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Programme im Test: Software zur Plagiatssuche taugt nichts

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Angeblicher Plagiator Steinmeier: Experten warnen davor, sich auf Software zu verlassen

Wie verlässlich ist Software zur Erkennung von Plagiaten? Im Prinzip sind alle gängigen Programme wenig hilfreich, wie eine Testreihe von Experten ergeben hat. Wer Schummler finden will, muss sich weitaus mehr Arbeit machen.

Ein bisschen ist es mit Programmen zur Plagiatssuche wie mit Lügendetektoren: Wir würden gern glauben, dass sie zuverlässig arbeiten und exakte Ergebnisse liefern. Aber das tun sie nicht. Höchstens Abschreiber oder eben Lügner, die sich ganz dumm anstellen, lassen sich technisch halbwegs überführen.

Meist jedoch liefern viele Programme, die Plagiate in wissenschaftlichen Arbeiten aufspüren sollen, bloß Hinweise auf verdächtige Textstellen - sie sind allenfalls teilweise zu gebrauchen. So manche Software ist schlicht nutzlos.

Das sind die Ergebnisse einer Testreihe von Debora Weber-Wulff, Professorin für Medieninformatik an der Fachhochschule für Technik und Wirtschaft in Berlin. Gemeinsam mit ihrem Team hat sie 28 Programme getestet, nur 15 hielten überhaupt allen Anforderungen stand. Die Tester vergeben kein "sehr gut" und kein "gut". Nur drei Programme erwiesen sich als "teilweise nützlich", waren allerdings nicht ganz leicht zu bedienen. Die Ergebnisse bestätigen im wesentlichen ähnliche Untersuchungen aus den vergangenen Jahren. (Zusammenfassung des Berichts in deutscher Sprache)

Mühevolle Kleinarbeit bei Vroniplag

Weber-Wulff zählt zu den führenden Plagiatsexperten des Landes und engagiert sich auch auf der Seite VroniPlag. Die Aktivisten dort haben unter anderem die Doktorarbeiten von Politikern wie Silvana Koch-Mehrin, Jorgo Chatzimarkakis und Margarita Mathiopoulos untersucht.

Anders als Weber-Wulff bleiben viele der Plagiatsjäger anonym, von ihnen erfährt man allenfalls ihr Pseudonym. Einige von ihnen leisten in mühevoller Kleinarbeit das, was viele kommerzielle Programme nur vorgeben: Plagiate nachweisen und nachvollziehbar dokumentieren. Bei den Aktivisten im Netz ist der Einsatz von Software nur einer von vielen Arbeitsschritten - zuvor wird Primärliteratur herangeschafft, gescannt, durchgesehen. Nach einem Textvergleich mit Hilfe selbstgeschriebener Software schauen sie sich jede Verdachtsstelle einzeln an, beurteilen sie - und lassen das Ergebnis von einem Mitstreiter gegenchecken.

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Plagiatssuche-Software im Test: So schneiden die Programme ab
Für ihren nun durchgeführten Test wurden Weber-Wulff und ihre Mitarbeiter zunächst selbst zu Plagiatoren: Sie produzierten 20 neue Testfälle; sie arbeiteten unter anderem mit Wikipedia-Einträgen, mit Übersetzungen, zum Teil änderten sie die Originalquelle sogar gar nicht.

Richtig gut umgehen konnte kein Programm mit den Testfällen, auch wenn sie zum Teil auch Plagiate entdeckten. Auf zwei Probleme weist Weber-Wulff in ihrer Studie nachdrücklich hin, weil sie "katastrophale Folgen" haben können:

  • Da sind zum einen die übersehenen tatsächlichen Plagiate, weil die Programme beispielsweise standardmäßig nur einen Teil einer Arbeit überprüfen oder - und das scheint das größere Problem - die benutzten Quellen, aus denen abgeschrieben wurde, online nicht frei verfügbar sind.
  • Und da sind zum anderen Plagiatsmeldungen, etwa wenn ein Programm alltägliche Formulierungen wie "Es wird vermutet, dass sich" als abgeschrieben ausweist. Letzteres, sagte Weber-Wulff, sei viel schlimmer, "weil wir so einen Studenten als Plagiator abstempeln".

