Pikante Liaison: Brillantes Examen nach Liebschaft mit Professor

Eine Jura-Studentin schnitt schriftlich nur mittelmäßig ab, holte in einer mündlichen Prüfung aber plötzlich ein "sehr gut". Sie war mit einem Professor zusammen, der die Lösungen kannte. Doch ein Gericht entschied jetzt: Eine Täuschungswahrscheinlichkeit reiche nicht, um die Leistung abzuerkennen.

Das Oberverwaltungsgericht in Koblenz hat das mündliche Jura-Examen einer Studentin bestätigt, die zum Zeitpunkt der Prüfung mit einem Professor der Fakultät liiert war. Damit scheiterte das Landesprüfungsamt mit seinem Ansinnen, die mit "sehr gut" bewertete Prüfung der jungen Frau abzuerkennen und wiederholen zu lassen, wie die Richter in einem am Donnerstag veröffentlichten Urteil entschieden.

Der Fall hatte an der Universität Trier für Aufsehen gesorgt. Denn die Examenskandidatin war mit einem Rechtsprofessor liiert, der am gleichen Tag im selben Fach prüfte. Zwar hatte er sichergestellt, seine Freundin nicht prüfen zu müssen, doch dass er vorab im Besitz der Lösungsskizze jener Aufgaben war, welche die junge Frau dann mit Bravour meisterte, gab Anlass zu Spekulationen. Der Erfolg war einigermaßen überraschend, da die Frau im schriftlichen Teil des Examens nur auf einen knapp ausreichenden Notendurchschnitt gekommen war.

Das Landesprüfungsamt erfuhr erst im Nachhinein von der pikanten Liaison zwischen der Examenskandidatin und dem Hochschullehrer. Inzwischen hatten an der Universität Gerüchte die Runde gemacht, es könne nicht alles mit rechten Dingen zugegangen sein. Davon war auch das Prüfungsamt überzeugt, es verlangte: Die Leistung müsste aberkannt und die Prüfung wiederholt werden. Dagegen zog die junge Frau vor Gericht.

Nachdem das Verwaltungsgericht Trier ihrer Klage stattgegeben hatte, rief das Prüfungsamt die nächste Instanz an. Doch auch in Koblenz sahen die Richter keinen Anlass, die Leistung abzuerkennen. Eine "gewisse Wahrscheinlichkeit für eine Täuschungshandlung" reiche noch nicht aus, um die Prüfung nachträglich abzuerkennen, befand das Gericht. Zudem habe der Professor glaubhaft versichert, die Examenskandidatin nicht vorab über die Lösungen informiert zu haben.

Die Richter räumten ein, die insgesamt schwachen Prüfungsleistungen der Frau sprächen dafür, dass der Ausreißer nach oben kein Zufall war. Allerdings könne nicht mit der "für eine Aberkennung der Prüfung erforderlichen Sicherheit" ausgeschlossen werden, dass es sich bei dem gehaltenen Vortrag um eine "herausragende Einzelleistung" handele.

Wie aber ist der Leistungssprung sonst zu erklären? Die Zeitung "Rheinpfalz" berichtete vor Prozessbeginn, der Hochschullehrer habe zu Protokoll gegeben, mit seiner Freundin vor der Prüfung das Halten von Aktenvorträgen "in erheblichem Umfang" eingeübt zu haben. Allerdings nur mit Aufgaben, die zu Übungszwecken freigegeben waren. Die Lösungsskizze und die Prüfungsunterlagen habe seine Freundin nicht gekannt.

Aktenzeichen: 10 A 11083/11.OVG

otr/dapd

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insgesamt 15 Beiträge
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1. Lasst doch das Mädel in Ruhe...
ginfizz53 23.02.2012
Zitat von sysopEine Jura-Studentin schnitt schriftlich nur mittelmäßig ab, holte in einer mündlichen Prüfung aber plötzlich ein "sehr gut". Sie war mit einem Professor zusammen, der die Lösungen kannte. Pikante Liaison: Brillantes Examen nach Liebschaft mit Professor - SPIEGEL ONLINE - Nachrichten - UniSPIEGEL (http://www.spiegel.de/unispiegel/studium/0,1518,817213,00.html)
... für die Leistung, mit einem Mega-Schnarchkopf wie mit einem Juraprof zu strafen, ist doch ein sehr gut nur eine schwache Anerkennung. Allein, dass ein solcher alle Angelegenheiten immer von allen Positionen aus beleuchtet ...
2.
ArnoNuem 23.02.2012
Zitat von sysopEine Jura-Studentin schnitt schriftlich nur mittelmäßig ab, holte in einer mündlichen Prüfung aber plötzlich ein "sehr gut". Sie war mit einem Professor zusammen, der die Lösungen kannte. Doch ein Gericht entschied jetzt: Eine Täuschungswahrscheinlichkeit reiche nicht, um die Leistung abzuerkennen. Pikante Liaison: Brillantes Examen nach Liebschaft mit Professor - SPIEGEL ONLINE - Nachrichten - UniSPIEGEL (http://www.spiegel.de/unispiegel/studium/0,1518,817213,00.html)
Also, ich habe zwei Facharbeiterausbildungen. Bei der einen Prüfung war ich in Theorie sauschlecht und in der Praxis ziemlich gut, bei der anderen war es genau umgekehrt. Und ich hatte kein Verhältnis mit der jeweiligen Lehrherrin. Der Mensch hat halt Schwächen und Stärken. Das ist so.
3. Mediocre written examination, but ...
Äquinoktium 23.02.2012
Zitat von sysopEine Jura-Studentin schnitt schriftlich nur mittelmäßig ab, holte in einer mündlichen Prüfung aber plötzlich ein "sehr gut".[/url]
... excellent oral examination. Well done !
4. "Mündlich" war Sie halt besser.
Salozzo 24.02.2012
Sollte dementsprechend auch honoriert werden.
5. Außergewöhnliche Leistung
Ryker 24.02.2012
Ich halte eine "sehr gute" Leistung ohne fremde Hilfe für praktisch ausgeschlossen. Für Fachfremde: Wir reden hier über Jura, nicht etwa über Germanistik. Ich will damit nicht die Leistungen der Germanisten abwerten, sondern lediglich darauf hinweisen, dass da im Durchschnitt doch ganz andere Noten vergeben werden. Zur Verdeutlichung: Nach den verfügbaren Daten für 2007 haben in Baden-Württemberg etwa 550 Studenten das 1. Staatsexamen versucht. Von denen haben genau 0 (in Worten: Null) ein "sehr gutes" Examen gemacht. 2/3 aller Juraabsolventen machen ein "ausreichend" oder fallen durch. Dann kommt "befriedigend", "voll befriedigend", "gut" und dann erst "sehr gut". Ein "sehr gutes" Examen machen rund 0,1% der Absolventen, einer von 1000, also die absolute Creme de la Creme. Dass ein Student, der mit einem knappen "ausreichend" aus dem Schriftlichen kommt im Mündlichen ein "sehr gut" erzielt ist soweit jenseits meiner Vorstellungskraft, dass ich die Entscheidung des Gerichts nur sehr schwer nachvollziehen kann.
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