Zitat des Tages: "Wir müssen weg von Mickymaus-Promotionen"

Externe Doktoranden schaffen es selten, die Wissenschaft voranzubringen, sagt Potsdams Uni-Chef Oliver Günther. Auch könne jemand, der nebenberuflich promoviert, seine Gutachter leichter täuschen. Günther reagiert damit auf einen prominenten Plagiatsfall an seiner Hochschule.

Schluss, aus, Mickymaus: Uni-Präsident Oliver Günther will keine "Hobby-Doktoranden" Zur Großansicht
dapd

Schluss, aus, Mickymaus: Uni-Präsident Oliver Günther will keine "Hobby-Doktoranden"

"Ich habe nie nebenberufliche Doktoranden angenommen und ich würde es auch keinem meiner Kollegen empfehlen. Nebenberuflich neue Erkenntnisse zu erarbeiten, gelingt nur wenigen. Wenn jemand extern promoviert, dann findet die Arbeit außerhalb des Radius des Betreuers statt, da sind die Täuschungsmöglichkeiten größer. Ich bin über Fälle wie Guttenberg in gewisser Weise froh, weil dadurch das Problem in die Öffentlichkeit gerückt wurde. Wir müssen weg von diesen Mickymaus-Promotionen."

Oliver Günther, Präsident der Universität Potsdam, über die Konsequenz aus der Plagiatsaffäre um den Berliner CDU-Fraktionschef Florian Graf. Der hatte zugegeben, die Hochschule in Potsdam getäuscht zu haben - und in der vergangenen Woche seinen Doktortitel verloren.

In einem Interview mit der Berliner Zeitung sprach sich der Präsident der Uni Potsdam Günther dafür aus, dass nur noch Personen promovieren sollten, "die ein echtes wissenschaftliches Interesse erkennen lassen".

Dem Tagesspiegel sagte der Uni-Präsident unter Verweis auf die vielen Plagiatsaffären von Politikern: "Hobby-Doktoranden ohne wirkliches wissenschaftliches Interesse sollten einfach gar nicht mehr promovieren." Er warb für einen standardmäßigen Einsatz von Plagiats-Software bei allen Masterarbeiten und Promotionen.

Der Promotionsausschuss der Wirtschafts- und Sozialwissenschaftlichen Fakultät der Uni Potsdam hatte dem 38-jährigen CDU-Politiker Florian Graf seinen Doktortitel aberkannt. Graf hatte die Hochschule selbst darum gebeten. Er gab zu, aus fremden Quellen abgeschrieben zu haben.

Graf hatte seine Dissertation über die Berliner CDU geschrieben und im Dezember 2010 dafür den Doktorgrad erhalten. Der Titel der Arbeit lautete: "Der Entwicklungsprozess einer Oppositionspartei nach dem abrupten Ende langjähriger Regierungsverantwortung". Er habe an einigen Stellen wissenschaftlich nicht fehlerfrei gearbeitet habe, sagte Graf.

