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Rechtsextremer im Vorstand: RCDS zieht die Reißleine

Der Gießener RCDS-Vorstand ist geschlossen zurückgetreten, weil er einen bräunlichen Studenten in den eigenen Reihen hatte. Auch dem Bundesvorstand ist die Panne mit dem rechten Burschenschafter ziemlich peinlich.

Gießen - Am Donnerstag haben alle Vorstandsmitglieder des Ringes Christlich-Demokratischer Studenten (RCDS) in Gießen ihre Ämter niedergelegt - mit sofortiger Wirkung. Damit zögen sie die "Konsequenz aus dem "fehlerhaft zögerlichen Umgang mit dem ehemaligen Mitglied Matthias Müller, der sich in rechtsextremen Organisationen engagiert hatte", teilte der RCDS mit. Auch der Bundesvorstand will sich mit dem Fall beschäftigen.

Der 25-jährige Politikstudent Matthias Müller war zum Beginn des Sommersemesters zum Vizevorsitzenden der CDU-nahen Hochschulgruppe in Gießen gewählt worden. Er ist tief in die rechtsextreme Szene verstrickt. So schreibt Müller als Autor für die neurechte Wochenzeitung "Junge Freiheit", fungiert als Vorsitzender einer Regionalgruppe der "Jungen Landsmannschaft Ostpreußen" und ist zudem Sprecher der Burschenschaft Dresdensia-Rugia, die als inoffizielle Kaderschmiede der NPD verrufen ist.

Dem RCDS war diese Fehlbesetzung laut eigenen Angaben so peinlich, dass der Vorstand Müller zunächst einfach im Amt ließ - obwohl er im August von den rechten Aktivitäten des Vizes erfahren hatte. Burkard Hofbeck, bis gestern RCDS-Vorsitzender, erklärte gegenüber SPIEGEL ONLINE, man habe sich lediglich "intern" über eine Trennung verständigt: "Ein Ausschlussverfahren dauert Monate. Da Matthias Müller fast fertig mit dem Studium ist, wollten wir uns das ersparen."

Nach Bekanntwerden der Vorwürfe gegen Müller hatte der Gießener RCDS am letzten Wochenende lediglich mit einer Stellungnahme reagiert und sich für die "organisatorische Inkonsequenz" entschuldigt. Zudem verabschiedete die Hochschulgruppe eine Unvereinbarkeitsklausel, nach der es keine Doppelmitgliedschaften im RCDS und der Burschenschaft Dresdensia-Rugia mehr geben darf.

Nun folgte der geschlossene Rücktritt. Der RCDS-Bundesvorstand und der Bundesausschuss haben angekündigt, sich "in nächster Zeit mit dem Thema beschäftigen" zu wollen: "Hier sollen Instrumente entwickelt werden, um solchen Vorfällen vorzubeugen." Der RCDS bekenne sich uneingeschränkt zur freiheitlichen-demokratischen Grundordnung und zum christlichen Menschenbild", verurteile "jegliche Art von Extremismus auf das Schärfste" und sehe in seinen Reihen "keinen Platz für Personen, die diese Werte nicht teilen", heißt es in der Erklärung.

agö

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