Prestigeprojekt gescheitert: VW nimmt Abschied von der AutoUni

Mit der AutoUni hatte der Volkswagen-Konzern große Pläne und pumpte rund 90 Millionen Euro in das Projekt, das eine echte Universität werden sollte. Nun tritt VW heftig auf die Bremse - am Ende bleibt nur eine Fortbildungsstätte für Führungskräfte.

Wolfsburg - Die Ziele waren ausgesprochen ehrgeizig, von der AutoUni versprach sich VW weltweiten Glanz: Im Leitbild wird sie beschrieben als "global agierende, international anerkannte, wissenschaftliche Einrichtung der Volkswagen Aktiengesellschaft, die durch Forschung und Lehre anwendungsbezogenes Wissen auf höchstem Niveau ins Unternehmen holt, erzeugt und vermittelt". Sie entwickle im Netzwerk aus internationalen Forschungseinrichtungen und Hochschulen eigene Inhalte, die in Forschungs- und Lehrprogramme einfließen", heißt es im "Mission Statement" weiter. Drei Fakultäten sollten entstehen, neben Technologie und Wirtschaftswissenschaften auch Geistes- und Sozialwissenschaften: eine echte Universität also, kein firmeninterner Seminarbetrieb.

Als Leitgolf holte das Unternehmen Walther Zimmerli. Der 2002 berufene Gründungspräsident sollte kluge Köpfe aus aller Welt ins beschauliche Wolfsburg lotsen - renommierte Professoren und 4000 Studenten. Die Agenda in Forschung und Lehre: Nachhaltigkeit, Mobilität, Dienstleistung, Führung, Gesundheit. Geplant waren Studiengänge mit dem Masterabschluss für Führungskräfte.

Ein strammes Programm - doch daraus wurde nicht viel. Wie das manager magazin in seiner aktuellen Ausgabe berichtet, wird die Elite-Akademie herabgestuft zur Weiterbildungsstätte für VW-Mitarbeiter. Personalvorstand Horst Neumann dampfe die AutoUni konsequent ein und erkläre alle akademischen Ambitionen für beendet, weil sich VW jetzt "auf seine Kernaufgaben konzentrieren" müsse.

"Marschtempo ein wenig verlangsamt"

Vier Jahre nach der Präsentation des Konzepts im Herbst 2002 hat die AutoUni laut manager magazin noch keinen Hochschulabschluss vergeben, kein nennenswertes Forschungsergebnis veröffentlicht. Die drei Fakultäten wurden wieder aufgelöst. Man habe damit auf die schwierige Lage des Hauptsponsors Volkswagen reagiert "und das Marschtempo ein wenig verlangsamt", so Zimmerli im manager magazin.

Ziemlich schönfärberisch - man könnte auch sagen: Da ist ein Prestigeprojekt mit Karacho gegen die Wand gefahren. Immerhin wurden 40 Millionen für die ersten fünf Jahre des Betriebs bereitgestellt, weitere 50 Millionen Euro gingen in den spektakulären Neubau "MobileLifeCampus", für den sich allerdings auswärtige Mieter nicht finden ließen. Die Wolfsburg AG, ein Joint Venture der Stadt Wolfsburg und des VW-Konzerns, will das schmucke Gebäude komplett dem Autohersteller überschreiben; über den Preis verhandelt man noch.

Für Gründungspräsident Zimmerli bedeutet die Abwicklung der AutoUni: zurück nach Hessen. Er war bis 1999 Philosophie-Ordinarius an der Uni Marburg und anschließend Präsident der privaten Universität Witten Herdecke, bevor er 2002 nach Wolfsburg wechselte. In Marburg ist Walther Zimmerli bis Ende März 2007 beurlaubt und hat als Rückkehrer wieder Anspruch auf die Professorenbezüge. Wie manager magazin berichtet, ist an der Marburger Uni derzeit allerdings keine geeignete Planstelle frei. Zimmerlis Nachfolge an der dann geschrumpften AutoUni soll der Entwicklungsingenieur Peter Tropschuh werden, der von Audi kommt.

jol

Diesen Artikel...
Aus Datenschutzgründen wird Ihre IP-Adresse nur dann gespeichert, wenn Sie angemeldeter und eingeloggter Facebook-Nutzer sind. Wenn Sie mehr zum Thema Datenschutz wissen wollen, klicken Sie auf das i.

Auf anderen Social Networks teilen

  • Xing
  • LinkedIn
  • Tumblr
  • studiVZ meinVZ schülerVZ
  • deli.cio.us
  • Digg
  • reddit
News verfolgen

HilfeLassen Sie sich mit kostenlosen Diensten auf dem Laufenden halten:

alles aus der Rubrik UniSPIEGEL
Twitter | RSS
alles aus der Rubrik Studium
RSS

© SPIEGEL ONLINE 2006
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH

SPIEGEL ONLINE Schließen


  • Drucken Versenden
  • Nutzungsrechte Feedback
  • Zur Startseite
Fotostrecke
Wolfsburger AutoUni: Gegen die Wand