Von Hubert Gude und Oliver Trenkamp
Sie will kämpfen, das hat Annette Schavan angekündigt. Es ist ein Kampf gegen die Plagiatsvorwürfe, ein Kampf um ihren Doktortitel, ihr Ansehen, ihr Amt als Bundesministerin für Bildung und Forschung. Jetzt haben allerdings zunächst ihre Anwälte dafür gesorgt, dass die Uni Düsseldorf nichts zu dem Fall sagen darf.
Dabei ist das Interesse an der Plagiatsaffäre groß, zahlreiche Journalisten und Kamerateams waren in die nordrhein-westfälische Landeshauptstadt gekommen, um zu erfahren, wie die Uni weiter verfährt. Auf dem Campus patrouillierten an diesem Mittwochnachmittag Sicherheitsleute in blauen Jacken, um die Mitglieder des zuständigen Promotionsausschusses abzuschirmen.
Die nämlich tagten in Raum 64 des Dekanats der Philosophischen Fakultät und berieten über jenes Gutachten, das der Ministerin eine "leitende Täuschungsabsicht" vorwirft. In dem Gremium sitzen neben dem Vorsitzenden Stefan Rohrbacher, zugleich Autor des Gutachtens, noch drei weitere Professoren, zwei wissenschaftliche Mitarbeiter und ein Student.
Nach drei Stunden kam Uni-Rektor Michael Piper in den Esther-Betz-Hörsaal, in dem die Pressevertreter warteten. Der Hochschulchef blickte durch seine Brille konzentriert in die Kameras, die rot-weiß-gestreifte Krawatte zurechtgerückt. Und er sagte: nichts. Jedenfalls nichts Erhellendes zu den Beratungen des Ausschusses.
"Fakten werden akribisch gesichtet und bewertet"
Denn, so Piper, Schavan habe über ihre Anwälte mitteilen lassen: Ohne die Zustimmung der Ministerin sollten keine Informationen herausgegeben werden. In dem Schreiben der Anwälte heißt es, "dass zu den bisherigen Ergebnissen, der Untersuchung und derer unmittelbarer Konsequenzen ohne die Zustimmung von Frau Professor Schavan keine Information an dieser Stelle weitergegeben werden dürfen", sagte Piper.
Wie es genau weitergeht, soll also niemand erfahren. Piper blieb im Allgemeinen: Man befinde sich erst in der Vorprüfung. Später würden möglicherweise noch Gutachter, auch externe, zu Rate gezogen. "Fakten werden akribisch gesichtet und bewertet", sagte er. Es gebe aber vor allem zwei Probleme: Schavans Doktorarbeit sei über 30 Jahre alt und eine "zeitgerechte Beurteilung" schwierig. Zudem sei die Arbeit interdisziplinär angelegt. Am Ende entscheide der Fakultätsrat darüber, ob Schavan ihren Titel behalten darf oder nicht. Der Promotionsausschuss gibt lediglich eine Empfehlung ab.
Entschuldigung bei Schavan
Ausführlicher äußerte sich Piper dazu, wie und wann Schavan von dem Gutachten erfahren habe, in dem ihr Täuschung vorgeworfen wird. Nachdem der SPIEGEL, der aus dem Papier zitiert, die Ministerin mit den Vorwürfen Ende vergangener Woche konfrontiert hatte, rief sie empört bei Piper an. Er sei entsetzt gewesen und habe sofort veranlasst, dass ein Bote das Gutachten der Ministerin zustelle. "Ich möchte mein Bedauern ausdrücken für Professor Schavan, bei der ich mich für die Universität entschuldige."
Die Uni ist in einer misslichen Lage. Das erste interne Gutachten ist in seinen Schlussfolgerungen so hart, dass es wenig Spielraum lässt: Schavans Doktorarbeit weise "das charakteristische Bild einer plagiierenden Vorgehensweise" auf. Werden die Gremien anders entscheiden als der eigene Gutachter?
Allerdings lässt sich über das Urteil der Uni-Analyse streiten. Der Fall Schavan ist eben anders gelagert als der Fall Guttenberg. So kritisieren namhafte Wissenschaftler das Gutachten. Die Erziehungswissenschaftler Elmar Tenorth und Helmut Fend schrieben bei "Zeit Online" von einer "gravierenden Fehleinschätzung", von einer "leitenden Täuschungsabsicht" könne keine Rede sein. Es gebe zwar "handwerkliche Fehler" in der Dissertation, aber: "Doktortitel werden aus solchen Gründen nicht aberkannt."
Schon nach den ersten anonymen Vorwürfen gegen Schavan, die im Netz aufgetaucht waren, hatte Tenorth in der "Frankfurter Allgemeinen Zeitung" ähnlich argumentiert. In einem Text unter der Überschrift "Zitierfehler, aber kein Plagiat" hatte er mit einem Kollegen der Ministerin bescheinigt, dass sie Fehler gemacht habe, ihre Ergebnisse aber "wieder zu einem eigenen Gedankengang verbindet".
Schnell wird die Aufregung nicht abebben, bereits jetzt legen Oppositionspolitiker Schavan den Rücktritt nahe. Ihre Parteifreunde und die Kanzlerin stärken ihr hingegen den Rücken.
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