Prämierter Abschluss-Film: Kölner Absolvent holt Studenten-Oscar in Hollywood

Bei den Studenten-Oscars haben Absolventen deutscher Hochschulen einen guten Lauf - jetzt räumt Reto Caffi von der Kölner Medienhochschule ab. Für seinen Abschlussfilm "Auf der Strecke" erhält er den begehrten "Student Academy Award". SPIEGEL ONLINE hat mit dem Gewinner gesprochen.

Langsam darf er sich in "good old Germany" zu Hause fühlen: Erneut geht der internationale Studenten-Oscar nach Deutschland. Der 36-jährige Reto Caffi setzte sich mit seinem Film "Auf der Strecke" gegen Konkurrenten aus Tschechien, Spanien, Israel und Slowenien durch, wie die Academy of Motion Picture Arts and Sciences am Donnerstag in Los Angeles mitteilte.

Caffi hatte die Kunsthochschule für Medien Köln (KHM) absolviert und den prämierten Film als Abschlussarbeit für sein Studium angefertigt. Bereits vor zwei Tagen traf die Mail der Akademie in seinem Postfach ein - "inzwischen kann ich wieder atmen", sagte er am Donnerstagabend im Gespräch mit SPIEGEL ONLINE. Caffi erhält die begehrte Auszeichnung am 7. Juni. Sein halbstündiger Spielfilm war als einziger deutscher Beitrag für den "Besten ausländischen Studentenfilm 2008" nominiert. Neben einer Goldmedaille ist die Auszeichnung mit 5000 Dollar dotiert.

In "Auf der Strecke" geht es um einen Kaufhausdetektiv, der heimlich ein Auge auf eine Verkäuferin geworfen hat. Regelmäßig beobachtet er sie über das Videoüberwachungssystem und folgt ihr abends auf dem Weg zum Zug. Als er Zeuge wird, wie ein vermeintlicher Nebenbuhler Opfer einer Gewalttat wird, greift er nicht ein. Vom schlechten Gewissen zerfressen, bricht sein bisher geordnetes Leben zusammen.

"Wir wollten eine Geschichte über Schuld machen", eine unmögliche Liebesgeschichte, in der sich jemand schuldig macht - nicht vorrangig im juristischen, sondern im moralischen Sinn", so Reto Caffi. "Das Thema Zivilcourage spricht jeden Zuschauer direkt an. Deshalb haben wir auch einen Fall gewählt, bei dem der Zuschauer sofort überlegen kann, wie er reagiert hätte."

Preisträger Caffi: "Inzwischen kann ich wieder atmen"
DPA

Preisträger Caffi: "Inzwischen kann ich wieder atmen"

Fünf Finalisten standen in der Endrunde um den Studenten-Oscar, nachdem die besten Werke von 45 Kandidaten aus 29 Ländern ausgewählt worden waren. Für "Auf der Strecke" hatte Caffi nach Angaben der KHM bereits zuvor mehrere Preise erhalten. Unter anderem bekam er Anfang April den "Best Student"-Award beim Filmfestival in Aspen (US- Staat Colorado) und im Januar den Großen Preis der Jury beim Kurzfilmfestival in Clermont-Ferrand (Frankreich).

Reto Caffi, der in Zürich geboren wurde, studierte von 1990 bis 1998 Englische Literatur an der Universität Fribourg. Anschließend arbeitete er als Film- und Kulturjournalist in der Schweiz. 2004 begann er an der KHM in Köln sein Postgraduiertenstudium mit dem Schwerpunkt Regie und Drehbuch.

Den Seitenwechsel bereut der frischgebackene Oscar-Preisträger nicht: "Ich habe mich immer für die Filmemacherei interessiert. Sicher ist die journalistische Arbeit auch reizvoll, aber ich habe immer den inneren Wunsch verspürt, selbst Filme zu machen", sagte Caffi SPIEGEL ONLINE. "Manchmal habe ich mich dann schon auf der falschen Seite gefühlt, wenn ich derjenige war, der die Filmemacher interviewen musste."

Also bewarb er sich an der Kunsthochschule für Medien Köln - und wird nun, vier Jahre später, seinen ersten "Academy Award" in den Händen halten. Preisverdächtig ist der Nachwuchs-Regisseur jedoch nicht erst seit der Entscheidung der Oscar-Jury: Seine Kurzfilme wurden nach KHM-Angaben bisher mit mehr als 30 Preisen ausgezeichnet.

Im vergangenen Jahr hatte der deutsche Nachwuchsregisseur Toke Constantin Hebbeln von der Filmakademie Baden-Württemberg für seinen Film "Nimmermeer" den Studenten-Oscar gewonnen. Neben Hebbeln waren zahlreiche andere deutsche Filmstudenten im Hollywoods Studenten-Oscar für den besten ausländischen Kurzfilm stark vertreten. Gleich vier der fünf Finalisten kamen aus Deutschland - und die begehrte Trophäe holte sich der 28-Jährige aus Schleswig-Holstein.. 2003 siegte Florian Baxmeyer, der inzwischen auch einen "Tatort"-Krimi gedreht hat.

Die Liste der deutschen Studenten-Oscar-Gewinner wächst also ständig:

  • 2007: Toke Constantin Hebbeln (Berlin) für "Nimmermeer"
  • 2005: Ulrike Grote (Hamburg) für "Der Ausreißer"
  • 2003: Florian Baxmeyer (Hamburg) für "Die rote Jacke"
  • 2000: Florian Gallenberger (München) für "Quiero ser"
  • 1999: Marc-Andreas Bochert (Potsdam) für "Kleingeld"
  • 1998: Thorsten Schmidt (Filmakademie Baden-Württemberg) für "Rochade"
  • 1997: Raymond Boy (Köln) für "Ein einfacher Auftrag"
  • 1994: Katja von Garnier (München) für "Abgeschminkt"
  • 1988: Wolfgang Becker (Berlin) für "Schmetterlinge"

Für viele Preisträger ist der "Student Academy Award" das Sprungbrett zum ganz großen Durchbruch: Bereits 37 Mal wurden Gewinner des Studentenpreises später für den "großen" Oscar nominiert. Deshalb will auch Reto Caffi weiter die Oscar-Jury auf sich aufmerksam machen. Ob der nächste Film schon geplant ist? "Es wird ein längeres Projekt werden", verrät Caffi SPIEGEL ONLINE - "eine Tragikomödie, nah am Leben, alles andere als aberwitzig."

wie/dpa

Diesen Artikel...
  • Aus Datenschutzgründen wird Ihre IP-Adresse nur dann gespeichert, wenn Sie angemeldeter und eingeloggter Facebook-Nutzer sind. Wenn Sie mehr zum Thema Datenschutz wissen wollen, klicken Sie auf das i.
  • Auf anderen Social Networks teilen

News verfolgen

HilfeLassen Sie sich mit kostenlosen Diensten auf dem Laufenden halten:

alles aus der Rubrik UniSPIEGEL
Twitter | RSS
alles aus der Rubrik Studium
RSS

© SPIEGEL ONLINE 2008
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH



  • Drucken Senden
  • Nutzungsrechte Feedback
Fotostrecke
Studenten-Oscars: Die Abräumer