Plagiatsaffäre um Koch-Mehrin: Titelkampf geht in die nächste Runde

Silvana Koch-Mehrin kämpft weiter um ihren Doktorgrad: Schriftlich begründete sie gegenüber der Uni Heidelberg, warum sie gegen den Titelentzug Widerspruch eingelegt hatte. Junge Liberale in ihrem Wahlkreis fordern bereits ihren Rücktritt - sie werfen ihr vor, im EU-Parlament zu schwänzen.

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Protest-Aktion der Jungen Liberalen in Karlsruhe: Wo ist Silvana?

Es läuft nicht gut für Silvana Koch-Mehrin, die liberale Europa-Abgeordnete, die seit Monaten um ihren Doktorgrad kämpft. Selbst aus der eigenen Partei gibt es jetzt Rücktrittsforderungen, wenn auch nicht von prominentester Stelle: Die Jungen Liberalen in ihrem Wahlkreis Karlsruhe sind an diesem Freitag auf die Straße gegangen, oder genauer: auf den Marktplatz. Sie hielten Schilder hoch, auf denen stand "Nicht-Leistung darf sich nicht mehr lohnen" und fordern, dass Koch-Mehrin auf ihr Mandat verzichtet. Es ist nur eine Handvoll, aber es sagt etwas über die derzeitige Stimmung.

Die Wut der liberalen Jugend richtet sich allerdings weniger gegen Koch-Mehrins akademisches Gebaren, als vielmehr gegen ihre Arbeitsmoral im Europa-Parlament. Die Julis bemängeln, obwohl Koch-Mehrin nur noch Mitglied im Petitionsausschuss sei, fehle sie selbst bei dessen Sitzungen. Daher müsse sie ihr Mandat im Europäischen Parlament niederlegen.

Am Donnerstagabend hatte das ARD-Magazin "Panorama" erneut berichtet, Koch-Mehrin habe "alle Sitzungen ihres Hauptausschusses - des Petitionsausschusses - in den Jahren 2010 und 2011 geschwänzt". In dem Beitrag droht auch FDP-Generalsekretär Christian Lindner: Abgeordnete, "die ihren Verpflichtungen nicht nachkommen, werden nicht wieder aufgestellt". Nur wer Führungsaufgaben habe, müsse nicht unbedingt an allen Ausschüssen teilnehmen. Koch-Mehrin selbst sagt in dem Beitrag nichts zu den Vorwürfen, sie geht an dem Reporter vorbei. Für eine Stellungnahme war sie am Freitag nicht zu erreichen.

Führungsaufgaben hat Koch-Mehrin nicht mehr. Wegen der Plagiatsvorwürfe im Zusammenhang mit ihrer Doktorarbeit hat sie alle Parteiämter niedergelegt und war als Vizepräsidentin des EU-Parlaments zurückgetreten. Zudem zog sie sich aus dem Ausschuss für Industrie, Forschung und Energie zurück.

Die Doktorarbeit bestehe "in substantiellen Teilen aus Plagiaten"

Um ihre akademische Ehre kämpft Koch-Mehrin allerdings noch immer. Im Juni hatte die Universität Heidelberg beschlossen, ihr ihren Doktorgrad zu entziehen, weil ihre Dissertation in "substanziellen Teilen aus Plagiaten bestehe". Dagegen legte Koch-Mehrin Widerspruch ein - und reichte jetzt die Begründung nach, wie die Universität mitteilte. Was genau in dem Schreiben steht, teilte die Uni nicht mit.

Es ist anzunehmen, dass Koch-Mehrin ihre bisherige Argumentation in juristische Worte gekleidet hat: Die Uni habe die Mängel der Arbeit schon bei Erteilung des Doktorgrades gekannt und könne sich jetzt nicht einfach neu entscheiden. Gegen dieses Argument hatte sich der Dekan der philosophischen Fakultät in Heidelberg schon damals im SPIEGEL-ONLINE-Interview gewehrt: Formale und inhaltliche Defizite habe man früh entdeckt, die Plagiate aber erst in diesem Jahr.

Die Uni teilte mit, der Promotionsausschuss werde sich in Kürze mit der Begründung befassen und "nach sorgfältiger und ergebnisoffener Prüfung entscheiden". Die endgültige Entscheidung über den Widerspruch werde dann im Rektorat der Universität Heidelberg getroffen. Falls es beim Entzug des Doktorgrads bleibe, stehe Koch-Mehrin der Rechtsweg offen.

otr

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insgesamt 43 Beiträge
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1. Schlechte Zeiten für Illusionskünstler
Brand-Redner 21.10.2011
Zitat von sysopSilvana Koch-Mehrin kämpft weiter um ihren Doktorgrad: Schriftlich begründete sie gegenüber der Uni Heidelberg, warum sie gegen den Titelentzug Widerspruch eingelegt hatte. Junge Liberale*in ihrem Wahlkreis fordern bereits ihren Rücktritt - sie werfen ihr vor, im EU-Parlament zu schwänzen. http://www.spiegel.de/unispiegel/studium/0,1518,793199,00.html
Denkwürdig wie aufschlussreich finde ich vor allem das Motto, unter welchem der Liberalennachwuchs demonstrierte: "Nicht-Leistung darf sich nicht mehr lohnen" - das ist genau jener kategorische Imperativ, für den jeder FDP-Kritiker noch vor 6 Monaten wütend als Kommunist oder Schlimmeres verschrien wurde. Nun pfeifen es sogar die liberalen Spatzen von den Marktplätzen und irgendwann kommen sie vielleicht sogar auf die Idee, auch ihre anderen Führungsfiguren unter die Lupe zu nehmen: So etwas nennt man dann schlechte Aussichten für Rösler, Westerwelle, Niebel und ihre ganze Lazarusschicht!
2. Ich halte nichts von Koch-Mehrin
Wasnun 21.10.2011
Aber in einem Rechtsstreit vor dem Verwaltungsgericht wird die Uni Heidelberg grandios untergehen. Abschreiben und Verwaltungsrecht sind zwei unterschiedliche Sachen.
3. s
Steinwald 21.10.2011
die frau ist eine einzige schande für die partei und für deutschland. und das bliebe sie auch, wenn sie ihren doktortitel ehrlich erworben hätte.
4. Dr. <- echt ey
ogs 21.10.2011
Zitat von WasnunAber in einem Rechtsstreit vor dem Verwaltungsgericht wird die Uni Heidelberg grandios untergehen. Abschreiben und Verwaltungsrecht sind zwei unterschiedliche Sachen.
Abwarten. Beschiss ist Beschiss. Das dürfen Sie gerne akademisch verklausulieren.
5. Job
haemoride 21.10.2011
Zitat von sysopSilvana Koch-Mehrin kämpft weiter um ihren Doktorgrad: Schriftlich begründete sie gegenüber der Uni Heidelberg, warum sie gegen den Titelentzug Widerspruch eingelegt hatte. Junge Liberale*in ihrem Wahlkreis fordern bereits ihren Rücktritt - sie werfen ihr vor, im EU-Parlament zu schwänzen. http://www.spiegel.de/unispiegel/studium/0,1518,793199,00.html
Ich würde sofort ihren Job übernehmen und zumindest bei jeder fünften Sitzung anwesend sein !
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