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Plagiate: Abschreibern droht Uni-Rauswurf

Von Frank van Bebber

Der Kampf gegen Studenten, die ihre Seminararbeiten flink aus dem Internet abkupfern, macht Professoren großes Kopfzerbrechen. Baden-Württemberg will jetzt das Hochschulgesetz ändern: Kein Pardon für Schummler - sie müssen fortan mit der Exmatrikulation rechnen.

Studenten, die Studienarbeiten aus dem Internet kopieren, soll in Baden-Württemberg ab März der Rauswurf drohen. Das Wissenschaftsministerium hat dem Landtag eine Verschärfung des Hochschulgesetzes vorgeschlagen. Demnach wird das Anfertigen eines Plagiats ausdrücklich zu einem Exmatrikulationsgrund erklärt.

Klick, klick, fertig? Künftig sollen Abschreiber im Südwesten von der Uni fliegen

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"Wir erhoffen uns eine Signalwirkung", sagte eine Sprecherin des Ministeriums. Mehrere Universitäten begrüßten die geplante Neuregelung. Auch die Berliner Informatik-Professorin Debora Weber-Wulff, bundesweit renommierteste Kämpferin gegen Plagiate an Hochschulen, lobte die Initiative des Landes.

In der Vergangenheit war immer wieder über eine steigende Zahl von Studenten berichtet worden, die Studienarbeiten aus dem Internet abschrieben oder kopierten – die Rede war von der Generation "Copy & Paste". Bislang konnten Hochschulen ihnen nur mit Umweg über das Prüfungsrecht mit Rauswurf drohen. Etwa, wenn der wegen des Täuschungsversuchs Durchgefallene alle Prüfungsversuche aufgebraucht hatte. Nun soll ein Plagiat als eigenständiger Grund für einen Hochschul-Ausschluss verankert werden. Die Exmatrikulation steht dabei im Ermessen der Hochschule - sie muss abwägen, ob die schärfste Sanktion auch angemessen ist.

Unis freuen sich über das scharfe Schwert

Eine Sprecherin der Uni Karlsruhe sagte: "Das begrüßen wir grundsätzlich." Die Universität habe bereits eine eigene Satzung zur Redlichkeit bei Prüfungen und Praktika erlassen. Wolfgang Schlicht, Prorektor der Uni Stuttgart, sagte, Plagiate würden bereits als Täuschungsversuche geahndet. Die geplante Neuregelung "untermauert diese Praxis und stärkt prinzipiell die rechtliche Position der Universitäten".

Nikolaus Zahnen als Beauftragter für Lehre an der Uni Konstanz hob die symbolische Wirkung der Gesetzesverschärfung hervor. Das neue Gesetz könne Studenten die Tragweite eines Plagiats vor Augen führen, sagte Zahnen. Dabei helfe aber auch Information. Im Konstanzer Fachbereich Literatur habe eine Aufklärungskampagne die Zahl der Plagiate sinken lassen.

Die Berliner Professorin Debora Weber-Wulff sagte, die Änderung des Gesetzes erspare den Hochschulen, solche Fälle jeweils selbst und mit Rechtsunsicherheit in Prüfungsordnungen zu klären. Wichtig sei aber auch, in Schule und Universität redliches Arbeiten zu lehren.

Die Forscherin bildet Dozenten in der Erkennung von Plagiaten fort und testet entsprechende Software. Jeder Verdachtsfall müsse weiter individuell beurteilt werden, mahnte sie. Und noch etwas ist Weber-Wulff wichtig: Die Härte des Gesetzes dürfe nicht nur Studenten treffen. Gerade in Baden-Württemberg gebe es auch Fälle, in denen Professoren abgeschrieben hätten.

Bekannt sind solche Fälle auch aus anderen Bundesländern, wie jüngst im März an der Uni Bonn: Ein Professor für Slawistik nutzte dort die Arbeit, die sich eine ehemalige Examenskandidatin gemacht hatte, und hübschte damit seine Publikationsliste auf. Als Beamten konnte man ihm, wie anderen schummelnden Kollegen, aber wenig anhaben - von einem Rauswurf ganz zu schweigen.

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