Publizier-Bilanz der Exzellenzinitiative: Ich veröffentliche, also bin ich Elite-Uni

Von Bernhard Mittermaier

Was haben die Elite-Unis mit den Millionen aus der Exzellenzinitiative erreicht? Das Hochschulmagazin "duz" hat sich auf die Suche nach den Publikations-Meistern gemacht und ausgewertet, wer wie viel veröffentlicht hat. Weit vorne liegt Heidelberg: Die Uni steigerte ihren Output um 63 Prozent.

Zwischenbilanz: Wie viel die Elite-Unis veröffentlichen
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ESM Berlin

Bund und Länder haben 2005 die Exzellenzinitiative gestartet, um "den Wissenschaftsstandort Deutschland nachhaltig zu stärken, seine internationale Wettbewerbsfähigkeit zu verbessern und Spitzen im Universitäts- und Wissenschaftsbereich sichtbarer zu machen". So steht es in der Präambel der Exzellenzvereinbarung. Zwischen 2006 und 2011 standen dafür 1,9 Milliarden Euro und damit eine Summe bereit, die größer ist als der Jahresetat der gesamten Max-Planck-Gesellschaft. Sind die Exzellenzmilliarden in den vergangenen Jahren gut angelegt worden?

Dieser Frage sollte die Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG) nachgehen und gemeinsam mit dem Wissenschaftsrat einen Bericht über die nach diesem Programm durchgeführten Vorhaben erstellen. Der 2008 vorgelegte Bericht trägt klar den Charakter einer Zwischenbilanz, in dem vor allem das Auswahl und Entscheidungsverfahren sowie die angestoßenen Initiativen und Prozesse dargestellt werden.

Der Bericht gibt Empfehlungen für die Weiterentwicklung der Exzellenzinitiative, ist aber nur in Ansätzen in der Lage, die tatsächlichen Auswirkungen der Förderung quantitativ zu erfassen. Wie könnte das erfolgen? In Interviews mit den Sprecherinnen und Sprechern der Exzellenzcluster sind die Zahl der Publikationen, Drittmitteleinnahmen und die Verstetigung der geschaffenen Strukturen als Erfolgsindikatoren identifiziert. Für die Förderlinie "Zukunftskonzepte" sind derartige Kennwerte nicht benannt und erst recht nicht erhoben und ausgewertet worden.

Elite-Unis können nicht auf Bestandsschutz hoffen

Insgesamt neun Universitäten sind in den bisherigen zwei Entscheidungsrunden in diese Förderlinie aufgenommen worden: Die Rheinisch-Westfälische Technische Hochschule Aachen (RWTH), die Freie Universität Berlin, die Universitäten in Freiburg, Göttingen, Heidelberg, Karlsruhe, Konstanz sowie die Ludwig-Maximilians-Universität (LMU) und die Technische Universität München können sich derzeit mit dem Titel Exzellenzuniversität schmücken. Ob das auch nach den im Juni 2012 anstehenden Entscheidungen zur Exzellenzinitiative der Fall sein wird, ist ungewiss. Neben den bestehenden neun Exzellenzuniversitäten können sieben weitere Universitäten auf die Millionen aus der Eliteförderung rechnen, die sich zwischen 2012 und 2017 auf jährlich 142 Millionen Euro belaufen. Maximal zwölf Universitäten werden am Ende über die Förderlinie Geld erhalten. Es gibt also keinen "Bestandsschutz".

Gerade für die dritte Förderlinie, die in besonderem Maße dem Ziel der Sichtbarmachung von Spitzenforschung verpflichtet ist, bietet sich die Zahl der Publikationen als ein möglicher Erfolgsindikator an. Die Erhebung von Publikationen hat sich weltweit als Kriterium für erfolgreiche wissenschaftliche Arbeit durchgesetzt. Zu beachten ist dabei allerdings, dass die Zahl der Publikationen stets nur ein Indikator unter mehreren sein sollte. Dennoch bildet deren Erhebung zumindest den Einstieg in die quantitative Evaluation.

