Säbelduell in Hamburg: Burschenschafter lassen Schüler antreten

Von Hannah König

Pennale Mensur: Hatz mich, ich bin ein Burschenschafter Fotos
SPIEGEL ONLINE

Helm, Säbel, freier Oberkörper: So treten Schüler-Burschenschafter zur "pennalen Mensur" an. Jetzt luden zwei Gruppen für dieses Ritual nach Hamburg. Mit rabiaten Methoden schirmten sie die Veranstaltung ab.

Was in der großen, weißen Villa stattfindet, lässt sich von außen natürlich nicht sehen. Aber es gibt Regeln für das Ritual hinter verschlossen Türen: Sie schreiben vor, dass sich junge Männer gegenüber treten, das Gesicht mit einem Helm bedeckt, die Oberkörper frei, in den Händen stumpfe Säbel. Damit müssen sie sich gegenseitig attackieren, wenn es sein muss bis aufs Blut.

Die pennale Mensur ist eine Tradition der Schülerburschenschaften, die vor allem in Österreich praktiziert wird. An diesem Samstag allerdings wird sie auch in Deutschland gepflegt: In Hamburg haben sich zwei deutsche Schülerburschenschaften getroffen, um ihre Mitglieder in einer sogenannten Hatz gegeneinander antreten zu lassen, die pennale Burschenschaft Chattia Friedberg und die gymnasiale Burschenschaft Germania. Über Facebook hatten sie ihre "Waffenbrüder" dazu eingeladen.

Die Chattia Friedberg wurde im vergangenen Jahr in Hamburgs Verfassungsschutzbericht als rechtsextrem eingestuft und steht unter Beobachtung. In dem Bericht heißt es, die Burschenschaft erwarte "von ihren Mitgliedern mindestens einen Fechtgang mit dem Säbel. Nach eigenem Bekunden werden so die 'Feiglinge und Dummschwätzer' aussortiert". Sie rekrutiert ihre Mitglieder unter Schülern, die mindestens 16 Jahre alt sind.

Schüler schlagen aufeinander ein

Burschenschaftliche Rituale werden immer wieder kritisiert. Dazu zählt vor allem die sogenannte Mensur, der reglementierte Fechtkampf, zu dem jedes Mitglied einer schlagenden Verbindung mehrfach antreten muss. Der Körper ist meist mit einem Kettenhemd geschützt, das Ziel mit dem scharfen Säbel ist der Kopf.

Besonders heikel ist allerdings die pennale Mensur, wie sie jetzt in Hamburg stattfinden sollte. Hier gehen nicht Studenten aufeinander los, sondern teilweise minderjährige Schüler. Sie schlagen nicht in Richtung des Kopfes, sondern zum nackten Oberkörper und zu den Armen. Das Gesicht ist geschützt, der Säbel stumpf. Angeblich alles ganz harmlos. Doch im Internet kursieren zahlreiche Bilder von massiven Verletzungen, tiefen Schnittwunden, blutigen Oberkörpern. In einem Kommentar zu der Facebook-Einladung fürchtete bereits ein Burschenschafter aus Wien, es könne eine öffentliche Debatte über ein Verbot der pennalen Mensur aufkommen.

Beide Burschenschaften gehören zum Allgemeinen Pennäler Ring (APR), einem Dachverband, der laut Selbstdarstellung "national-freiheitliche und wehrhafte Pennalkorporationen unter seiner Fahne" vereine. Hier formiert sich der Nachwuchs der Rechtsaußen-Burschenschafter.

Rechtsruck im Dachverband

Deren Dachverband, die Deutsche Burschenschaft (DB), erntete in den vergangenen Jahren wegen rechtsextremer Tendenzen immer wieder Kritik. So führt aktuell die Wiener akademische Burschenschaft Teutonia den Vorsitz. Sie zählt zu den extrem konservativen Studentenverbindungen, interne Papiere und Propagandamaterial offenbarten: Dort herrscht rechtsextremes Gedankengut.

Zahlreiche liberalere Verbindungen haben den Dachverband mittlerweile verlassen. Besonders schmerzhaft war der Austritt der Münchner Burschenschaft Franco-Bavaria im Februar. Die DB verlor damit eine der größten deutschen Burschenschaften und mit ihr auch eines der ranghöchsten Mitglieder, Verkehrsminister Peter Ramsauer.

