Reaktionen auf Elite-Entscheidung: Jubel in Süddeutschland

Der Kreis der heute gekürten Elite-Unis ist kleiner als erwartet: Zweimal München und Karlsruhe. Während Bayern und Baden-Württemberg frohlocken, äußerten sich die vorläufigen Verlierer enttäuscht. 18 weitere Hochschulen bekommen Geld für einzelne Forschungsbereiche.

"Das ist ein bedeutender Tag für die Wissenschaft in Deutschland", sagte Bundesbildungsministerin Annette Schavan (CDU) bei der Bekanntgabe. Schon das Vergabeverfahren habe die "hohe Leistungsfähigkeit unserer Hochschulen" belegt. Die Exzellenzinitiative habe in den Hochschulen viel Dynamik ausgelöst, die der gesamten Hochschullandschaft zu Gute kommen werde, so Schavan.

Das Programm hat zunächst drei Hauptsieger: Die TU München, die LMU München und die Universität Karlsruhe. In der ersten Runde des Förderprogramms Exzellenzinitiative von Bund und Ländern wurde zudem die Finanzierung von 18 Graduiertenschulen und 17 Exzellenzclustern beschlossen. Insgesamt waren 88 Anträge von Hochschulen geprüft worden.

Für die Förderung der an den 22 ausgewählten Hochschulen angesiedelten Initiativen wurden in der ersten Runde pro Jahr rund 175 Millionen Euro bewilligt. Im Rahmen der Initiative sollen im Zeitraum zwischen 2007 bis 2011 insgesamt 1,9 Milliarden Euro in den Ausbau der Hochschulen investiert werden.

Bayern "an der Spitze"

Bayerns Ministerpräsident Edmund Stoiber (CSU) sagte, dass gleich beide Münchner Universitäten im Exzellenzwettbewerb gewonnen hätten, sei eine "sehr gute Nachricht". Es habe sich gezeigt, dass Bayern auch in diesem Bereich "an der Spitze" sei.

Förderlinie "Graduiertenschulen"
Uni Kurztitel
RWTH Aachen Computational Engineering Science
FU Berlin North American Studies
HU Berlin School of Mind and Brain
TU Berlin Mathematical School
Bochum Research School
Bonn School of Economics
Bremen Global Change in the Marine Realm
TU Dresden Biomedicine and Bioengineering
Erlangen-Nürnberg Advanced Optical Technologies
Freiburg Cell Research in Biology and Medicine
Gießen Study of Culture
MH Hannover Biomedical Research School
Heidelberg Fundamental Physics
TH Karlsruhe School of Optics and Photonics
Mannheim Empirical Methods in Economic and Social Sciences
LMU München Systemic Neurosciences
TU München Science and Engineering
Würzburg School of Life Sciences
Relativ zurückhaltend äußerte Bayerns Forschungsminister Thomas Goppel. Er freue sich, aber die "Verfahrensschwierigkeiten" hinterließen einen bitteren Beigeschmack. "Deshalb ist meine Begeisterung über das tolle Ergebnis in der Öffentlichkeit etwas gebremst", sagte Goppel. Die Entscheidungen seien von einer Auswahl internationaler Wissenschaftler getroffen worden, "die Politik muss das zur Kenntnis nehmen".

Aus dem Bewilligungsausschuss wurde bekannt, dass Politiker und Wissenschaftler vor der Siegerehrung heftig gestritten hatten. Die Vertreter der Wissenschaft setzten sich aber mit der Ernennung der drei Sieger Karlsruhe, LMU München und TU München durch.

Thüringens Ministerpräsident Dieter Althaus (CDU) warnte angesichts der Süd-Dominanz vor einer Vernachlässigung des Ostens: "Um Gleichwertigkeit zu erreichen, ist es wichtig, dass wir gleiche Startchancen haben bei den Universitäten und Hochschulen". Die Entwicklung der vergangenen 16 Jahre sei noch nicht so, dass die Ost-Universitäten "das gleiche Konzert" mit denen der alten Länder mitspielen könnten.

Nach dem schlechten Abschneiden von nord- und ostdeutschen Universitäten erhob auch der schleswig-holsteinische Wissenschaftsminister Dietrich Austermann (CDU) schwere Vorwürfe gegen die Deutsche Forschungsgemeinschaft und ihren Präsidenten Ernst-Ludwig Winnacker. Austermann sagte der "FAZ.NET", das Entscheidungsverfahren sei erst kurz vor der Sitzung des Bewilligungsausschusses so verändert worden, dass die Wissenschaftsminister praktisch keinen Einfluß mehr auf den Ausgang gehabt hätten. "Wir konnten das nur noch abnicken", kritisierte Austermann und fügte hinzu: Es habe eine "zweistündige erregte Diskussion" gegeben, in deren Verlauf einige Minister beinahe den Rücktritt von Winnacker vom Vorsitz des Gremiums gefordert hätten.