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insgesamt 26 Beiträge
luzifer26 05.09.2011
Und wie schauts in der Lehre aus? Schon länger ist eine reale Mehrgewichtung der Forschung, sowohl für die Karriere der Forscher, die öffentliche Wahrnehmung und Anerkennung etc. gegenüber der Lehre festzustellen. Die auch [...]
Und wie schauts in der Lehre aus? Schon länger ist eine reale Mehrgewichtung der Forschung, sowohl für die Karriere der Forscher, die öffentliche Wahrnehmung und Anerkennung etc. gegenüber der Lehre festzustellen. Die auch gesetzlich verankerte Gleichberechtigung von Forschung und Lehre gilt nicht (mehr). Indikatoren, wie die Zahl der Veröffentlichungen bestätigen und Verstärken durch mediale Präsenz diesen Umstand. Wo bleiben Indikatoren für eine gute Lehre? Wie wird der Forschernachwuchs ausgebildet? Ohne eine solide Ausbildung der Studis, Doktoranden etc. siehts auf lange Sicht nicht gerade super aus für die deutschen Unis. Das Thema Lehre sollte man in Deutschland nicht zu stiefmütterlich behandeln!
jan_nebendahl 05.09.2011
Die Anzahl der Publikationen darf nicht das ausschließliche Kriterium für den "Erfolg" der Spitzenforschung sein. Nicht jeder veröffentlichte Aufsatz ist von gleicher Relevanz. Es wäre wohl angeraten, auch die Anzahl von [...]
Die Anzahl der Publikationen darf nicht das ausschließliche Kriterium für den "Erfolg" der Spitzenforschung sein. Nicht jeder veröffentlichte Aufsatz ist von gleicher Relevanz. Es wäre wohl angeraten, auch die Anzahl von Zitaten in anderen Aufsätzen mit einfliessen zu lassen, zum Beispiel über den relative citation impact index.
egoipse11 05.09.2011
Zwei Aspekte der Daten aus diesem Beitrags lassen doch sehr zu wünschen übrig; und stellen auch die Analysebereitschaft des Autors ein wenig in Frage. Zum einen ist doch beachtlich, dass allein die Kurve der LMU München für das [...]
Zwei Aspekte der Daten aus diesem Beitrags lassen doch sehr zu wünschen übrig; und stellen auch die Analysebereitschaft des Autors ein wenig in Frage. Zum einen ist doch beachtlich, dass allein die Kurve der LMU München für das Jahr nach dem Förderbeginn einen leichten Knick vorzuweisen hat. Alle anderen sogenannten Exzellenzuniversitäten haben einfach ihre schon vor der Finanzierung erreichten Zuwachsraten fortgesetzt. Mit anderen Worten: man bekommt den Eindruck, dass die vielen Millionen bestenfalls den Status gesichert haben. Um das zu prüfen, wäre es (zum anderen) interessant, die Kurven der sog. Exzellenzuniversitäten mit denen anderer deutscher Hochschulen zu vergleichen. Der Vergleich mit den Zuwachsraten an den anderen Unis legt nahe, dass insgesamt einfach in den letzten Jahren der output gestiegen ist. Dass Bibliometrie in der Tat kaum über die tatsächliche Forschungsqualität Aussagen treffen kann, ist eine andere Geschichte: auf die mangelnde Abdeckung bestimmter Fachbereiche wurde bereits verwiesen. Bei Zitationsindixes ist die Problematik ja teils noch viel eklatanter.
horch 05.09.2011
Sorry, aber den wissenschaftlichen Output einer Uni rein an der Anzahl der Publikationen messen zu wollen ist schlichtweg Unsinn. Zu These 1: Eine (!) Publikation in einer absoluten Top-Zeitschrift wie Science oder Nature ist [...]
Sorry, aber den wissenschaftlichen Output einer Uni rein an der Anzahl der Publikationen messen zu wollen ist schlichtweg Unsinn. Zu These 1: Eine (!) Publikation in einer absoluten Top-Zeitschrift wie Science oder Nature ist mehr wert, als 50 Publikationen in irgendwelchen Wald und Wiesenblättern. Zu These 2: Wenn man nur anhand der Anzahl von Publikationen bewertet wird...verhällt man sich entsprechend und publiziert halt nur noch auf Masse (Wissenschaftler sind ja nich blöde). Die Qualität der Universität nimmt dadurch aber eher ab als zu (!) und gute Wissenschaftler, die um ihrer Karriere willen auf ihre Publikationsliste achten werden von solchen Publikationsbedingungen langfristig abgeschreckt... Zu These 3: Das ist banal............... Schade, diese "Analyse" hätte man journalistisch ruhig mal kritisch angehen können, aber stattdessen.........
MasterMurks 05.09.2011
Hach, immer wieder der gleiche Quark: Die Qualität einer Hochschule wird in der Quantität ihrer Veröffentlichungen gemessen. Wenn da nun in 80 % der Aufsätze festgestellt wird, dass Wasser nass ist und im Rest Ergebnisse [...]
Hach, immer wieder der gleiche Quark: Die Qualität einer Hochschule wird in der Quantität ihrer Veröffentlichungen gemessen. Wenn da nun in 80 % der Aufsätze festgestellt wird, dass Wasser nass ist und im Rest Ergebnisse publiziert werden, die (zumindest in den Naturwissenschaften) nicht im Ansatz reproduzierbar sind, dann haben wir ganz fix chinesische Verhältnisse. Die kloppen auch Aufsatz nach Aufsatz raus, aber reproduzierbar ist davon (fast) nichts! Ging mir so, und ich habe noch von keinem was anderes gehört. Was ich sagen will: Studenten sind immer gegen alles, also kann man deren Umfragen nicht trauen, die Industrie behauptet immer alle wären zu alt und zu schlecht ausgebildet, also deren auch nicht, und die Anzahl der Publikationen ist etwa so aussagekräftig wie die Durchschnittstelefonnummer von Köln. Man sollte also mehr als nur einen Indikator für die Qualitätsbeurteilung von Hochschulen heranziehen.
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  • Montag, 05.09.2011 – 09:14 Uhr
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Zum Autor
  • Bernhard Mittermaier ist Leiter der Zentralbibliothek im Forschungszentrum Jülich. Geboren 1968 in Dillingen, studierte Mittermaier Chemie an der Universität Ulm, wo er 2001 in Analytischer Chemie promoviert wurde.

    Im Januar 2002 ging er als wissenschaftlicher Assistent ans Forschungszentrum Jülich. Gut zwei Jahre später wurde Mittermaier Leiter des Fachbereichs Benutzerservice der Zentralbibliothek und absolvierte das postgraduale Fernstudium Bibliotheks und Informationswissenschaft an der Berliner Humboldt-Universiät. Bernhard Mittermaier leitet die Zentralbibliothek seit Oktober 2008.

Insgesamt 2,7 Milliarden Euro stellen Bund und Länder von 2012 bis 2017 für die Exzellenzinitiative bereit.

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