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Klausuren und Hausarbeiten: Neun Rezepte gegen die schlimmsten Prüfungsfehler

Von Daniel Kastner

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Student beim Lernen: Was soll ich nur tun? Wo fange ich an?

Das Semesterende naht - Tests, Klausuren, Hausarbeiten stehen an. Die schlimmsten Fehler machen Studenten nicht erst während der Prüfung, sondern vorher, wenn sie büffeln. Was tun gegen Aufschieben, Trägheit, Panik?

Der Wecker klingelt um 6 Uhr, nach vier Stunden Schlaf, unter dem Kopfkissen liegen noch "Genetik 2" oder "Slowakische Verbtabellen". Wir schlurfen in die Küche, brühen Kaffee auf und beugen uns anschließend wieder über den Prüfungsstoff, schlingen nebenbei ein Snickers runter, verfeinert mit abgekauten Fingernägeln, doch wir können uns nicht konzentrieren.

Zu lustig sind neuerdings die Posts entfernter Facebook-Freunde, zu dringend müsste man mal hinterm Kühlschrank putzen, gerade jetzt. Die Zeit rennt, schon wieder sind zwei Stunden verschwunden, der Kommilitone ist schon viel weiter, vielleicht lasse ich die Prüfung besser sausen.

Kommt Ihnen das bekannt vor? Beschreibt es Ihr derzeitiges Leben? Sollten Sie nicht lernen, statt bei SPIEGEL ONLINE herumzusurfen? Die gute Nachricht: Sie können Ihr Lern-Leben angenehmer gestalten - mit dem richtigen Zeitmanagement, schlauer Ernährung, dem richtigen Maß an Pausen, Ablenkung und Bewegung.

Die schlechte Nachricht: Lernen müssen Sie trotzdem. Aber es hilft, wenn Sie diese Fehler vermeiden...

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Fehler 1: Zeitmissmanagement - Don't stop thinking about tomorrow

"Ich habe so lange ein Motivationsproblem, bis ich ein Zeitproblem habe" - den Satz können viele Studenten unterschreiben.

Drei Tage vor der Abschlussprüfung erstmals in die Bücher schauen? Sie können sich denken, wie gut das funktioniert. Nicht nur, dass Sie dann wirklich kaum noch etwas lernen - Hektik und Panik blockieren Sie zusätzlich.

So banal es klingt: Fangen Sie früh genug an. Und fassen Sie Ihre Unterlagen am Tag vor der Prüfung nicht mehr an. "Dann ist die Anspannung bereits so groß, dass Sie nichts Vernünftiges mehr lernen", sagt Eberhardt Hofmann, der Diplom-Psychologe, der ein Buch über effizientes Lernstrategien geschrieben hat. Mögliche Folgen: Verwirrung, Frust und Panik.

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Fehler 2: Viel hilft viel. Nicht. - I just can't get enough

Manche Studenten stellen sich den Wecker mitten in der Nacht und lernen bis tief in die nächste. Im Gedächtnis hängen bleibt aber nicht viel.

"Es ist ein Irrtum zu glauben, dass viel Input zu viel Output führt", sagt Eberhardt Hofmann. Drei Stunden lernen am Tag können reichen - wenn Sie ein paar Regeln beachten:

  • Trennen Sie die Lernphasen strikt vom Rest Ihres Lebens. Räumen Sie Ihren Schreibtisch von allem frei, was nichts mit dem Lernen zu tun hat.
  • Errichten Sie eine Brandmauer rund um die Lerneinheit, führen Sie ein Ritual ein. "Spielen Sie zum Beispiel immer ein bestimmtes Musikstück, um sich einzustimmen", rät Hofmann.
  • Gehen Sie für die Dauer einer Lerneinheit offline und befassen Sie sich konsequent und konzentriert 30 bis 45 Minuten lang nur mit einem Thema. "Das bringt mehr, als stundenlang in Büchern zu blättern oder zu googeln", sagt Hofmann.

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Fehler 3: Falsch prokrastinieren - Push it

Ihren Lernerfolg machen Sie zuverlässig zunichte, wenn Sie sofort die nächste Lerneinheit anschließen - im schlimmsten Fall auch noch mit ähnlichem Stoff: Mathe nach Physik, Französisch nach Spanisch. Dann überlappen sich die Lerninhalte, und keiner kann sich festigen. "Interferenz" nennen Psychologen das Phänomen und schätzen, dass es für 85 Prozent des vergessenen Lernstoffs verantwortlich ist.

Machen Sie nach jeder Lerneinheit eine Pause. Tun Sie etwas, das mit dem Lernstoff nichts zu tun hat: Gehen Sie spazieren, kaufen Sie ein, räumen Sie den Kleiderschrank auf. So kann sich das Gelernte im Gehirn absetzen. Den besten Festigungseffekt erzielen Sie übrigens mit dem, was Sie kurz vor dem Zubettgehen lernen - sofern Sie im Bett nicht noch fernsehen. Interferenz, Sie erinnern sich?