Steinmeier ein Plagiator?

Genau das könnte SPD-Fraktionschef Frank-Walter Steinmeier passiert sein: Auch ihn will eine Software des Plagiats überführt haben. Ende September berichtete der "Focus" von den Vorwürfen, Urheber der Anschuldigungen ist der BWL-Professor Uwe Kamenz und sein Programm ProfNet. Diesmal wurde diese Software nicht erneut untersucht, 2010 urteilte Weber-Wulff allerdings damals: "nicht berauschend". In diesem Jahr nahm die Professorin nur neue Programme auf oder jene, die sich schon in früheren Tests als einigermaßen brauchbar erwiesen.

Und brauchbar scheint ProfNet nach wie vor nicht zu sein: So sagte der Bremer Jura-Proffessor Andreas Fischer-Lescano, der als erster Plagiate in der Promotion von Karl-Theodor zu Guttenberg (CSU) entdeckt hatte, zu "Süddeutsche.de": "Das ist kein Plagiat, das sind weitgehend übliche Paraphrasierungsformen mit einigen Unsauberkeiten im Detail." Sein Fazit zum ProfNet-Bericht: "unseriös". Auch Hajo Funke, Professor am renommierten Otto-Suhr-Institut der Freien Universität Berlin, urteilte nach Analyse des Berichts: "Die Vorwürfe entbehren jeder Grundlage. Die angeblichen Plagiate sind gar keine. Die Software ist nutzlos."

Trotz aller Kritik träumen Universitäten von der perfekten Software: "Dozenten wünschen sich eine Art Lackmustest", sagt Weber-Wulff. Ein Programm, das abgeschriebene Arbeiten rot einfärbt und saubere grün. Schnell und zuverlässig wie ein chemischer Test. Aber das werde eine Plagiatssoftware wohl nie leisten können, sagt Weber-Wulff. Vielmehr werde ein Programm immer nur Indizien liefern.

Deswegen empfiehlt das Team um Weber-Wulff Universitäten auch, sich bei der Plagiatsabwehr nicht auf ein System zu verlassen. Zudem sollten Hochschulen eine Art Servicestelle zur Plagiatserkennung einrichten, beispielweise in Bibliotheken oder Rechenzentren. Das dortige Personal würde sich mit den Problemen und den Programmen auskennen und könnte Prüfern bei der Arbeit helfen.

Vor allem aber plädiert Debora Weber-Wulff dafür, Studenten und Wissenschaftler frühzeitig für gute wissenschaftliche Praxis zu sensibilisieren. Denn wenn ein Student von Anfang an lernt, wie er korrekt wissenschaftlich arbeitet, dann dürften sich die Plagiatsfälle an Hochschulen wohl von selbst reduzieren. Ganz ohne Lügendetektor.

