Plagiatsfall Mathiopoulos: Uni-Ermittler votieren für Doktor-Entzug

Darf FDP-Politikerin Margarita Mathiopoulos ihren Doktorgrad behalten? Geht es nach dem Promotionsausschuss der Uni Bonn, soll der Unternehmerin der Titel entzogen werden. Allerdings steht eine Stellungnahme der Westerwelle-Vertrauten noch aus.

Margarita Mathiopoulos: Westerwelle-Vertraute im Titelkampf Zur Großansicht
DPA

Margarita Mathiopoulos: Westerwelle-Vertraute im Titelkampf

In ihrem Titelkampf steht es nicht zum Besten für die FDP-Politikerin und Westerwelle-Vertraute Margarita Mathiopoulos. Es sieht vielmehr nach einer bevorstehenden Niederlage aus - danach, dass sie ihren Doktorgrad verlieren wird. Denn der Promotionsausschuss der Philosophischen Fakultät der Universität Bonn sehe die "Voraussetzungen einer Entziehung als gegeben" an, wie der Jura-Professor Klaus Gärditz SPIEGEL ONLINE sagte.

Der Bonner Rechtswissenschaftler und Untersuchungsführer bestätigte damit einen entsprechenden Bericht von "Zeit Online". Der Promotionsausschuss hatte im Sommer beschlossen, die Dissertation von Mathiopoulos erneut zu überprüfen. Nach mehrmonatigen Beratungen kamen die Uni-Ermittler nun vor wenigen Tagen zu dem Schluss: Die Doktorwürde müsse entzogen werden. Ein entsprechender Bericht sei Mathiopoulos und ihren Anwälten geschickt worden, sagte Gärditz.

Jetzt habe sie Zeit, sich zu den Vorwürfen zu äußern und eine Stellungnahme abzugeben. Erst danach werde der Fakultätsrat entscheiden, ob Mathiopoulos tatsächlich die zwei Buchstaben vor ihrem Namen streichen muss. Ihr Anwalt habe schriftlich gegenüber der Uni erste Einwände erhoben und darum gebeten, mehr Zeit für die Stellungnahme zu bekommen. Eine Entscheidung wird jetzt für Februar erwartet.

Ein Titelkampf über zwei Jahrzehnte

Die Vorgeschichte reicht über 20 Jahre zurück: Die FDP-Politikerin und Unternehmerin hatte 1986 in Bonn promoviert, mit einer Arbeit namens "Amerika: Das Experiment des Fortschritts. Ein Vergleich des politischen Denkens in den USA und Europa". Einige Jahre später tauchten erstmals Plagiatsgerüchte auf. Anfang der neunziger Jahre hatte eine stichprobenartige Überprüfung dann handwerkliche Mängel in der Dissertation ergeben, die aber waren von der Universität nicht als so schwerwiegend gewertet worden, dass sie zur Aberkennung des Doktorgrades hätten führen müssen.

Erst zahlreiche Fundstellen, ausgegraben von den Plagiatsjägern der Seite VroniPlag, gaben den Anstoß für die neue Prüfung. Nach den dort veröffentlichten Recherchen soll die Arbeit zahlreiche wörtliche Übernahmen ohne die korrekte Kennzeichnung fremder Gedanken und benutzter Quellen enthalten.

"Insofern hat sich eine neue Sachlage ergeben", hatte Dekan Günther Schulz die Entscheidung des Promotionsausschusses begründet, die Arbeit noch einmal zu prüfen.

Mathiopoulos' Anwalt Jan Hegemann will sich zu dem aktuellen Verfahren nicht äußern und verweist auf ein Statement aus dem Sommer, wonach sie in ihrer Dissertation keine Plagiate verwendet habe. Seine Mandantin sei sich sicher, dass die "erneute Überprüfung zu keinem anderen Ergebnis kommen wird als die Überprüfung der Dissertation im Jahre 1991".

Mathiopoulos stand in den achtziger Jahren der SPD nahe, 2002 trat sie in die FDP ein und wurde Beraterin des damaligen Parteichefs Guido Westerwelle. Sie gilt als Vertraute des Bundesaußenministers. So hatte sie ihn im Januar 2010 als Mitglied einer Wirtschaftsdelegation auf einer Reise nach Saudi-Arabien begleitet.

otr

Diesen Artikel...
  • Aus Datenschutzgründen wird Ihre IP-Adresse nur dann gespeichert, wenn Sie angemeldeter und eingeloggter Facebook-Nutzer sind. Wenn Sie mehr zum Thema Datenschutz wissen wollen, klicken Sie auf das i.
  • Auf anderen Social Networks teilen

