Politiker gegen Wissenschaftler: Knatsch bei Elite-Auswahl

Regionalpolitischer Proporz oder Auswahl nach Leistung? Um diese beiden Prinzipien der Mittelverteilung stritten Politiker und Wissenschaftler bei der Entscheidung zur Exzellenzinitiative. Die Klage der Politiker: Sie seien bei der Kür außen vor geblieben.

Bei der abschließenden Sitzung in Bonn zur Auswahl der Sieger in der ersten Runde der Exzelleninitiative gab es schwere Meinungsverschiedenheiten zwischen Wissenschaftlern und Politikern. Das erfuhr SPIEGEL ONLINE aus Kreisen der Kommission. Die Politiker bemängelten, ihnen sei bei der Entscheidungsfindung nicht genügend Mitsprache eingeräumt worden. Sie verließen deshalb sogar zeitweilig den Sitzungssaal.

Dem Bewilligungsausschuss gehören Bundesforschungsministerin Annette Schavan (CDU), die 16 Wissenschaftsminister der Länder sowie die 26 wissenschaftlichen Mitglieder der gemeinsamen Kommission von Deutscher Forschungsgemeinschaft (DFG) und Wissenschaftsrat an.

In der prestigeträchtigen dritten Förderlinie wurden vorerst nur die TU München, die LMU München und die Universität Karlsruhe ausgewählt. Auch die Universität Freiburg war nominiert, sie scheiterte aber an der Anforderung, dass eine Elite-Uni auch ein so genanntes "Exzellenz-Cluster" haben müsse.

Bundesbildungsministerin Annette Schavan (CDU) versuchte auf der Pressekonferenz, die Wogen zu glätten: "Es hat keinen Eklat gegeben. Wenn in einem so stark wettbewerblich orientierten Verfahren ein solches Ergebnis in einem überschaubaren Zeitraum zustande kommt, ist das an sich schon bemerkenswert. An einer einzigen Stelle hat es heute morgen Debatten gegeben, es sind aber keine Minister ausgezogen, sondern die Wissenschaft und die Politik für sich mussten noch einmal klären, was Sache ist", so die Bundesbildungsministerin.

Laut Schavan fand keine "Sachdebatte über die vorliegenden Vorschläge der Wissenschaft statt, weil die Struktur der vorgeschlagenen Liste ausschließlich eindeutige, also in der Wissenschaft einstimmig zustande gekommene Vorschläge enthielt. Zweifelsfälle wurden nicht vorgelegt." Der Wissenschaftsminister von Rheinland-Pfalz, Jürgen Zöllner, sagte: "Wir sollten das Votum der Wissenschaftler akzeptieren, weil wir sonst das Verfahren beschädigen." Seine Kollege aus Baden-Württemberg, Peter Frankenberg, sagt: "Wir haben uns nicht den Wissenschaftlern gebeugt, sondern der Exzellenz der Anträge."

Die Wissenschaftler hatten sich in langen Sitzungen auf die zu fördernden Kandidaten geeinigt – allein nach wissenschaftlichen Gesichtspunkten. Ihre Vorlage ließ dem regionalpolitischen Gestaltungsbedürfnis der Politiker offenbar zu wenig Raum. Die drei ausgewählten Elite-Universitäten sind allesamt in Süddeutschland angesiedelt, außerdem erhalten die technischen Fächer durch die Wahl von TU München und Universität Karlsruhe ein starkes Übergewicht. Auch bei den beiden anderen Förderlinien gibt es ein regionalpolitisches Ungleichgewicht.

Dabei war die Vormachtstellung der süddeutschen Hochschulen schon in der Vorauswahl absehbar: Baden-Württemberg hatte gleich vier Kandidaten im Rennen, Bayern drei. In fast allen Hochschulrankings spiegelt sich diese Verteilung, zuletzt im DFG-Forschungsranking, bei dem die LMU München den ersten Platz belegte.

jaf

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