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Prozess gegen Jura-Professor: Anklage wegen Bestechlichkeit

Ein Jura-Professor aus Hannover steht wegen Bestechlichkeit in 78 Fällen vor Gericht. Der "Doktormacher" soll Juristen aus ganz Deutschland gegen Bezahlung zur Promotion verholfen haben. Außerdem gab's für Sex gute Noten. Der Prozess wurde unterbrochen.

Thomas A. war Professor für bürgerliches Recht und internationales Privatrecht an der Leibniz-Universität Hannover. Vor mehr als drei Jahren begann die Staatsanwaltschaft, gegen ihn zu ermitteln. Nun muss sich der "Doktormacher" vor dem Landgericht Hildesheim verantworten. Der Vorwurf: Bestechlichkeit in 78 Fällen. Thomas A. soll einen schwunghaften Handel mit Doktorarbeiten betrieben haben - indem er Juristen, die nicht über die nötigen Voraussetzungen verfügten, zu einer Promotion verhalf. Dafür kassierte er angeblich jeweils 4100 Euro.

Uni Hannover: Jura-Professor angeklagt
DPA

Uni Hannover: Jura-Professor angeklagt

Am Vormittag begann der Prozess vor dem Landgericht Hildesheim mit der Verlesung der 46 Seiten langen Anklageschrift. Die Verhandlung wurde jedoch unterbrochen, ein Verteidiger hatte sich über die Besetzung des Gerichts beschwert und die Zuständigkeit der Wirtschaftskammer des Landgerichts infrage gestellt. Der Prozess soll kommende Woche fortgesetzt werden.

Insgesamt sind 17 Verhandlungstage angesetzt. Seit September des vergangenen Jahres sitzt der 53-Jährige in Untersuchungshaft.

Laut Anklageschrift hätten fast alle Juristen nicht über die Examensnote "voll befriedigend" verfügt, die für eine Promotion notwendig sei. Zwar habe der Hochschullehrer einen Ermessensspielraum - er konnte also Ausnahme von dieser Regel machen - doch er habe sich in seinen Entscheidungen von den finanziellen Zuwendungen leiten lassen.

Zudem soll der Professor Studentinnen gegen Sex gute Noten gegeben und eine von ihnen als studentische Hilfskraft an seinem Lehrstuhl beschäftigt haben. Eine 30 Jahre alte Studentin muss sich deshalb ebenfalls vor Gericht verantworten. Thomas A. soll sie als studentische Hilfskraft beschäftigt und in Klausuren zu gut benotet haben. "Wesentlicher Grund für Notengebung und Anstellung ist die sexuelle Hingabe der Angeklagten gewesen", sagte Oberstaatsanwalt Rainer Gundlach bei der Verlesung der Anklageschrift.

Ursprünglich war noch eine weitere Studentin mitangeklagt. Gegen eine Zahlung von 1800 Euro sei das Verfahren gegen sie jedoch eingestellt worden.

Vor Gericht verantworten muss sich auch der 52 Jahre alte geschäftsführende Gesellschafter einer Promotionsvermittlung aus Bergisch Gladbach. Von ihm soll Thomas A. über Jahre hinweg insgesamt 184.000 Euro dafür kassiert haben, dass er dessen Klienten zum Doktortitel führte.

kat/mer/dpa/AP

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