jon

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1. Gelogen, getäuscht ... die eigene Partei glaubts
MKasp 07.05.2012
Ich halte es für einen Trick, diese "Sperre", die Graf über seine eigenen "Arbeit" hat verhängen lassen. Ich halte es für völlig verlogen, wenn er - wie Gutti seinerzeit - um Rücknahme der Promotion "bittet", denn es blieb ihm offenbar nichts anderes übrig, weil die Uni sie ihm so oder so aberkannt hätte. Ich halte es für eine verlogene Formulierung, wenn er zur Begründung schreibt, er hätte "seinen eigenen Ansprüchen nicht genügt". Er hat mit Sicherheit seinen Ansprüchen genügt, sonst hätte er es ja nicht getan, aber er hat den Ansprüchen der Universität an eine Dissertation nicht genügt. Und denen an einen moralisch handelnden Menschen: So einer täuscht nämlich nicht, schon gar nicht seinen Doktorvater. Mannoman ...
2. Am falschen Ende aufgezäumt...
adam68161 07.05.2012
hat der gute Mann das Problem. Richtig. Plagiate sind unanständig, Schlampereien ärgerlich. Aber es gibt auch auf vielen Gebieten, auf denen externe Doktoranden arbeiten, wissenschaftlichen Fortschritt, der im (wohldotierten!) Elfenbeinturm der Universität nicht gewonnen werden kann. Der Mann macht es sich doch sehr einfach: er reduziert die zeitaufwendige und mühselige Doktorandenbetreuung. Sein stattliches Gehalt bezieht er trotzdem in unveränderter Höhe weiter. Keine Instanz kann ihn zu Arbeiten verpflichten, die an sich zu seinem Berufsbild gehören. "Eigene" Instituts- bzw. Lehrstuhlassistenten kann man auch viel besser und länger ausnutzen, z.B. für eigene Forschungsprojekte (Vorbereitung eigener Veröffentlichungen), Lehrveranstaltungen, Korrekturen und allerlei zusätzliche private Dinge. Da sie zudem von ihm wirtschaftlich abhängig sind, müssen sie sich wohl oder übel in diese Phase der Leibeigenschaft fügen. Dieses "Zitat des Tages" mag zwar gefällig reisserisch aufgemacht sein. Inhaltlich ist es das Papier nicht wert, auf dem es verfasst wurde.
3. Das wahre Problem sind die Unis
dago_d 07.05.2012
Die Armee von vollzeit arbeitenden aber 1/4 TV-L bezahlten Doktoranden schreibt die Doktorarbeit auch "nebenberuflich". Das Knechten als Dauerdozent und persönlicher Professorensklave ist kein bisschen weniger belastend als der Durchschnittsjob eines externen Doktoranden. Das Problem ist ein anderes - die Unis schaffen es einfach nicht, ordentliche Doktorandenprogramme aufzulegen. Mit verpflichtenden Kursen und echten Klausuren. Mit einer echten Ausbildung zum Wissenschaftler. Darum könnte sich auch ein Uni-Präsident mal kümmern. Schafft endlich die Lehrstuhl-Doktoranden ab!
4. .
TS_Alien 07.05.2012
Vielleicht habe ich ein anderes Verständnis von einem Doktoranden. Bereits als Diplomand hat man gezeigt, dass man wissenschaftlich arbeiten kann, unter Anleitung und mit einer intensiven Betreuung. Ein guter Doktorand muss nicht mehr ständig betreut werden. Als Doktorand hat man wesentlich mehr Freiheiten. Man wählt sich teilweise sogar die Forschungsrichtung aus (natürlich passend zum Lehrstuhl), plant seine Forschungsarbeiten, ... . Man hält den betreuenden Prof. auf dem Laufenden, diskutiert mit ihm und nimmt Ratschläge an. Sicherlich nicht jede Woche. Einmal im Monat reicht auch. Sonst kommt man gar nicht zum Forschen. Die Fächer mit den grösstenteils lächerlichen Promotionen sind bekannt. Zumindest für Eingeweihte. Wenn man sich von diesen Pseudo-Doktoren abheben möchte, kann man seinen Doktorgrad-Zusatz verwenden. Wobei echte Doktoren keinen Wert auf die Nennung ihres Doktorgrades legen. Wofür auch?
5.
Hermes75 07.05.2012
Zitat von sysopdapdExterne Doktoranden schaffen es selten, die Wissenschaft voranzubringen, sagt Potsdams Uni-Chef Oliver Günther. Auch könne jemand, der nebenberuflich promoviert, seine Gutachter leichter täuschen. Günther reagiert damit auf einen prominenten Plagiatsfall an seiner Hochschule. http://www.spiegel.de/unispiegel/studium/0,1518,831818,00.html
Es sollte wohl eher heißen "Wir müssen weg von Promotionen die ausschließlich zur Förderung der eigenen (nicht-wissenschaftlichen) Karriere dienen." Doktorarbeiten sollen eigentlich zeigen, dass eine Person zum selbstständigen wissenschaftlichen Arbeiten fähig ist. Statt dessen nutzen aber viele Leute die Promotion als Vehikel für die eigene Karriere oder zur Aufpolsterung des eigenen Egos. Vielleicht sollte man die Möglichkeit zur Promtion auf solche Leute beschränken, die auch wirklich wissenschaftlich arbeiten?
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