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Plagiat: Mathiopoulos scheitert mit Berufung - Doktortitel soll weg

Die Klägerin Margarita Mathiopoulos mit ihrem Anwalt im Sitzungssaal des OVG Münster Zur Großansicht
DPA

Die Klägerin Margarita Mathiopoulos mit ihrem Anwalt im Sitzungssaal des OVG Münster

Die frühere FDP-Politikberaterin Margarita Mathiopoulos ist auch in zweiter Instanz gescheitert: Laut Oberverwaltungsgericht durfte die Uni Bonn ihr den Titel wegen Plagiaten entziehen - doch die Unternehmerin will weiter klagen.

Jetzt hat auch das nordrhein-westfälische Oberverwaltungsgericht in Münster gesprochen: Die Universität Bonn durfte der Politikberaterin Margarita Mathiopoulos den Doktorgrad entziehen.

Die frühere FDP-Beraterin hatte gegen die Aberkennung geklagt und war damit bereits vor dem Verwaltungsgericht Köln gescheitert. Die Universität Bonn hatte Mathiopoulos im Jahr 2011 den Doktor entzogen, nachdem im Internet Plagiatsvorwürfe laut wurden.

Das Urteil ist noch nicht rechtskräftig, Mathiopoulos will nun laut dpa vor dem Bundesverwaltungsgericht in Revision gehen. Bis dort eine Entscheidung fällt, darf die Unternehmerin den Doktorgrad führen. Solange ist auch ihr zweiter Titel, den sie als Honorarprofessorin trägt, nicht in Gefahr.

Die Universität Bonn wirft Mathiopoulos vor, in ihrer Doktorarbeit systematisch Quellen nicht gekennzeichnet und so getäuscht zu haben. 2012 entschied die Hochschule, ihr den Titel abzuerkennen. Dagegen wehrt sich Mathiopoulos seither vor den Gerichten. Ihre Anwälte vertreten die Auffassung, sie habe lediglich handwerkliche Fehler beim Zitieren gemacht, nicht aber betrogen.

Bereits in anderen Fällen waren Klagen gegen den Titelentzug erfolglos. Im vergangenen Jahr etwa scheiterte die ehemalige Bildungsministerin Annette Schavan (CDU), die vor dem Verwaltungsgericht Düsseldorf ihren Doktor zurückerstreiten wollte. Insofern dürfte das Urteil gegen Mathiopoulos nun nicht überraschen.

Überraschend war vielmehr, dass das Gericht im Frühjahr die Berufung zugelassen hatte. Zur Begründung hatte das OVG "besondere Schwierigkeiten der Rechtssache" angeführt. So ging es auch um die Frage, wie eine frühere - andere - Entscheidung der Uni zu den Plagiatsvorwürfen gegen Mathiopoulos zu bewerten sei.

Uni entschied erst gegen, dann für den Titelentzug

Mathiopoulos war 1986 an der Rheinischen Friedrich-Wilhelms-Universität promoviert worden. Die Dissertation erregte schon kurz nach ihrem Erscheinen Aufsehen: Der SPIEGEL verwies auf wörtliche Übernahmen, die nicht ausreichend im Text kenntlich gemacht worden waren.

1991 ergab eine stichprobenartige Untersuchung der Universität zwar gravierende handwerkliche Mängel in der Dissertation; weil man aber keinen Täuschungsvorsatz erkennen konnte, entzog die Uni den Doktorgrad damals nicht.

Im Nachklang der Guttenberg-Affäre griff das Plagiatsjäger-Netzwerk VroniPlag den Fall wieder auf und erneuerte die Vorwürfe. Im April 2012 revidierte die Universität ihre Entscheidung von 1991 als "objektiv rechtswidrig" und beschloss, Mathiopoulos den Doktorgrad zu entziehen. Im Kern ging es vor dem Oberverwaltungsgericht nun also um die Frage, inwiefern dieselbe Universität in einem Plagiatsfall unterschiedlich entscheiden darf.

