Praktikanten-Rechte: Linkspartei will Gesetze statt Ehrenkodex

Hoffnung für die "Generation Praktikum": Oppositionsparteien forderten heute im Bundestag Zeitbegrenzungen für Praktika, faire Aufwandsentschädigungen und feste Betreuer. Doch wie bringt man Unternehmen dazu, sich auch an die Regeln zu halten?

Berlin – Linkspartei und Bündnis 90/Die Grünen forderten heute im Bundestag gesetzliche Änderungen, um Praktikanten besser vor Ausbeutung und "Schein-Praktika" zu schützen. Nachdem kürzlich eine Petition des Deutschen Gewerkschaftsbundes über 60.000 Unterzeichner fand, wurden die Rechte der "Generation Praktikum" nun erstmals im Bundestag verhandelt.

Praktikantenprotest im April 2006 in Berlin: Faire Verträge statt Schein-Praktika
DDP

Praktikantenprotest im April 2006 in Berlin: Faire Verträge statt Schein-Praktika

"Grundsätzlich ist in allen Fraktionen eine Sensibilität für die Probleme der Praktikanten vorhanden", sagte Nele Hirsch, bildungspolitische Sprecherin der Linkspartei, im Anschluss an die Debatte zu SPIEGEL ONLINE. Die Regierungsparteien versprachen, ein Forum zur Zufriedenheit von Praktikanten einzurichten und sich stärker um die Initiative "Fair Company" zu kümmern – eine Art Ehrenkodex von Unternehmen, die sich gegen die Ausbeutung von Praktikanten stark machen.

Der Antrag von Bündnis 90/Die Grünen plädiert für eine verbesserte Integration von Praktika in Studienordnungen und eine zeitliche Begrenzung auf maximal vier Monate. Damit soll verhindert werden, dass ein "Schein-Praktikant" im Unternehmen eine Vollzeitstelle ersetzt. Für die Arbeitgeber sollen diese Empfehlungen dabei freiwillig sein.

Dieser Ansatz geht der Linkspartei nicht weit genug. "Es wird nichts bringen, wenn wir nur auf eine freiwillige Selbstverpflichtung der Unternehmen setzen", sagte Hirsch. "Schutz entsteht nur, wenn auch gesetzliche Regelungen getroffen werden."

Mindestlöhne und Betreuungsgarantie

Die Linkspartei fordert, Praktika generell nur als Teil des Studiums zuzulassen. Für Arbeitnehmer, die eine abgeschlossene Ausbildung oder ein Diplom vorweisen können, soll es dagegen nur noch reguläre Arbeitsverhältnisse mit tariflich geregelter Vergütung geben. Eine Änderung des Berufsausbildungsgesetzes (BBIG) soll dies gewährleisten. In ihrer Rede vor dem Bundestag sprach sich Hirsch für verbindliche Praktika-Richtlinien, die eine Vergütung vorschreiben, sowie garantierte Betreuung aus.

Beide heute gestellten Anträge greifen Punkte einer Petition des DGB vom 17. Oktober 2006 auf. Darin forderte Silvia Helbig vom DGB Bundesvorstand, Praktika mit mindestens 300 Euro pro Monat zu vergüten und in jedem Fall einen Betreuer zur Verfügung zu stellen. Über 60.000 Unterzeichner unterstützten die Petition. Noch gibt es jedoch keinen Termin für eine Anhörung vor dem Petitionsausschuss.

Auch Helbig kritisierte, dass der Antrag von Bündnis 90/Die Grünen zu sehr auf Freiwilligkeit setzt. "Es ist notwendig, die Rechte der Praktikanten auch durch Gesetze zu schützen", sagte Helbig zu SPIEGEL ONLINE. Sie sei aber froh, dass das Thema nun auf der Agenda des Bundestages steht und hoffe, dass nun auch die Regierungsparteien das Thema stärker aufgreifen.

sto

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