Plagiatsvorwürfe gegen Lammert: Doktor im Dilemma

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Bundestagspräsident Lammert: Doktorarbeit auf dem Prüfstand

Norbert Lammert wehrt sich gegen den Plagiatsvorwurf eines anonymen Bloggers. Der Bundestagspräsident hat die Uni Bochum um Prüfung gebeten und seine Doktorarbeit in voller Länge ins Netz gestellt. Welche Lehren aber sollte die Wissenschaft aus den vielen Verdachtsfällen ziehen?

Nicht ohne Stolz sagt Erwin Faul: "Ich halte mich selbst für einen großen Plagiatsjäger, auch wenn ich damals nicht die technischen Möglichkeiten hatte, die es heute gibt." Jetzt prüft die Uni Bochum, an der Faul einst als Professor wirkte, die Dissertation seines früheren Doktoranden Norbert Lammert, CDU-Politiker, Bundestagspräsident.

Der soll nämlich "einen erheblichen Teil" der in seiner Doktorarbeit als verwendet angegebenen Literatur "ganz offenbar nicht gelesen" haben, wie dem Politiker ein anonymer Plagiatsjäger attestiert, der sich "Robert Schmidt" nennt. Auf 42 Seiten der Arbeit sind demnach Unregelmäßigkeiten zu finden, dokumentiert auf der Seite LammertPlag.

Lammert wurde von den Vorwürfen überrascht, er erfuhr erst am Montag durch die Anfrage der Zeitung "Die Welt" davon, die als erste darüber berichtete. Daraufhin rief er den Rektor der Uni in Bochum an und bat darum, dass seine Arbeit überprüft wird. Die Hochschule reagierte: Der Ombudsmann und die zuständigen Gremien hätten mit der Arbeit begonnen. Zudem ließ Lammert seine Doktorarbeit in voller Länge als PDF auf seiner Website veröffentlichen. Politiker aller Parteien mahnten zur Zurückhaltung und warnten vor Vorverurteilungen, außer Koalitionsabgeordneten auch SPD-Kanzlerkandidat Peer Steinbrück und Grünen-Fraktionsgeschäftsführer Volker Beck.

"Erstaunliche Figur von Integrität und Selbständigkeit"

Für Lammerts ehemaligen Doktorvater Faul, mit 90 mittlerweile ein betagter Mann, ist es eine schwierige Situation. Im Detail will er sich nicht zu den Vorwürfen gegen seinen ehemaligen Doktoranden äußern - jedenfalls nicht, bis er die Arbeit und sein Gutachten von damals noch einmal gelesen hat. Er erinnere sich aber an Lammert als eine "erstaunliche Figur von Integrität und Selbständigkeit".

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Norbert Lammert unter Plagiatsverdacht: Bitte überprüfen Sie
Faul selbst hat sich verdient gemacht um die Wissenschaft: Er hat in Heidelberg, Bochum und Trier gelehrt, unzählige Studenten und Doktoranden betreut. Als Redakteur, Chefredakteur und Herausgeber der "Politischen Vierteljahresschrift" hat er unzählige Texte auf ihre Originalität und ihre wissenschaftliche Substanz hin geprüft - und ist immer wieder auf Unsauberkeiten, Plagiate und Schummeleien gestoßen, ganz ohne Suchmaschinen und digitale Bibliotheken. Faul ist die Art Gelehrter, für die einerseits Gewissenhaftigkeit und Wahrheitssuche alles überstrahlende Werte sind, die es anderseits merkwürdig finden, wenn anonyme Aktivisten die Quellenangaben alter Doktorarbeiten auf der Suche nach formalen Fehlern durchkämmen.

Die Frage stellt sich der Wissenschaft spätestens seit dem Fall Guttenberg: Wie gehen wir mit anonymen Hinweisen um? Tun wir genug gegen wissenschaftliches Fehlverhalten, Promotionsbetrug und Plagiate? Was ist ein Doktortitel eigentlich noch wert?

