instituts äußerte sich zerknirscht: "Ja, diese Panne hat es gegeben. Ich möchte mich bei jedem Teilnehmer entschuldigen."
Reserve-Unterlagen retteten die Prüfung
Für Ärger bei zentralen Prüfungen hatten in Deutschland bislang vor allem schlagzeilenträchtige Pannen beim Abitur gesorgt. In Hessen und Nordrhein-Westfalen durften Schüler bereits Prüfungen wiederholen.
In die fehlerhaften Hefte für das Physikum hatte die Druckerei vier Seiten doppelt eingelegt, dafür fehlte ein anderer Bogen. Die Unterlagen hatten bei der betroffenen Prüfung am Donnerstag rasch gegen korrekte ausgetauscht werden können, da das IMPP immer mehr Exemplare als nötig liefert.
Der Leiter des hessischen Landesprüfungsamtes, Christof Diefenbach, sagte: "Zum Glück haben wir den Fehler früh in der Prüfung erkannt." Da der Austausch der Hefte für Unruhe auch bei Studenten mit korrekten Unterlagen gesorgt habe, hätten alle eine Viertelstunde länger schreiben dürfen. In Mainz soll es sogar eine halbe Stunde Aufschlag gegeben haben. Hier hatten die Reserve-Unterlagen erst von weiter her herangeschafft werden müssen. Im saarländischen Homburg soll es dagegen gar keine Nachschreibzeit gegeben haben, berichtet das Webportal "Medi-learn" ohne genaue Angabe einer Quelle.
Begünstigt worden sei die Panne durch den Druck des rheinland-pfälzischen Rechnungshofes, sagte IMPP-Chef Neuser. Die Prüfer hatten erst im Februar öffentlich erklärt, durch eine straffere Organisation könnten 16 Stellen und damit 1,3 Millionen Euro im Jahr gespart werden. Wegen solcher Hinweise habe das IMPP den früher stets neben der Druckmaschine postierten Mitarbeiter abgezogen, erklärte Neuser.
Der Rechnungshof sieht das anders: Man habe nur angemerkt, die Bögen müsse kein Top-Beamter des gehobenen Dienstes überprüfen, sagte eine Sprecherin der Behörde. Zudem habe der Kontrolleur gar nicht den gesamten Druckvorgang überwachen können. Ihre Behörde habe vielmehr gewarnt: Eine lückenlose Kontrolle des Drucks sei nicht gewährleistet.
Zumindest für die Medizin-Studenten geht die Aufregung noch weiter. Bis zu einem Viertel von ihnen fliegen nach IMPP-Angaben durch die Prüfung - schon ganz ohne die Aufregung um Fehldrucke.
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