32 Jahre alte Doktorarbeit: Anonymer Plagiatsvorwurf gegen Ministerin Schavan

Hat Bundesbildungsministerin Annette Schavan bei ihrer Doktorarbeit unsauber gearbeitet? Ein anonymer Blogger will "mutmaßliche Plagiate" in dem 32 Jahre alten Dokument entdeckt haben. Die CDU-Politikerin forderte den oder die Autoren auf, sich zu erkennen zu geben und mit ihr zu reden.

Ministerin Annette Schavan (CDU): Ziel eines anonymen Plagiatsvorwurfs Zur Großansicht
dapd

Ministerin Annette Schavan (CDU): Ziel eines anonymen Plagiatsvorwurfs

Berlin - Bundesbildungsministerin Annette Schavan (CDU) sieht sich mit einem anonymen Plagiatsvorwurf bezüglich ihrer Doktorarbeit aus dem Jahr 1980 konfrontiert.

Die Vorhaltungen der Internetseite schavanplag habe sie sich am Mittwoch angeschaut, sagte Schavan. Sie kündigte an, mit dem Urheber der Vorwürfe über ihre Doktorarbeit sprechen zu wollen. Noch sei aber völlig unklar, wer die Überprüfung ihrer Arbeit ins Netz stellte. "Mit Anonymität kann ich nicht umgehen", sagte Schavan, die in den siebziger Jahren Erziehungswissenschaften, Theologie und Philosophie in Bonn und Düsseldorf studierte. Schavan ist außerdem Honorarprofessorin für Katholische Theologie an der Freien Universität Berlin.

In dem Blog werden Stellen auf 56 Seiten der gut 350 Seiten starken Dissertation mit dem Titel "Person und Gewissen - Studien zu Voraussetzungen, Notwendigkeit und Erfordernissen heutiger Gewissensbildung" aufgeführt. Mit der Arbeit hatte Schavan vor 32 Jahren an der Universität Düsseldorf den Doktorgrad Dr. phil. im Fach Erziehungswissenschaften erlangt.

Schavan, 56, soll Quellen nicht immer ausreichend benannt haben, wirft ihr schavanplag vor. Der anonyme Autor erklärt seine Methodik wie folgt: "Ich habe die nicht oder nicht ausreichend kenntlich gemachten Passagen in zwei Kategorien eingeteilt: In Kategorie A finden sich die m.E. schwerwiegenderen Plagiate, in Kategorie B die nicht ganz so gravierenden."

Die Seite wurde offenbar am 7. April als Blog beim Anbieter Wordpress erstellt. Der älteste sichtbare Eintrag stammt vom 18. April. Die Blog-Seite weist keinen Urheber aus, anders als bei einer Web-Seite lässt er sich nicht einfach ermitteln. Eine Dokumentation der Recherchen bietet die Blog-Seite als pdf zum Herunterladen unter dem Titel "Dokumentation mutmaßlicher Plagiate in der Dissertation von Prof. Dr. Annette Schavan" an.

Als "besonders bemerkenswert" bezeichnen der oder die schavanplag-Blogger angebliche Fundstellen auf nur acht Seiten der Dissertation. Auf diesen Seiten soll Schavan paraphrasiert und unzureichend zitiert haben. Die Fußnoten, die der anonyme Blogger aus der Schavan-Dissertation zitiert, geben allerdings die korrekten Werke und die richtigen Seitenzahlen an.

Wie die Nachrichtenagentur dpa berichtet, war am Mittwochmorgen ein Fax ohne Kontakt- und Rückrufdaten mit einem Hinweis auf die Seite schavanplag bei der Agentur eingegangen, unterzeichnet von "Robert Schmidt". Ein Schavan-Sprecher teilte mit, dass sich die Promotionskommission der Universität Düsseldorf auf Bitten Schavans mit den Vorwürfen beschäftigen werde.

cht/son/dpa/dapd

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1.
eduardschulz 02.05.2012
Zitat von sysopdapdHat Bundesbildungsministerin Annette Schavan bei ihrer Doktorarbeit unsauber gearbeitet? Ein anonymer Blogger will "mutmaßliche Plagiate" in dem 32 Jahre alten Dokument entdeckt haben. Die CDU-Politikerin forderte den oder die Autoren auf, sich zu erkennen zu geben und mit ihr zu reden. http://www.spiegel.de/unispiegel/studium/0,1518,830929,00.html
Es scheint mittlerweile recht einfach zu sein, einen Artikel in einem einst renommierten Medienerzeugnis zu erhalten. An Schavans Stelle hätte ich hier den berühmten österreichischen Spruch: "Net amoi ignoriern!" angewandt.
2. ...
manta 02.05.2012
---Zitat--- Sie kündigte an, mit dem Urheber der Vorwürfe über ihre Doktorarbeit sprechen zu wollen. Noch sei aber völlig unklar, wer die Überprüfung ihrer Arbeit ins Netz stellte. "Mit Anonymität kann ich nicht umgehen", sagte Schavan ---Zitatende--- Vergleichbar als wenn ich 3 Leute in der Innenstadt erschieße, und dem Polizeiteam das mich dann zu Hause festnimmt als erstes die Frage nach dem Namen des Zeugen, welcher mich gesehen hat, stelle bevor ich irgendwas zugebe.
3.
TLR9 02.05.2012
Langsam wird es lächerlich! Manchmal habe ich den Eindruck, dass Leute, die keine Dissertation verfasst haben, glauben, dass sich Doktorarbeiten von selber schreiben. Im Jahr 1980 war "paste & copy" bestimmt nicht der Alltag. Die Arbeit wurde mit Sicherheit an einer Schreibmaschine verfasst. Mit dem Text, den man eingetippt hatte, hatte man sich noch beschäftigt.
4. optional
Moritz_h 02.05.2012
Bevor wieder gleich einige loswettern...in dubio pro reo. Es ist ihr noch nichts nachgewiesen und in diesem Fall erscheint mir das ganze sehr zweifelhaft. Insbesondere sollte man anonyme Anschuldigungen nicht ernst meinen. Wer sich nicht zu seinen Vorwürfen bekennt, kann sich ja selbst nicht wirklich sicher dabei sein.
5.
rainer_daeschler 02.05.2012
Zitat von mantaVergleichbar als wenn ich 3 Leute in der Innenstadt erschieße, und dem Polizeiteam das mich dann zu Hause festnimmt als erstes die Frage nach dem Namen des Zeugen, welcher mich gesehen hat, stelle bevor ich irgendwas zugebe.
Eine berechtigte Frage, denn Sie könnten den Zeugen mundtot machen (Übung haben Sie ja), bevor er seine Aussage vor Gericht machen kann. So weit würde man beim Thema Doktorarbeiten wohl nicht gehen, doch je nach Position des Betreffenden (öffentlicher Dienst, Zugehörigkeit zu einer Hochschule), ließe sich prüfen, welche Form von Druck man ausüben könnte. Letztendlich ist aber die Prüfung der Universität maßgeblich, welche die Untersuchungsergebnisse des Plagiatsentdeckers nachvollziehen kann, oder auch nicht. Mehr als ein "Bedanken" kann also bei dem Wunsch nach persönlichem Kontakt nicht herauskommen.
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