Funktionäre und Praktiker aus der Forschung ringen um den richtigen Umgang und allgemeingültige Regeln. Denn bedrohlicher als die prominenten Fälle aus der Politik und Wirtschaft seien jene Plagiateure und Schummler, die weiterhin in der Wissenschaft arbeiten, sagt Debora Weber-Wulff, Plagiatsexpertin und Informatikprofessorin an der Hochschule für Technik und Wirtschaft in Berlin. "Die Politiker stehen in der Zeitung", systematisch unehrliche Wissenschaftler nicht unbedingt.

Sollte Promotionsbetrug verjähren?

Wie groß das Problem ist, darauf gibt es allenfalls Hinweise. In einer Studie des Bielefelder Wissenschaftlers Sebastian Sattler gaben vier von fünf befragten Studenten an, im Studium bereits getrickst oder betrogen zu haben. Es ist nicht anzunehmen, dass nur die Gewissenhaften in der Wissenschaft bleiben.

Auf einer Tagung des Wissenschaftsrats stritten Funktionäre und Forscher erst vor wenigen Tagen unter anderem darum, ob Fehler in einer Doktorarbeit irgendwann verjähren sollten. Schließlich kennt das Recht bei fast allen Straftaten die "salvierende Wirkung der Zeit", wie es Wissenschaftsrechtler Wolfgang Löwer, Ombudsmann der Deutschen Forschungsgemeinschaft, einmal nannte.

Einige Experten plädierten für eine Frist von zehn Jahren, später sollte zumindest nicht mehr der Titel entzogen werden dürfen. Strikt gegen eine Verjährung wandte sich wiederum Weber-Wulff. Sie argumentierte unter anderem: Wer sich einen Führerschein unrechtmäßig erschleiche, müsse den auch wieder abgeben, egal wann der Betrug aufgedeckt werde. Warum solle es sich bei der Befähigung für eine Wissenschaftskarriere, dem Doktortitel, anders verhalten? Ganz allgemein hat der "Dr." ihrer Meinung nach außerhalb der Wissenschaft nichts verloren, sollte also auch nicht im Personalausweis stehen.

Kurz zuvor hatte die Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG) sich mit einem anderen kritischen Punkt auseinandergesetzt: der Anonymität der Hinweisgeber. Denn längst ist der Plagiatsverdacht zur Waffe geworden im politischen und wissenschaftlichen Wettbewerb. Gezielt streuen bisweilen Konkurrenten das Gerücht, mit einer Dissertation stimme etwas nicht - gerne just dann, wenn Berufungsverfahren oder Beförderung anstehen.

Die DFG empfiehlt jetzt, dass anonymen Anzeigen auf wissenschaftliches Fehlverhalten, also etwa auf Plagiate, grundsätzlich nicht nachgegangen werden soll, jedenfalls nicht im Rahmen eines formalen Ombudsverfahrens: "Grundsätzlich gebietet eine zweckmäßige Untersuchung die Namensnennung des Whistleblowers." Eine durchaus umstrittene Ansicht.

Lammert ist jetzt in der unglücklichen Lage, dass die Uni prüft und zum laufenden Verfahren vorerst aber nichts weiter sagen will - also auch nichts Entlastendes. Zweifel an der Schwere der Vorwürfe gegen Lammert gibt es allerdings auch in dem Netzwerk der anonymen Plagiatsjäger der Plattform VroniPlag, an dem auch "Robert Schmidt" mitgearbeitet haben soll. Dort sehen zwar einige die mutmaßlichen Verfehlungen in Lammerts Arbeit kritisch: Studenten würde man solche Schnitzer heute auch nicht durchgehen lassen. Andere hingegen verweisen auf den geringen Umfang der bisherigen Fundstellen. Einer nennt die aktuellen Vorwürfe gegen Lammert sogar einen "Witz".

Der Diskussion hat gerade erst begonnen.

