Plagiatoren vor Gericht: Schlampen, schummeln, spicken

Von Armin Himmelrath

Jetzt also doch: Verteidigungsminister Guttenberg will seinen Doktortitel nicht mehr haben. Zu schwer wogen offenbar die Plagiatsvorwürfe. Häufig werden Mogler an den Unis erwischt, einige lassen es auf einen Rechtsstreit ankommen - und scheitern kläglich, wie vier Urteile zeigen.

Uni-Absolvent: Richter gehen hart gegen Schummler vorZur Großansicht
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Uni-Absolvent: Richter gehen hart gegen Schummler vor

Betrug? Auf keinen Fall! Nie! Um Gottes Willen! Alles ein großes Missverständnis. Ein Versehen. Lässt sich aus der Welt schaffen. Dumme Sache, peinlich, aber nicht dramatisch. So oder ähnlich klingen die Ausreden, wenn akademische Betrüger erwischt werden.

Doch die Ausflüchte haben wenig Wirkung. Die Gerichte reagieren knallhart.

Das weiß auch der Kölner Anwalt Christian Birnbaum, spezialisiert auf Hochschul- und Prüfungsrecht. Er hat etliche Gerichtsentscheidungen zusammengetragen, die sich mit Plagiatoren und Pfuschern beschäftigen.

Bei der Lektüre wird schnell klar: Wenn sich erst einmal die Justiz mit solchen Fällen beschäftigt, gelten strenge Maßstäbe. "Die Vorschriften sind eindeutig", sagt Christian Birnbaum, "in der Regel unterschreiben die Prüflinge, dass sie alle Hilfsmittel angegeben und fremdes Gedankengut gekennzeichnet haben." Wenn da ein schwerwiegender Verstoß auffliege, müsse eine Universität mit scharfen Sanktionen reagieren - egal, ob es sich um eine Examensarbeit oder eine Promotion handelt.

Eine Einschätzung, die der Münchner Jura-Professor Peter Landau auch im Fall Karl-Theodor Guttenberg teilt. "Ich kann mir keine andere Reaktion der Universität Bayreuth vorstellen als die Entziehung des Doktorgrads", sagte der ehemalige Dekan der juristischen Fakultät an der Ludwig-Maximilians-Universität München. Er ist nicht der einzige Rechtswissenschaftler, der sich kritisch zu Wort meldet. Rainer Elkar, früherer Jura-Professor an der Bundeswehr-Uni München und dort Prüfungsausschuss-Vorsitzender der juristischen Fakultät, äußerte im "Handelsblatt" Zweifel an Guttenbergs Führungsfähigkeit: "Wer selbst etwas dienstrechtlich von seinen Untergebenen fordert, was er nicht zu leisten vermag, ist meiner Meinung nach zur Führung ungeeignet."

Eine solche Aberkennung wäre auch die Voraussetzung dafür, dass der Fall Guttenberg überhaupt vor Gericht verhandelt werden kann. Denn nur, wenn die Uni Bayreuth den Titel wieder kassiert und Guttenberg danach juristisch gegen die Entscheidung vorgeht, wird daraus ein Fall für ein Verwaltungsgericht.

Doch durch seine Ankündigung vom Montagabend, den Titel nicht mehr führen zu wollen, hat Guttenberg klargemacht, dass er wohl kaum um seinen offenbar fragwürdig erworbenen Titel kämpfen wird. Er wird wissen, warum: Der Minister hätte vor Gericht sehr schlechte Karten, wie der Blick in einschlägige Urteile zeigt.

SPIEGEL ONLINE dokumentiert besonders dreiste Ausflüchte von Plagiatoren - und zeigt, warum sie damit nicht weit kommen.