Wenn Sie zu den Leuten gehören, denen mitten im Physikum auffällt, wie dreckig die Fenster sind: Geben Sie der Ablenkung nach - aber ziehen Sie sie auch konsequent durch. Umso konzentrierter können Sie danach lernen.

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Fehler 4: Vergessen zu essen - Hungry eyes

Morgens nur mit einem Kaffee im Magen an den Schreibtisch - das fühlt sich vielleicht angemessen elend an für die Prüfungsphase. Es ist aber nicht besonders effektiv. Denn das Gehirn braucht Zucker, um auf Touren zu kommen. Konzentration, Aufnahmefähigkeit und Gedächtnis hängen davon ab.

Auch wenn es schwerfällt: Frühstücken Sie, am besten Müsli mit frischem Obst - so banal es klingt. "Die Kohlenhydrate in den Haferflocken wandelt der Körper erst mit Verzögerung in Zucker um und schickt ihn konstant und über einen längeren Zeitraum in die Blutbahn", sagt die Ernährungswissenschaftlerin Andrea Flemmer.

Mittags empfiehlt sie eine eiweißhaltige Mahlzeit, zum Beispiel Fisch mit Pellkartoffeln oder einen griechischen Salat mit Oliven und Feta. "Das hilft beim Munterbleiben, und man entgeht dem Suppenkoma." Plant man eine Nachtschicht, kann man die Eiweiß-Mahlzeit abends wiederholen, ansonsten macht eine Portion Nudeln mit Gemüsesoße angenehm müde.

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Fehler 5: Zucker im Tank - Bitter sweet symphony

Müsli mümmeln? Obst schnippeln? Dauert viel zu lange, sagen gestresste Lerner und greifen lieber zum Schokoriegel. Manche Hersteller werben damit, dass ihre Riegel schnell Energie liefern.

Das stimmt sogar - aber die hält nicht lange vor. "Der Zuckerspiegel steigt dann sofort steil an", sagt Andrea Flemmer - Zuckerarten wie Glukose und Dextrose sind in den Riegeln reichlich enthalten und landen schnell in der Blutbahn. Genauso steil fällt die Zuckerkurve danach aber wieder ab - manchmal sogar unter das Niveau vor der Riegel-Einfuhr. Zwar kann man das Zucker-Niveau mit Süßigkeiten oben halten - und das Ergebnis zeitnah auf der Hüfte besichtigen.

Besser, Sie decken sich mit Trockenfrüchten ein, denn die enthalten sogenannte komplexe Kohlenhydrate. Die muss der Körper erst einmal knacken, ehe er sie als Zucker verwerten kann - dann aber halten sie länger vor. Als Zusatzsnack eignen sich Erdnüsse, die mit Inhaltsstoffen wie Lysin oder Isoleucin unsere Denkleistung ankurbeln.

Trockenobst und Erdnüsse? Das klingt nach Studentenfutter? Eben.

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Fehler 6: Nicht flüssig sein - No milk today

Wer stundenlang über den Büchern brütet, vergisst schnell, ausreichend zu trinken. Wer aber austrocknet, verblödet - das ist nichts Neues. In Zahlen: "Die geistige Leistungsfähigkeit nimmt bereits bei einem Flüssigkeitsverlust von zwei Prozent des Körpergewichts ab", schreibt Ernährungsexpertin Flemmer in ihrem Buch "Nervennahrung".

Das ist nicht viel, erst recht nicht, wenn man bedenkt, dass man täglich etwa eineinhalb Liter Flüssigkeit trinken soll. Ein 70 Kilo schwerer Student kann also schon ab 1400 Millilitern Wasserverlust nicht mehr klar denken, eine 60 Kilo schwere Studentin schon ab 1200.

Und was bitte soll man trinken? "Am besten wäre wohl Wasser", sagt Andrea Flemmer. Auch Schorlen gehen für sie in Ordnung, eins zu eins verdünnt oder noch wässriger. "In puren Säften ist viel zu viel Zucker." Und Kaffee, ohne den ja morgens oft gar nichts geht? "Der Körper gewöhnt sich ans Koffein", sagt Andrea Flemmer. "Wenn Sie täglich Kaffee trinken, spüren Sie keine Wirkung mehr."

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Fehler 7: Bitte nicht entspannen - Relax, don't do it

Entspannt in die Prüfung? "Das ist Humbug", sagt Psychologe Hofmann - mal abgesehen davon, dass das gar nicht geht. "Und wenn es ginge, wäre es leistungshemmend." Psychologen bemühen hier gern das Yerkes-Dodson-Gesetz, das vereinfacht gesagt das Verhältnis zwischen Stress und Leistung beschreibt. Die zugehörige Leistungskurve zwischen totaler Entspannung und maximaler Anspannung sieht aus wie ein umgekehrtes U. Wir sind also dann am leistungsfähigsten, wenn wir mittel-gestresst sind. In Hofmanns Worten: "Ein mittlerer Anspannungsgrad ermöglicht den Zugriff auf das Gelernte."

