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Plagiatsvorwurf gegen Ministerin: Schavans Doktorarbeit "problematisch"

Annette Schavan, Bundesbildungsministerin unter Plagiatsverdacht, erhält Hilfe von unerwarteter Seite: Das Plagiatsjäger-Netzwerk VroniPlag erklärt, man habe die Arbeit bereits vor Wochen untersucht. Die Arbeit sei zwar "problematisch", aber kein Plagiat.

Bildungsministerin Schavan (CDU): "Mit Anonymität kann ich nicht umgehen" Zur Großansicht
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Bildungsministerin Schavan (CDU): "Mit Anonymität kann ich nicht umgehen"

Berlin - Die Doktorarbeit von Bundesbildungsministerin Annette Schavan (CDU) ist bereits zuvor von Plagiatsjägern auf unsauber zitierte Stellen überprüft worden. Die Überprüfer gaben ihre Untersuchung allerdings aus Mangel an echten Plagiaten auf.

Die Berliner Plagiatsforscherin Debora Weber-Wulff sagte, die Arbeit wurde von Mitstreitern auf VroniPlag "schon vor Monaten" untersucht. "Es gibt sehr problematische Stellen", sagte die Professorin für Medieninformatik an der Hochschule für Technik und Wirtschaft in Berlin. "Es hatte aber nicht die Güteklasse eines Guttenberg." Deswegen habe sich "die Mehrheit bei VroniPlag" entschieden, mit der Arbeit und den Ergebnissen der Überprüfung nicht an die Öffentlichkeit zu gehen.

Der oder die Macher der Internetseite schavanplag hatten am Mittwochmorgen Schavans Dissertation attackiert und der Ministerin vorgeworfen, unsauber zitiert zu haben. In dem anonymen Blog werden Stellen auf 56 Seiten der gut 350 Seiten starken Dissertation mit dem Titel "Person und Gewissen - Studien zu Voraussetzungen, Notwendigkeit und Erfordernissen heutiger Gewissensbildung" aufgeführt. Mit der Arbeit hatte Schavan vor 32 Jahren an der Universität Düsseldorf den Doktorgrad Dr. phil. im Fach Erziehungswissenschaften erlangt. Seit 2005 ist die stellvertretende CDU-Bundesvorsitzende Bundesbildungsministerin, zuvor war sie Kultusministerin in Baden-Württemberg.

Mehrheitsentscheidung gegen eine Veröffentlichung

Sie habe sich die Vorhaltungen von schavanplag am Mittwoch angeschaut, sagte die Ministerin. Sie kündigte an, mit dem Urheber der Vorwürfe über ihre Doktorarbeit sprechen zu wollen. Noch sei aber völlig unklar, wer die Überprüfung ihrer Arbeit ins Netz stellte. "Mit Anonymität kann ich nicht umgehen", sagte Schavan, die in den siebziger Jahren Erziehungswissenschaften, Theologie und Philosophie in Bonn und Düsseldorf studierte. Die 56-Jährige ist außerdem Honorarprofessorin für Katholische Theologie an der Freien Universität Berlin.

In der Doktorarbeit seien Quellen nicht immer ausreichend benannt, heißt es auf schavanplag. Der anonyme Autor erklärt seine Methodik wie folgt: "Ich habe die nicht oder nicht ausreichend kenntlich gemachten Passagen in zwei Kategorien eingeteilt: In Kategorie A finden sich die m.E. schwerwiegenderen Plagiate, in Kategorie B die nicht ganz so gravierenden."

Das Blog wurde offenbar am 7. April erstellt. Der älteste sichtbare Eintrag stammt vom 18. April. Laut Nachrichtenagentur dpa war im Büro der Agentur am Mittwochmorgen ein Fax ohne Kontakt- und Rückrufdaten mit einem Hinweis auf die Seite schavanplag eingegangen.

Als "besonders bemerkenswert" bezeichnen der oder die schavanplag-Blogger Fundstellen auf acht Seiten der Dissertation. Auf diesen Seiten soll Schavan paraphrasiert und unzureichend zitiert haben. Außerdem habe sie Passagen aus Sekundärquellen zitiert, in den Fußnoten aber suggeriert, die jeweilige Originalquelle benutzt zu haben.

Steckt hinter schavanplag ein enttäuschtes Mitglied von VroniPlag?