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Promotionsbetrug im Selbstversuch: Wie ich ein Dr. wurde

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1. Wie wärs,
wolle0601 30.07.2013
Zitat von sysopDPANorbert Lammert wehrt sich gegen den Plagiatsvorwurf eines anonymen Bloggers. Der Bundestagspräsident hat die Uni Bochum um Prüfung gebeten und seine Doktorarbeit in voller Länge ins Netz gestellt. Welche Lehren aber sollte die Wissenschaft aus den vielen Verdachtsfällen ziehen? http://www.spiegel.de/unispiegel/studium/plagiatsvorwuerfe-gegen-lammert-wissenschaftliche-standards-a-913858.html
wenn man anhand von Videos alter Fußballspiele - nach heutigem Regelverständnis natürlich - überprüfen würde, ob der Ball immer "drin" war und ob alle Fouls korrekt gepfiffen wurden? Und was, wenn nicht? Alle Spiele seitdem annullieren? Massive Fehler in einer Dissertation bedeuten auch, daß da ein Prof seinen Job nicht ordentlich gemacht hat. Hat man da irgendwas von Konsequenzen gehört? Man mag es mögen oder nicht, daß ein Dr. eine solche Bedeutung für die Karriere hat - aber mit Fairneß hat es auch nichts zu tun, wenn ein anonymer Denunziant jemanden einfach so "ausknipsen" oder zumindest in schwere Bedrängnis bringen kann. Das Argument, daß ein Kampf mit offenem Visier wegen der angeblichen Übermacht des Angegriffenen unfair wäre, zieht für mich nicht. Ich schätze, es gäbe genug öffentliche Unterstützer und Beschützer für jemanden, der seinerseits sauber und offen arbeitet.
2. Kann mal jemand bei der NSA nachfragen
EchoRomeo 30.07.2013
wer sich da - wieder einmal - feige hinter dem Pseudonym "Robert Schmidt" verkriecht und einen auf Whistleblower macht? Diese "Plage/Pfeife" braucht dringend eine kleine Lektion in Netikette. Die nämlich, daß man Vorwürfe entweder begründen kann und dann auch mit seinem Namen dazu steht oder dem nuhrschen Tip folgt und "einfach mal die Fresse hält". PS: Auch ohne besonderes Recherche-Tool lässt sich aus den bisherigen Treibjagden ziemlich eindeutig die eigentliche Absicht der "lauteren" Jäger herauslesen.
3.
burgundy2 30.07.2013
Zitat von sysopDPANorbert Lammert wehrt sich gegen den Plagiatsvorwurf eines anonymen Bloggers. Der Bundestagspräsident hat die Uni Bochum um Prüfung gebeten und seine Doktorarbeit in voller Länge ins Netz gestellt. Welche Lehren aber sollte die Wissenschaft aus den vielen Verdachtsfällen ziehen? http://www.spiegel.de/unispiegel/studium/plagiatsvorwuerfe-gegen-lammert-wissenschaftliche-standards-a-913858.html
Also schon wieder einer. Die scheint in den geisteswissenschaftlichen Fächern gar nicht so selten zu sein. Die Grenze zwischen Nachlässigkeit und Betrug ist nur schwer zu ziehen. Wie schnell macht man sich eine Meinung zu eigen, die man irgendwo aufgeschnappt hat, und glaubt dann auch ganz fest daran, es sei die eigene? Ich denke, ein wenig muss man solche "Verfehlungen" (im streng wissenschaftlchen Sinne sind sie es ja) gerade in diesen Fächern als der ihnen immanenten Unschärfe der "Fakten" geschuldet sehen (in den naturwissenschaftlichen Fächern wäre es etwas schwieriger, hier wäre es dann schon echter Datenklau). Aber irgendwie kann man sich nicht ganz des Eindrucks erwehren, als schösse jemand aus dem Hinterhalt ganz gezielt: Ob da irgendwie der Gutti dahintersteckt? Ganz von der Hand zu weisen wär's ja nicht, denn die letzten Anzeigen haben Leute getroffen, die ganz dezidiert in der Guttenberg-Affäre gegen den Freiherrn Stellung bezogen haben: Schavan und Lammert. Kann natürlich auch reiner Zufall sein.