Die Stimmung bei den Burschenschaften ist deshalb angespannt, die Presse ein rotes Tuch. Fotografiert werden will kaum einer der Hatz-Teilnehmer in Hamburg. Die meisten verdecken ihr Gesicht, als sie in das Haus der Burschenschaft Germania Königsberg gehen. Zwei von ihnen greifen jedoch zu aggressiveren Methoden.

Ein junger blonder Mann mit Sonnenbrille geht vor den Augen der Polizei auf einen Fotografen los, der vor dem Gebäude wartet. Er versucht, ihm die Kamera aus der Hand zu schlagen, schubst ihn nach hinten gegen einen Baum. Der Fotograf schreit, fällt. Die Polizei schreitet ein. Nach einem kurzen Handgemenge ist alles vorbei.

Doch nur wenige Minuten später kommt es erneut zu einem Übergriff. Dieses Mal fühlt sich ein Herr im Anzug durch die Presse gestört. Auch er wird handgreiflich, verfolgt den Fotografen sogar noch meterweit und versucht, ihn zu Boden zu werfen. Wieder muss die Polizei eingreifen, um den Angriff zu beenden.

Die Polizei sah allerdings keinen Grund, gegen die Veranstaltung in der weißen Villa und das archaische Ritual der Mensur vorzugehen. Bei einem Boxkampf würden sich schließlich auch junge Menschen gegenseitig verletzen, sagte ein Beamter. "Wir haben dagegen einfach keine rechtliche Handhabe."


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insgesamt 280 Beiträge
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1. Die Schülerburschenschaften
calido46 06.04.2013
luden zu diesem Spektakel ein - also wurde keiner der TN gezwungen, daran teilzunehmen. Wer sich auf so einen Schwachsinn einläßt, der weiß doch, was auf ihn zukommt!
2. eine Mitgliedschaft
mattoregiert 06.04.2013
in einer Burschenscchaft würde ich als Ausschlußkriterium für eine Führungskraft sehen ,arme A........ .Die meinen sie gehören heute oder schlimmer* Morgen zur Elite . *heute würde ich noch jugendlichem Leichtsinn zuordnen,aber im Morgen müßte der Satz gelten : Dummheit läßt sich nicht wegstudieren
3.
gog-magog 06.04.2013
Zitat von sysopHelm, Säbel, freier Oberkörper: So treten Schüler-Burschenschafter zur "pennalen Mensur" an. Jetzt luden zwei Gruppen für dieses Ritual nach Hamburg. Mit rabiaten Methoden schirmten sie die Veranstaltung ab. Pennale Burschenschaften veranstalten Hatz in Hamburg - SPIEGEL ONLINE (http://www.spiegel.de/unispiegel/studium/pennale-burschenschaften-veranstalten-hatz-in-hamburg-a-892914.html)
Meine Meinung: einfach nur kindisch.
4.
Acalot 06.04.2013
Die Polizei sagts schon richtig, bei einem Boxkampf würde auch keiner sich echauffieren.....und wie bei einem Boxkampf ist auch hier die Verletzung der Minderjährigen nicht das Ziel sondern das Risiko. man möge mir den Kampfsport zeigen wo Verletzungen nicht durchaus möglich sind. Was hier die Leute zum echauffieren bringt ist das es die ach so bösen Burschenschaften sind.....national-freiheitlich wird heute mit rechtsextrem gleichgesetzt und das ist schon fatal. Es sei auch dem Autor dieses Artikels ans Herz gelegt das die Demokratie zulassen SOLL und MUSS was ihr nicht entgegen steht und national-freiheitliches Denken tut das nicht.
5. eine Mitgliedschaft
mattoregiert 06.04.2013
in einer Burschenschaft würde ich als Ausschlußkriterium für eine Führungskraft sehen ,arme A........ .Die meinen sie gehören heute oder schlimmer* Morgen zur Elite . *heute würde ich noch jugendlichem Leichtsinn zuordnen,aber im Morgen müßte der Satz gelten : Dummheit läßt sich nicht wegstudieren
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