Weber-Wulff hält es für möglich, dass jemand die früheren Analysen von VroniPlag kopiert und nun in dem Blog veröffentlicht habe. Die Diskussion über die Arbeit ist auf Unterseiten von VroniPlag weiterhin einsehbar. Wie bei VroniPlag üblich, sind die Fragmente mit den Initialen des intern Plagiatsverdächtigen abgespeichert, in diesem Fall "As". Viele der dort aufgeführten Stellen decken sich mit denen auf der neu erstellten schavanplag-Seite.

Die Universität Düsseldorf teilte mit, die Vorwürfe prüfen zu wollen. Der Vorsitzende der Promotionskommission der Philosophischen Fakultät sei bereits verständigt. "Das Gremium wird in den nächsten Wochen seine Arbeit aufnehmen", sagte ein Hochschulsprecher. Das sei in einem solchen Fall das übliche Verfahren und entspreche auch der Bitte von Annette Schavan, teilte die Uni mit.

fln/cht/son/dpa/dapd/AFP

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1. Alle kritischen Kommentare auf schavanplag sind weg
elcycinu 02.05.2012
verschwunden! Auch habe ich folgendes versucht bei schavanplag zu posten (Kommentarfuntion deaktiviert!) \begin quote Liebe Freunde, schade diesen schavanplag nicht auf den üblichen Wikiplagg- Seiten zu finden ist, da dort wenigstens eine Person als Hoster der genannten Seite zur Verfügung steht. Wollte nur anmerken, dass dieser BLOG sich auf dem selben Server befindet wie die Webseite der griechischen Rechtsextremisten von der "Goldenen Moorgenröte." Ich möchte nicht einen direkten Zusammenhang vermuten, jedoch anmerken warum es nicht möglich ist die oben genannten normalen Wikiplagg Seiten zu verwenden. Das anonymisierte Benutzen eine US- Servers hat einen komischen Beigeschmack beim Betrachten dieser Seite. Bei bei der Dokumentation geht nicht hervor wie oft die mutmaßlichen Stellen von verschiedenen Mitgliedern des Schwarms geprüft worden sind. Einfach alle mutmaßlichen Plagiate schon als Plagiate zu verkaufen entspricht nicht der mir sonst bekannten Methodik. Beste Grüße aus Deutschland Elcycinu(Ger) \end quote best E.
2. optional
Moritz_h 02.05.2012
"Weber-Wulff hält es für möglich, dass jemand die früheren Analysen von VroniPlag kopiert und nun in dem Blog veröffentlicht habe." Jetzt brauchen wir noch ein schavanplagplag, das die Plagiate beim Suchen von Plagiaten aufdeckt.
3. unsere arme Elite
bratherigjan 02.05.2012
Das gerade unsere Bildungsministerin plagiiert haben soll, vermag ich nicht zu glauben! unsere arme Elite, es mangelt an Respekt ihr gegenüber! Am Ende glaubt man ihr nicht mehr oder nimmt sie nicht ernst, das darf nun nicht sein!
4. ...
Newspeak 02.05.2012
"Mit Anonymität kann ich nicht umgehen", sagte Schavan, Was für eine armselige Aussage für jemand mit einem Doktortitel. Falls sie es noch nicht wissen, Frau Schavan, ihre Doktorarbeit ist öffentlich, die Veröffentlichung ist Teil des Promotionsverfahrens und damit ist es völlig irrelevant, wer die Vorwürfe vorbringt. Das jetzt als erstes zu betonen, ist ein Ablenkungsmanöver, es tut einfach nichts zur Sache. Die Arbeit ist öffentlich, die Quellen sind öffentlich, ein Vergleich ist völlig objektiv, ohne Ansehen der Person, des Autors wie des Kritikers, möglich. Gerade das zeichnet wissenschaftliche Arbeiten aus. Wenn man das als Bildungsministerin nicht weiß, na dann... Ganz abgesehen davon, daß Frau Schavan sich als Berufspolitikerin exponiert, freiwillig, als öffentliche Person. Wo ist also das Problem mit der Anonymität ihres Gegenübers. SIE geniesst die Privilegien, die ihr durch diese Rolle zukommen, doch auch, ohne zu fragen, wieso. Also muß sie auch mit der anderen Seite leben, daß sie kritisiert wird, ohne zu wissen, von wem. Jedenfalls wäre das die professionelle Variante.
5. Seltsam
karinkapturak 02.05.2012
Was hat die Identität des Bloggers mit dem Inhalt der Dr.Arbeit zu tun? Wieso meint Fr."Dr:" Schavan, die Quellen irgend jemand erklären zu sollen? Sehr seltsames Verständnis von wissenschaftlicher Arbeit und Netzkultur.
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