"Erhebliche Kraftanstrengungen"

Nordrhein-Westfalens Innovationsminister Andreas Pinkwart (FDP) tröstete sich mit der Hoffnung auf die nächste Runde, schließlich habe sich die RWTH Aachen in den anderen zwei Förderlinien immerhin mit zwei Exzellenzclustern und einer Graduiertenschule durchsetzen können und verbessere damit ihre Chancen im nächsten Jahr Eliteuni zu werden. "Wir stehen vor einer Aufholjagd, die erheblicher Kraftanstrengungen bedarf." Darüber hinaus bewilligte die Kommission für Nordrhein-Westfalen zwei Anträge der Uni Bonn und eine Graduiertenschule in Bochum.

Förderlinie "Exzellenzcluster"
Uni Kurztitel
RWTH Aachen Integrative Production Technology for High-Wage Countries
RWTH Aachen Ultra High-Speed Mobile Information and Communication
Bonn Mathematics: Foundations, Models, Applications
TU Dresden Engineering the Cellular Basis of Regeneration
Frankfurt am Main Macromolecular Complexes
Gießen Cardio-Pulmonary System
Göttingen Microscopy at the Nanometer Range
MH Hannover From Regenerative Biology to Reconstructive Therapy
Heidelberg Cellular Networks
TH Karlsruhe Center for Functional Nanostructures
Kiel The Future Ocean
Konstanz Cultural Foundations of Social Integration
LMU München Centre for Integrated Protein Science
LMU München Centre for Advanced Photonics
LMU München Nanosystems Initiative Munich
TU München Cognition for Technical Systems
TU München Origin and Structure of the Universe – The Cluster of Excellence for Fundamental Physics
Bernd Huber, Rektor der Münchner Ludwig-Maximilians-Universität (LMU), erklärte, die Wahl sei "ein Traumergebnis". "Damit haben wir die Chance, zur Weltspitze vorzustoßen." Der Präsident der TU München, Wolfgang A. Herrmann, sagte, "dass unser Weg von einer nachgeordneten Behörde zu einer unternehmerischen Universität richtig war". Der Rektor der Universität Karlsruhe, Horst Hippler, kündigte an, die nun zur Verfügung stehenden Mittel werde die Universität in die Forschung auf zukunftsträchtigen Feldern wie zum Beispiel der Nanobiologie, der Optik und der Photonik investieren.

In Aachen löste die Nachricht, nicht zu den ersten Elite-Schmieden in Deutschland zu gehören, Enttäuschung aus. Schließlich habe RWTH in der gesamten deutschen Hochschullandschaft als Favorit gegolten, erklärte Rektor Burkhard Rauhut. Karlsruhe und München seien in den Naturwissenschaften stärker, das habe bei der Entscheidung eine Rolle gespielt. "Ich bin emotional enttäuscht, rational gesehen zufrieden", sagte Wilfried Müller, Rektor der Universität Bremen. Bremens Bildungssenator Willi Lemke (SPD) erklärte: "Natürlich hätten wir uns noch etwas mehr erhofft."

Manche vorläufigen Eliteverlierer reagierten nach dem Motto: Nicht dem Hauptgewinn hinterhertrauern, sondern die kleinen Erfolge feiern. Die Uni Freiburg freute sich über eine Million Euro Förderung pro Jahr für eine Graduiertenschule "Molekulare Zellforschung in Biologie und Medizin". Der Hochschule wird bescheinigt, dass sie eines der besten Zukunftskonzepte vorgelegt hat: "Zweifellos hätte die Freiburger Universität angesichts ihres Zukunftskonzepts zu den Siegern gezählt, wenn auch ihr Exzellenzcluster erfolgreich gewesen wäre."

Daran wollen die Baden-Württemberger nun feilen und rechnen sich dann "hervorragende Chancen" für die zweite Antragsrunde aus.

agö/jaf/AP/AFP/ddp/dpa

Diesen Artikel...
Aus Datenschutzgründen wird Ihre IP-Adresse nur dann gespeichert, wenn Sie angemeldeter und eingeloggter Facebook-Nutzer sind. Wenn Sie mehr zum Thema Datenschutz wissen wollen, klicken Sie auf das i.

Auf anderen Social Networks teilen

  • Xing
  • LinkedIn
  • Tumblr
  • studiVZ meinVZ schülerVZ
  • deli.cio.us
  • Digg
  • reddit
News verfolgen

HilfeLassen Sie sich mit kostenlosen Diensten auf dem Laufenden halten:

alles aus der Rubrik UniSPIEGEL
Twitter | RSS
alles aus der Rubrik Studium
RSS

© SPIEGEL ONLINE 2006
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH

SPIEGEL ONLINE Schließen


  • Drucken Versenden
  • Nutzungsrechte Feedback
  • Zur Startseite
Fotostrecke
Eliteunis: Das Siegertrio der ersten Runde