4. Interessant, dass selbst in Kreisen...
ozenfant1 30.07.2013
Zitat von sysopDPANorbert Lammert wehrt sich gegen den Plagiatsvorwurf eines anonymen Bloggers. Der Bundestagspräsident hat die Uni Bochum um Prüfung gebeten und seine Doktorarbeit in voller Länge ins Netz gestellt. Welche Lehren aber sollte die Wissenschaft aus den vielen Verdachtsfällen ziehen? http://www.spiegel.de/unispiegel/studium/plagiatsvorwuerfe-gegen-lammert-wissenschaftliche-standards-a-913858.html
...der selbsternannten Plagiatsjäger die nun erhobenen Vorwürfe als "Witz" bezeichnet werden. Wenn man sich auf der lammertplagwordpress.com Seite mal ansieht, welche Kommentare der Plagiatsjäger zu seinen gefundenen Stellen gibt, dann bleibt im Prinzip nur übrig, dass es gewisse Zweifel gibt, ob der damalige Doktorand denn die von ihm zitierte Literatur wirklich auch von a bis z gelesen hat, oder nur überflogen hat oder vielleicht auch nur zitiert hat, ohne sie gelesen zu haben. Give me a break!! Was hier versucht wird, hat mit der Aufdeckung von wissenschaftlichem Fehlverhalten nichts, aber auch gar nichts zu tun. Vielmehr handelt es sich um Denunziatentum und Mobbing reinster Güte und ist demnach selbst zutiefst verdammenswürdig und jämmerlich. Der Plagiatsjäger weiss schon, weshalb er in der Anonymität bleibt, denn wenn sich die Vorwürfe als null und nichtig herausstellen sollten, dann würde man ihn hoffentlich dafür zur Rechenschaft ziehen, mit allen Konsequenzen. So aber kann man ja mal einen Versuchsballon starten, so nach dem Motto "mal sehen, was draus wird".
5. Mit offenem Visier
mpitt 30.07.2013
Zitat von sysopDPANorbert Lammert wehrt sich gegen den Plagiatsvorwurf eines anonymen Bloggers. Der Bundestagspräsident hat die Uni Bochum um Prüfung gebeten und seine Doktorarbeit in voller Länge ins Netz gestellt. Welche Lehren aber sollte die Wissenschaft aus den vielen Verdachtsfällen ziehen? http://www.spiegel.de/unispiegel/studium/plagiatsvorwuerfe-gegen-lammert-wissenschaftliche-standards-a-913858.html
Seit der Schavan-Geschichte zum was weiß ich wievielten Mal der gleiche Appell: Es muß grundsätzlich Schluß damit sein, daß anonymen Hinweisen überhaupt nachgegangen wird und es muß auch eine öffentliche Diskussion darüber geben, warum immer nur Vertreter von CDU, CSU oder FDP zu den Opfern dieses hinterfotzigen Schmierfinkentums zählen. Wenn mal ein grüner oder linker Doktortitel fällig wäre, würde zwar ein wenig empfundene Gerechtigkeit geschaffen, dies ändert jedoch nichts an der notwendigen Fundamentalkritik, was die Anonymität der Anwürfe angeht. Wer glaubt hier etwas aufdecken zu müssen, sollte dies mit offenem Visier tun und sich nicht feige im Netz verstecken.
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Wer hat dran herumgedoktert?
Plagiatjäger entlarvten Guttenberg als Copy-and-Paste-Akademiker. Seine Politikerkollegen promovierten über "Infektionen durch Entspannungsbäder" oder das "mittelniederländische Plenarium Ms. germ. 1612". Wer's war, erfahren Sie hier und werden so Quiz-Doktor im Doktor-Quiz!

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