Die Münsteraner Richter befanden, dass die Aberkennung rechtens ist, auch wenn sie erst im zweiten Anlauf erfolgte. Die Fakultät habe Mathiopoulos nach der Prüfung Anfang der Neunzigerjahre nicht verbindlich zugesichert, von einer Entziehung auch in Zukunft abzusehen, teilte das Gericht mit.

Promotionsvermittler verliert Titel

Auch in einem anderen Fall gewann am Donnerstag die Universität Bonn: Sie durfte einem verurteilten Promotionsvermittler den Doktorgrad entziehen, auch wenn dessen eigene Doktorarbeit womöglich tadellos ist.

Der Kläger soll als Geschäftsführer einer Vermittlungsagentur Professoren Geld gegeben haben, wenn diese promotionswillige Kandidaten annehmen. 2009 flog der Skandal auf; der Geschäftsführer wurde später wegen Bestechung verurteilt. 2010 entzog die Universität Bonn dem Geschäftsmann den Titel, den er vor seiner Karriere als Doktormacher erhalten hatte. Er habe den Doktor für "kriminelle Machenschaften" benutzt, befand die Universität damals.

Zu Recht, wie nun die Münsteraner Richter bestätigten. Auch "wissenschaftsbezogene Straftaten" rechtfertigten den Titelentzug.

Ob damit das letzte Wort gesprochen ist, bleibt abzuwarten. Auch in diesem Verfahren ließ das Oberverwaltungsgericht die Revision beim Bundesverwaltungsgericht zu.

bkr/lgr/AFP/dpa

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insgesamt 18 Beiträge
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1.
flieger56 10.12.2015
Weil wir gerade bei Plagiatsvorwürfen sind.Was wurde eigentlich mit dem Doktor Titel unserer Verteidigungsministerin.Gab es da schon eine Entscheidung ? Habe ich evtl.etwas verpaßt ?
2. Wenn...
KEIN Hans Wurscht 10.12.2015
... Justitia in dem bisher angegangenen Tempo weiteragiert, verliert sie Ihren Titel - samt zusammenhängendem Professoren-Titel als Honorarprofessorin wenn sie in den Ruhestand geht. Bins dahin hat sie dann auf ihrem "Werk von Dissertation" soviel Geld gescheffelt, daß es ihr schnurzegal sein kann. Politberaterin... Welches Anforderungsprofil wird da verlangt? Ich empfehle auf ihrer Homepage mal Curriculum Vitae an wissenschaftlichem Arbeiten zu lesen... Nov./Dez. 79 an der Sorbonne in Paris... was man in zwei Monaten - abzüglich der Weihnachtstage usw. - also max 5 Wochen so bewirken kann... In solch kurzer Zeit lernt man maximal die Lage der Hörsäle... Im Juni - Oktober 1989 irgendwo in Stanford... Junge, Junge... Anschließend im Jan/Februar 1990 German-Marshall-Fund-Fellow am Institute for East-West-Security Studies in New York... was auch immer das sein mag.... Irgendwie habe ich das Gefühl, daß die Dame immer dann verschwunden ist, als es ans arbeiten gehen hätte können... Mir ist die Dame schnurzpieps egal, aber was mich wundert: Und auf solchen Rat hören unsere Politiker? Dann ist es noch weit schlimmer um die Politik bestimmt als ich bereits befürchtete... Saludos Amigos
3. Schwächen
Tubus 10.12.2015
..und so was wollte Willy Brandt zur SPD-Generalsekretärin. Das war aber sogar für die SPD zuviel. Worauf der Willy da wohl reingefallen ist. Gewisse Schwächen hatte er ja...
4. und immer FDP Parteibuch
willibrand 10.12.2015
was ist eine Politikberaterin ? Oder schließt das auch Politikerberatung mit ein ? Hat sie vielleicht die FDP beraten und ist jetzt für die SPD tätig ? Dann ist ihre Erfolgsquote gar nicht schlecht
5. @flieger56
drent 10.12.2015
Psst, psst. War alles schon fast vergessen. N
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