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insgesamt 12071 Beiträge
mischli 19.02.2011
Guttenberg hat gelogen, was seine Augen in den entscheidenden Passagen gestern verraten haben. Ich fühlte mich sehr schnell an Uwe Barschel erinnert und gestern war das 'Ehrenwort' das einzige, was noch gefehlt hat. Und dies an [...]
Guttenberg hat gelogen, was seine Augen in den entscheidenden Passagen gestern verraten haben. Ich fühlte mich sehr schnell an Uwe Barschel erinnert und gestern war das 'Ehrenwort' das einzige, was noch gefehlt hat. Und dies an einem Tag mit drei toten deutschen Soldaten in Afghanistan! Jeder weitere Tag im Amt ist eine Schande!
Nein, Guttenberg muss zurücktreten. Er ist als Verteidigungsminister oberster Dienstherr aller Soldaten und Mitarbeiter der Bundeswehr und entscheidet über diese bei Dienstvergehen. Er selbst plagiiert seine Doktorarbeit, gibt [...]
Nein, Guttenberg muss zurücktreten. Er ist als Verteidigungsminister oberster Dienstherr aller Soldaten und Mitarbeiter der Bundeswehr und entscheidet über diese bei Dienstvergehen. Er selbst plagiiert seine Doktorarbeit, gibt bei der Abgabe seiner Doktorarbeit vor der Promotionskommission der Uni Bayreuth eine falsche ehrenwörtliche Erklärung ab, bezeichnet nach Bekanntwerden des Plagiats dies als "abstrus" (Mittwoch, 16.02.) und hält an seiner Version nicht getäuscht zu haben weiterhin fest (Freitag, 18.02.). Wie soll so ein Mann von seinen Dienstuntergebenen noch Ernst genommen werden? Und von CDU-Wählern wie mir, die es mit dem "Konservativ-Sein" tatsächlich genau nehmen. Ich will keine "Blender" in Regierungsverantwortung!
gambio 19.02.2011
Wer klaut, lügt, betrügt, fälscht und unterschlägt hat keinen Anspruch auf ein öffentliches Amt.
Zitat von sysopDie Doktor-Affäre des Verteidigungsministers Karl-Theodor zu Guttenberg schlägt lang andauernde Wellen. Immer neue Informationen zur Promotion des CSU-Politikers gelangten an die Öffentlichkeit, zu Guttenberg will jetzt "vorübergehend auf seinen Doktortitel" verzichten. Kann er unter diesen Umständen noch Verteidigungsminister bleiben?
Wer klaut, lügt, betrügt, fälscht und unterschlägt hat keinen Anspruch auf ein öffentliches Amt.
Gesine Ungefragt 19.02.2011
Für mich ist da nur ein Aspekt ausschlaggebend: Guttenberg ist augenblicklich Chef zweier Bundeswehrhochschulen. Das darf er auf keinen Fall bleiben.
Zitat von sysopDie Doktor-Affäre des Verteidigungsministers Karl-Theodor zu Guttenberg schlägt lang andauernde Wellen. Immer neue Informationen zur Promotion des CSU-Politikers gelangten an die Öffentlichkeit, zu Guttenberg will jetzt "vorübergehend auf seinen Doktortitel" verzichten. Kann er unter diesen Umständen noch Verteidigungsminister bleiben?
Für mich ist da nur ein Aspekt ausschlaggebend: Guttenberg ist augenblicklich Chef zweier Bundeswehrhochschulen. Das darf er auf keinen Fall bleiben.
mike stevens 19.02.2011
Der Focus ist sagt die Wahrheit voraus, lasst den armen KT im Amt, sonst muss er nen Psychiater, womöglich mit Doktortitel aus Beyreuth, aufsuchen, könnt ihr das vertreten, von was soll er dann Leben, von Luft und Sabine, Hatz4 [...]
Zitat von sysopDie Doktor-Affäre des Verteidigungsministers Karl-Theodor zu Guttenberg schlägt lang andauernde Wellen. Immer neue Informationen zur Promotion des CSU-Politikers gelangten an die Öffentlichkeit, zu Guttenberg will jetzt "vorübergehend auf seinen Doktortitel" verzichten. Kann er unter diesen Umständen noch Verteidigungsminister bleiben?
Der Focus ist sagt die Wahrheit voraus, lasst den armen KT im Amt, sonst muss er nen Psychiater, womöglich mit Doktortitel aus Beyreuth, aufsuchen, könnt ihr das vertreten, von was soll er dann Leben, von Luft und Sabine, Hatz4 zahlt bestimmt nicht das Gel zum gleiten auf dem Scheitel.
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  • Dienstag, 22.02.2011 – 10:18 Uhr
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Guttenbergs Kehrtwende
Erst bezeichnete er die Vorwürfe als "abstrus", später gab er dann doch Fehler in seiner Doktorarbeit zu. Karl-Theodor zu Guttenberg hat in den vergangenen Tagen äußerst unterschiedliche Aussagen zu den Plagiatsvorwürfen gegen ihn gemacht. Eine chronologische Übersicht über die Kehrtwende des Ministers.

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