Forum - Diskutieren Sie über diesen Artikel
insgesamt 18 Beiträge
Alle Kommentare öffnen
    Seite 1    
1. Ein nicht enden wollender Sumpf in der FDP, plus Sonderfall Blender Guttenberg
Roßtäuscher 19.12.2011
Zitat von sysopDarf FDP-Politikerin Margarita Mathiopoulos ihren Doktorgrad behalten? Geht es nach dem Promotionsausschuss der Uni Bonn, soll der Unternehmerin der Titel entzogen werden. Allerdings steht eine Stellungnahme*der Westerwelle-Vertrauten noch aus. http://www.spiegel.de/unispiegel/studium/0,1518,804697,00.html
Guttenberg war der Anfang vom "Roten Faden", der sich flugs durch die "Gelbe Wunschkoalition" der Merkel zog. Aber mit dem Löwen-Anteil an Plagiaten bei der Gelben (Seuche) Fraktion. Mathiopoulos gehört das Plagiat Promovirchen genau so entzogen, wie Chatzimarkakis und der gegen den Uni-Entzug klagenden Koch-Mehrin. Alle 4 dreisten Kopierer beschädigen die Institutionen und gehören gehörig bestraft. Die 20.000 € Buße des Guttenberg muss man als Almosen der Staatsanwaltschaft betrachten - Bonus-Schleuder.
2.
rollp 19.12.2011
Zitat von RoßtäuscherGuttenberg war der Anfang vom "Roten Faden", der sich flugs durch die "Gelbe Wunschkoalition" der Merkel zog. Aber mit dem Löwen-Anteil an Plagiaten bei der Gelben (Seuche) Fraktion. Mathiopoulos gehört das Plagiat Promovirchen genau so entzogen, wie Chatzimarkakis und der gegen den Uni-Entzug klagenden Koch-Mehrin. Alle 4 dreisten Kopierer beschädigen die Institutionen und gehören gehörig bestraft. Die 20.000 € Buße des Guttenberg muss man als Almosen der Staatsanwaltschaft betrachten - Bonus-Schleuder.
Auch in diesem Falle gilt : den Sachverhalt streng prüfen und falls sich der Plagiatsvorwurf bestätigen sollte, sofort den Dr.-Titel entziehen. Damit wird wenigstens ein Stück weit versucht, weiteren Schaden vom bundesdeutschen Wissenschaftsbetrieb fern zu halten. Koch-Mehrin, Mathiopoulos, Chatzimarkakis waren allesamt Stipendiaten der Friedrich Naumann Stiftung ! Dieser Laden sollte sich so langsam mal Gedanken darüber machen, was für eine Art von "Kaderschmiede" er darstellt. Selbst unser derzeitiger "Außenminister" wurde von diesem Verein gesponstert. Ein Schuft, wer Böses dabei denkt. Also : Ausmisten, vollständige Kostenrückerstattung durch die Betrüger und deren sofortige Entfernung aus allen Partei- und Führungsämtern.
3.
 19.12.2011
Zitat von rollpAuch in diesem Falle gilt : den Sachverhalt streng prüfen und falls sich der Plagiatsvorwurf bestätigen sollte, sofort den Dr.-Titel entziehen. Damit wird wenigstens ein Stück weit versucht, weiteren Schaden vom bundesdeutschen Wissenschaftsbetrieb fern zu halten. Koch-Mehrin, Mathiopoulos, Chatzimarkakis waren allesamt Stipendiaten der Friedrich Naumann Stiftung ! Dieser Laden sollte sich so langsam mal Gedanken darüber machen, was für eine Art von "Kaderschmiede" er darstellt. Selbst unser derzeitiger "Außenminister" wurde von diesem Verein gesponstert. Ein Schuft, wer Böses dabei denkt. Also : Ausmisten, vollständige Kostenrückerstattung durch die Betrüger und deren sofortige Entfernung aus allen Partei- und Führungsämtern.
Es geht doch hier nur um einen lächerlichen Doktortitel. Und jeder, der einen hat und darauf besteht, damit angesprochen zu werden, hat irgendwas das er zu kompensieren versucht, weil das Ego so klein ist. Alles Andere ist einfach nur mal wieder eine neue Debatte, die kein Mensch braucht. Genauso wie damals mit Herrn zu Guttenberg. Sicher ist es nicht unbedingt die feine Art von ihm gewesen, wenn er getäuscht haben soll. Und er wäre sicher klüger gewesen, direkt seinen kleinen Fehler einzugestehen. Aber der Fall zu Guttenberg war nichts anderes als einem beliebten Politiker zu schaden, weil der Neid selbst nicht so beliebt zu sein einen zu vielem treibt. Und da kann ich nur mal wieder sagen: Typisch Deutsch!! Ein Volk von Nörglern und mit sich und der Welt unzufriedenen, armseligen Leuten.
4. lustig
philebos 19.12.2011
dass es ausgerechnet die "Leistungsträger-Partei" so zahlreich erwischt ...
5. .
Rubeanus 19.12.2011
Zitat von philebosdass es ausgerechnet die "Leistungsträger-Partei" so zahlreich erwischt ...
Das hat vermutlich auch damit zu tun, dass die Plagiatsjäger (fast) ausschließlich Politiker aus Union und FDP auf's Korn nehmen.
Alle Kommentare öffnen
    Seite 1    
News verfolgen

HilfeLassen Sie sich mit kostenlosen Diensten auf dem Laufenden halten:

alles aus der Rubrik UniSPIEGEL
Twitter | RSS
alles aus der Rubrik Studium
RSS
alles zum Thema Margarita Mathiopoulos
RSS

© SPIEGEL ONLINE 2011
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH



  • Drucken Senden
  • Nutzungsrechte Feedback
  • Kommentieren | 18 Kommentare
Fotostrecke
Zwielichtige Promotionen: Von Guttenberg bis Schavan

DPA
Wer hat dran herumgedoktert?
Plagiatjäger entlarvten Guttenberg als Copy-and-Paste-Akademiker. Seine Politikerkollegen promovierten über "Infektionen durch Entspannungsbäder" oder das "mittelniederländische Plenarium Ms. germ. 1612". Wer's war, erfahren Sie hier und werden so Quiz-Doktor im Doktor-Quiz!