"Tief durchatmen" soll bei der Entspannung ebenfalls helfen, gerade wenn man schon in der Prüfung sitzt. Das kann es auch, wenn die Atemtechnik stimmt: Intuitiv würde man vor allem tief einatmen - damit erhöht man aber den Sauerstoffgehalt im Blut und eben auch Ihre Aktivität. "Eigentlich müsste es heißen: tief ausatmen", sagt Hofmann - den Sauerstoffgehalt also senken und insgesamt die Atemfrequenz verlangsamen. Was natürlich nicht heißt, dass Sie die Luft anhalten sollen, bis Sie ohnmächtig vom Stuhl kippen.

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Fehler 8: Die Panik spricht Hochdeutsch - Imagine all the people

Nichts blockiert Sie effektiver als die Angst durchzufallen. Wenn der Gedanke "Ich schaffe diese Prüfung sowieso nicht" alles übertönt, was Sie sich anlesen wollen, empfiehlt Eberhardt Hofmann, sich den Stressgedanken buchstäblich vorzunehmen: "Überlegen Sie sich, wer diesen Satz sagt: Sie oder jemand anderes? Ein Mann oder eine Frau? Kommt er von vorn, von oben, von hinten, ist er laut oder leise?"

Und dann können Sie ihm den Schrecken nehmen, indem Sie sich vorstellen, wie er wohl auf Sächsisch, Schwäbisch oder Kölsch klänge. Oder wenn ihn jemand sänge. Oder wenn Ihr Lieblingsfeind ihn sagte.

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Fehler 9: Gruppentherapie - You and I

Manche Lerngruppen sind reine Zeitverschwendung: Der Gruppenstreber lässt alle anderen alt aussehen, der Unsichere missbraucht die Gruppe als Jammerforum, und der Schmarotzer kommt völlig unvorbereitet und hofft, dass die Gruppe ihm das Lernen abnimmt.

"Die Lerngruppe ist dann gut, wenn man dort rekapitulieren kann, was man gelernt hat", sagt Eberhardt Hofmann. Heißt: Alle sollten dasselbe gelernt haben und dann vortragen, was sie wissen. "Wenn es Lücken gibt, wird die Gruppe die durch Nachfragen schon aufdecken", sagt der Psychologe.

Und er hat noch einen Rat: "Glauben Sie nicht, was Ihre Mitlerner über ihr Lernpensum erzählen." Die sagen oft Sätze wie: "Ich bin leider gar nicht im Thema" - und können dann auch noch das kleinste Detail auswendig. "Das ist Selbstschutz durch Untertreibung", sagt Hofmann. "Wenn der Vortrag tatsächlich schiefgeht, hat man das vorher schon angekündigt. Wenn er aber gut läuft, ist das ein Zeichen meiner ungeheuren Intelligenz." Lassen Sie von solchen Strategien nicht verrückt machen.

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insgesamt 45 Beiträge
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1.
HarrySe 24.02.2014
Dazu noch ein Forum und man kommt garnicht mehr zum Arbeiten.
2. Pauker
HerbertVonbun 24.02.2014
Einen Rat habe ich nicht gesehen: Sich selbst klarmachen, 'mit sich reden', dass das zu Lernende wichtig ist! Ganz wichtig!
3. Naja
mafue 24.02.2014
"...fassen Sie Ihre Unterlagen am Tag vor der Prüfung nicht mehr an. "Dann ist die Anspannung bereits so groß, dass Sie nichts Vernünftiges mehr lernen"... So ein Quatsch! Also bei den heutigen Klausuren, wo leider sehr viel auswendig gelernt werden muss, ist es geradezu sehr wichtig, den Tag davor noch einmal alles zu wiederholen. Mir hat das bisher immer geholfen und ich studiere nicht erst seit gestern. Insgesamt finde ich diesen Artikel eher überflüssig, denn, dass man z.*B. viel trinken soll und nicht nur Zucker zu sich nehmen soll, ist nichts Neues....
4. 3 Stunden reichen ?
seetw@web.de 24.02.2014
Also ich hab vor den wichtigen, eigentlich alles entscheidenen Abschlussprüfungen wochenlang täglich bis zu 12 Stunden gelernt. Ich weiß, dass ich es übertrieben habe, das Lernen vllt. auch uneffektiv war, besonders angesichts dessen, was in den Prüfungen tatsächlich von dem großen Stoffumfang gefragt wurde (oftmals nicht nach genauen Detailwissen und -fakten gefragt) Kenne aber keinen der behauptet, er hat nur immer 3 Stunden pro Tag gelernt. Wenn das stimmt, hab ich mir echt um sonst das Leben schwer und zeitweise zur "Hölle" gemacht :-)
5. optional
Schalk 24.02.2014
Man stößt erstaunlich oft auf Ernährungsberaterinnen, die ihren Lebensunterhalt offenbar damit verdienen, immer wieder zu predigen, man solle im Falle von Durst - Wasser trinken! Und für unverbesserliche Schleckermäuler seien "Schorlen" gerade noch so in Ordnung (aber nur stark verdünnt). Ich weiß aus eigener Erfahrung - Promotion summa cum laude - daß Cola, Schokolade, Spätburgunder und Whisky durchaus zielführend sind. Man sollte sich nicht von protestantischer Ernährungsethik verrückt machen lassen.
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