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1. Die Testreihe dieser "Experten" taugen nichts
blob123y 07.10.2013
Zitat von sysopDPAWie verlässlich ist Software zur Erkennung von Plagiaten? Im Prinzip sind alle gängigen Programme wenig hilfreich, wie eine Testreihe von Experten ergeben hat. Wer Schummler finden will, muss sich weitaus mehr Arbeit machen. http://www.spiegel.de/unispiegel/studium/programme-im-test-software-zur-suche-von-plagiaten-taugt-nichts-a-926158.html
und deshalb sind das nur "Quassler", warum? Ich benutze seit ueber einen Jahr Copyscape und habe damit schon ueber 500 Seiten gefunden die von meinen Webseiten illegal kopiert wurden. Das ist noetig da Google Kopien nicht vom Original unterscheiden kein, die koennten wenn sie wollten aber denen ist das alles egal. Nur das Problem dieser Unverantwortlichkeit ist dann meines, den oft knallten die meine Seite reaus und die Kopie bleibt drinnen, ergo das Spuerprogram funktioniert.
2.
Pororoca 07.10.2013
Zitat von blob123yund deshalb sind das nur "Quassler", warum? Ich benutze seit ueber einen Jahr Copyscape und habe damit schon ueber 500 Seiten gefunden die von meinen Webseiten illegal kopiert wurden. Das ist noetig da Google Kopien nicht vom Original unterscheiden kein, die koennten wenn sie wollten aber denen ist das alles egal. Nur das Problem dieser Unverantwortlichkeit ist dann meines, den oft knallten die meine Seite reaus und die Kopie bleibt drinnen, ergo das Spuerprogram funktioniert.
Copyscape funktioniert, weil der Suchraum, der durchforstet wird, frei verfügbar und ohne weiteres maschinell erfassbar ist (und zudem die Erkennung von 1:1 Kopien dann nun wirklich keine große Kunst ist). Bei wissenschaftlichen Plagiaten ist die Lage aber durchaus komplizierter. was Sie dem Artikel auch hätten entnehmen können. Erstens sind eine Vielzahl der zitierten Quellen nicht frei verfügbar (soll heißen: wenn man das PDF haben will muss man eben ein paar Scheine hinblättern). Und zweitens sind auch nicht annähernd alle Quellen maschinell erfassbar bzw. erfasst. Man denke nur an Guttenberg und seine plagiierten Zeitungsartikel. Die Lage ist also durchaus komplexer als es sich mit ihren Webseiten verhält.
3. Ach, der
kappesstepp 07.10.2013
"oder - und das scheint das größere Problem - die benutzten Quellen, aus denen abgeschrieben wurde, online nicht frei verfügbar sind." und da kommt man jetzt drauf? Mit solcher Software fängt man die Dümmsten und sonst niemanden. Abschreiben aus alten Quellen (zugegeben - in Naturwissenschaften nicht recht zielführend) fliegt niemals auf, es sei denn, jemand *erkennt* das (in kleinen Fächern durchaus möglich, aber eben nur dem menschlichen Gehirn). In Ungarn ist ein prominenter Politiker überführt worden, weil er seine Arbeit ganz oder teilweise aus dem Französischen übersetzt hat. Wer ungarische Akademiker kennt, weiß, dass die alle bemerkenswert vielsprachig sind - dort konnte das auch auffliegen. Hier bei uns (und schon gar, wenn man auf teures aber nutzloses IT-Spielzeug setzt), findet man jemanden, der so täuscht *in tausend Jahren nicht*. Wer eine Fremdsprache kann (eine mehr als schlechtes Englisch meine ich), kann abschreiben nach Herzenslust, das wird niemals nie nicht auffliegen. Solche Software ist raugeschmissenes Geld. Und wenn ich wirklich täuschen will, dann besorge ich mir solche SW selbst und schaue, ob man mich mit online findbaren Texten überführen kann, 1:0 für mich. Wie gesagt, die Dümmsten mag man so fangen, aber sonst niemanden.
4. kommt drauf an
tybnc 07.10.2013
Es kommt sehr darauf an, was fuer Plagiate erkannt werden sollen. Natuerlich kann eine Standard software nicht alles finden was irgendwo mal geschrieben wurde. Ich benutze seit Jahren fuer Arbeiten die meine Studenten einreichen Turnitin und SafeAssign/Blackboard. Beides funktioniert wunderbar um Studenten das "copy - paste" abzugewoehnen.
5. Achtung Schüler
Gottloser 07.10.2013
Bei Euch reicht schon Google aus, um Plagiate zu finden. Dort wo ihr was gefunden habt, findet es auch Euer Lehrer. Wenn er gut ist, schneller als ihr. Seit es sich herumgesprochen hat, dass bei meiner Frau jeder Plagiator eine 6 bekam, weil eben die Plagiate innerhalb von 5 Sekunden gefunden wurden, hat das nachgelassen. Die Leute schreiben nun ihre Texte wieder selbst. Alles war nur eine Frage von Google und den erwei9terten Suchfunktionen. Was es war, das verrate ich Euch nicht, aber es war verdammt einfach, um den Einfältigen auf die Spur zu kommen.
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