Plagiatsverdacht: Berliner CDU-Fraktionschef gibt Doktortitel ab

Er schrieb seine Doktorarbeit über die eigene Partei und bediente sich aus unsauberen Quellen: Florian Graf, Berliner CDU-Fraktionschef, will seinen Doktortitel los werden. Mit der Bitte um Aberkennung kam er wohl einem Titelentzug durch die Universität Potsdam zuvor.

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Florian Graf: CDU-Fraktionschef will Doktorgrad abgeben

Berlin - Der Berliner CDU-Fraktionschef Florian Graf gibt seinen Doktortitel wegen gravierender wissenschaftlicher Mängel zurück. Der Politiker gab am Freitagabend schriftlich bekannt, er habe den zuständigen Promotionsausschuss der Universität Potsdam gebeten, ihm den Doktorgrad zu entziehen. Es sei konsequent und eine Frage des Respekts gegenüber der Leistung anderer Promovierter, "bei dem leisesten Zweifel den Titel abzugeben".

Graf hatte seine Dissertation über die Berliner CDU geschrieben. Titel: "Der Entwicklungsprozess einer Oppositionspartei nach dem abrupten Ende langjähriger Regierungsverantwortung". Er reichte sie im April 2010 an der Wirtschafts- und Sozialwissenschaftlichen Fakultät ein, den Doktorgrad erhielt er im Dezember 2010.

Anfang der Woche war die Arbeit des externen Doktoranden Graf unter Plagiatsverdacht geraten, teilt die Universität Potsdam mit. Vorausgegangen war die Aufhebung einer Sperrfrist für die Dissertation durch den Promotionsausschuss der Wirtschafts- und Sozialwissenschaftlichen Fakultät. Die Sperrfrist soll Graf veranlasst haben, weil er einen Artikel für eine Fachzeitschrift über sein Thema plante, teilte die Uni weiter mit. Zu dem Plagiatsverdacht wurde der CDU-Mann um eine Stellungnahme gebeten. Daraufhin habe der den Antrag auf Entziehung des Doktorgrads gestellt.

In Grafs schriftlicher Erklärung heißt es weiter, er sei den an sich selbst gestellten Ansprüchen "im Hinblick auf ein Standhalten meiner Dissertation in der Öffentlichkeit nicht gerecht geworden". Er habe festgestellt, "dass ich an einigen Stellen wissenschaftlich nicht fehlerfrei gearbeitet habe". Darum bitte er "alle diejenigen, die ich enttäuscht habe, um Verzeihung", so Graf.

Der Berliner CDU-Politiker verband in seiner Erklärung den Titelverzicht mit der Vertrauensfrage an die CDU-Fraktion im Berliner Abgeordnetenhaus, der er erst seit Anfang Dezember vorsteht. Am kommenden Donnerstag soll über seinen Verbleib im Amt in geheimer Abstimmung entschieden werden.

cht/dpa/AFP

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insgesamt 49 Beiträge
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1.
frenchcurry 27.04.2012
Wenn ich mir die Titel so mancher Doktorarbeiten ansehe, frage ich mich oft, ob deren Inhalt wichtig ist Sinn machen oder einfach nur krampfhaft nach Themen gesucht wird, die es so noch nicht schon tausendmal gibt. Bitte um Aufklärung - danke
2. Nun...
frigor 27.04.2012
Zitat von frenchcurryWenn ich mir die Titel so mancher Doktorarbeiten ansehe, frage ich mich oft, ob deren Inhalt wichtig ist Sinn machen oder einfach nur krampfhaft nach Themen gesucht wird, die es so noch nicht schon tausendmal gibt. Bitte um Aufklärung - danke
... mit dem Titel-Lesen ist es nicht getan. Und Sie sollten nicht um Aufklärung bitten, sondern sich selbst einmal mit Forschung und dem Sinn von Doktor-Arbeiten schlau machen. Nur weil es schwarze Schafe gibt, ist nicht das Ganze in Frage zu stellen.
3. Ich frage mich...
hello07 27.04.2012
Zitat von sysopDPAEr schrieb seine Doktorarbeit über die eigene Partei und bediente sich aus unsauberen Quellen: Florian Graf, Berliner CDU-Fraktionschef, will seinen Doktortitel los werden. Mit der Bitte um Aberkennung kam er wohl einem Titelentzug durch die Universität Potsdam zuvor. http://www.spiegel.de/unispiegel/studium/0,1518,830302,00.html
...wieviele Plagiatgeier laufen da in unserer Politikerkaste noch herum? Wer nicht fähig ist seine eigene Doktorarbeit zu schreiben hat den Titel auch nicht verdient! Wie müssen sich solche Menschen selbst sehen die sich und andere betrügen...?
4.
vogelskipper 27.04.2012
"Es sei konsequent und eine Frage des Respekts gegenüber der Leistung anderer Promovierter, "bei dem leisesten Zweifel den Titel abzugeben"." Wieso merken diese Leute es immer erst so spät, dass sie gravierende Fehler gemacht haben? Mir kommt das eher wie eine Selbstanzeige eines Steuerhinterziehers vor, der Angst hat, dass sein Betrug ans Licht kommt. Tolle Vorbilder, solche Politiker.
5.
schnitti23 27.04.2012
Dies ist lediglich die aufgedeckte kleine Zahl von Titelbetrug. In Wirklichkeit ist die Dunkelziffer viel höher, bei genauerem Hinsehen wird man weit höhere Zahlen von Titelbetrug entdecken. Warum das alles? Weil es der eigenen Eitelkeit schmeichelt, sich Herr Doktor nennen zu lassen. Warum schafft man diese Titel nicht grundsätzlich ab? Keinem Menschen wird was fehlen, wenn er sein Können auf andere Art und Weise zeigen kann. Titel sind Reliquien des Mittelalters und haben heute keine Berechtigung mehr.
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