Ministerin unter Plagiatsverdacht: Uni Düsseldorf eröffnet Verfahren gegen Schavan

Die Uni Düsseldorf hat ein Verfahren zum Titelentzug gegen Annette Schavan eingeleitet. Mit 14 Ja-Stimmen und einer Enthaltung votierte das zuständige Gremium für die Eröffnung des Hauptverfahrens. Der Dekan betonte aber: Es stehe noch nicht fest, ob die CDU-Frau ihren Doktorgrad verliert.

Berlin, Düsseldorf - Bundesbildungsministerin Annette Schavan (CDU) kann nicht aufatmen: Der Rat der Philosophischen Fakultät der Universität Düsseldorf hat entschieden, ein Verfahren zur Aberkennung ihres Doktortitels einzuleiten. Das sagte Dekan Bruno Bleckmann nach einer mehrstündigen Sitzung des Uni-Gremiums.

Die Runde aus Professoren, Mitarbeitern und Studenten entschied mit 14 Ja-Stimmen und einer Enthaltung für die Eröffnung des Verfahrens. Endgültig entschieden ist damit aber noch nicht, ob Schavan ihren Titel wirklich verliert. Bleckmann sagte, er wolle ausdrücklich betonen, das Verfahren sei ergebnisoffen. Es werde unabhängig vom Ansehen der Person durchgeführt. Am 5. Februar werde das Gremium erneut tagen, dann werde es über die Fortsetzung des Verfahrens beraten. Nichts sagte er zu weiteren Details, etwa der Frage, ob weitere Gutachtachten eingeholt werden sollen.

Das Uni-Gremium ist vollkommen frei in seiner Entscheidung: Die 15 Mitglieder befinden früher oder später darüber, ob Schavans Doktorarbeit aus dem Jahr 1980 ("Person und Gewissen") als Plagiat anzusehen ist, nicht mehr und nicht weniger. Aber indirekt bestimmen sie damit auch über den akademischen Ruf und wohl auch die politische Zukunft der Ministerin. Stimmberechtigt sind acht Professoren, zwei wissenschaftliche und zwei nichtwissenschaftliche Mitarbeiter sowie drei Studenten.

Seit Frühjahr 2012 zieht sich die Affäre bereits hin. Es begann damit, dass im Internet anonyme Plagiatsvorwürfe gegen die Ministerin auftauchten. Seitdem läuft die Debatte um ihre 1980 in Düsseldorf eingereichte Dissertationsschrift. Schavan selbst bat ihre frühere Uni um Prüfung. An einigen Dutzend Stellen der Arbeit wollen Plagiatsjäger nicht sauber ausgewiesene Quellen entdeckt oder Verstöße gegen wissenschaftliche Standards ausgemacht haben. In einem internen Uni-Gutachten, über das der SPIEGEL berichtete, war von 60 Stellen und einer "leitenden Täuschungsabsicht" die Rede.

Doch nicht nur Schavan geriet unter Druck, sondern auch die Uni Düsseldorf. Kritik gibt es etwa wegen der ungewöhnlichen Länge der Verfahrens. Und weil der Uni-Gutachter kein Erziehungswissenschaftler ist, Schavans Arbeit aber in diesem Fach angesiedelt ist. Die Universität hielt mit einem Rechtsgutachten dagegen, das ihr bescheinigt, bei dem Prüfverfahren einwandfrei gearbeitet zu haben.

Die Debatte um Schavans Doktorarbeit spaltet inzwischen die Wissenschaft. Ungewöhnlich ist das Vorgehen der Allianz der Wissenschaftsorganisationen, die sich am vergangenen Freitag überraschend einmischten und deutliche Kritik am Vorgehen der Uni übten. In der Allianz arbeiten die großen Forschungsorganisationen zusammen, die Milliarden vom Bund erhalten, aber auch die Rektorenkonferenz und der Wissenschaftsrat. Die Einmischung kritisierten wiederum andere Wissenschaftler, darunter der Präsident des Deutschen Hochschulverbandes, Bernhard Kempen.

Das Plagiatsverfahren: Der Fakultätsrat entscheidet Zur Großansicht
Universität Düsseldorf

Das Plagiatsverfahren: Der Fakultätsrat entscheidet

otr/jdl

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insgesamt 203 Beiträge
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1. na
emmpaek 22.01.2013
Das würde auch Zeit..
2.
Snoozel 22.01.2013
Hmm. Und wen interessiert es nun wirklich ob sie einen Doktortitel hat oder nicht? Das ist doch völlig egal wer sich mit was schmückt. Ein Titel ist doch das gleiche wie z.B. eine teure Uhr zu tragen. Wer will soll es tun, aber relevant ist es nicht.
3. Na endlich
consultingMLS 22.01.2013
Aber noch ist die Kuh nicht vom Eis... Es muss noch der Strick her.
4. Das Gesicht
Peter-Lublewski 22.01.2013
Na, Frau Schavan, der Gesichtsausdruck ist aber völlig anders als das hämische Grinsen an dem Tag, als Gutti abgesägt wurde :-)
5. Zum Fremdschämen!
A.Stifter 22.01.2013
Mit diesem Makel, dieser Peinlichkeit, überhaupt schon diesem bestehenden verdacht, kann man doch nicht - auch noch gerade! - Bundesbildungsministerin bleiben.
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