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Erstsemester: So verhindern nervöse Studenten Patzer im Referat

Das erste Referat an der Uni macht vielen Studenten Angst. Doch mit der richtigen Vorbereitung klappt jeder Vortrag - eine Anleitung für Stressgeplagte.

Vortrag an einer Tafel: Angst vor einem Referat lässt sich besiegen Zur Großansicht
Corbis

Vortrag an einer Tafel: Angst vor einem Referat lässt sich besiegen

Immer näher rückt der Tag, das Seminar, der Moment des Referats. Und immer größer wird die Angst vor der Blamage. Wenn es losgehen soll, bekommen einige schweißnasse Hände, anderen bricht die Stimme, wieder andere werden knallrot. Viele rasen dann einfach durch ihren Vortrag, wollen nur, dass er möglichst schnell vorbei ist.

Damit quälen sie nicht nur den Dozenten und die Kommilitonen, sondern auch sich selbst. Mit schlechten Noten und noch größerer Angst vor dem nächsten Referat. Und das kommt bestimmt, an der Uni und später im Job sowieso. Doch die Aufregung lässt sich bekämpfen, sagen Experten - mit der richtigen Vorbereitung.

Eine Anleitung in sechs Schritten:

  • Früh genug anfangen: "Wenn man ein Referat nicht halten will, aus Unsicherheit oder Angst, schiebt man es vor sich her", sagt Reinhard Franke. Er ist Diplom-Psychologe und berät an der Freien Universität Berlin Studenten dazu, wie sie Redeangst erfolgreich bewältigen. Er weiß: Viele beginnen zu spät mit der Bearbeitung des Themas und setzen sich so von Anfang an selbst unter Druck.
  • Gute inhaltliche Vorbereitung: Wie gut man über ein Thema referieren kann, hängt auch davon ab, wie gut man sich in das Thema eingearbeitet hat. Denn: Wer mit dem Stoff vertraut ist, den bringt so schnell nichts aus dem Konzept.
  • Alltagsbezug herstellen: "Der Zuhörer soll sich vorstellen können, worüber geredet wird", sagt Martin Dall, Rhetorik-Trainer und Inhaber einer Coaching-Firma. Das gelte gerade für technische oder naturwissenschaftliche Vorträge. Wer zum Beispiel ein Referat über einen komplizierten Stoff halten muss, könne am Anfang erst einmal darstellen, in welchen Alltagsprodukten dieser vorkommt.
  • Zu Hause üben: Damit ein Referat gelingt, sollten Studenten es mindestens einmal zur Probe halten - vor Freunden, Familienmitgliedern oder sich selbst. Auf diese Weise bemerkt man Stolperfallen und Unklarheiten und bekommt ein Gefühl für die benötigte Zeit. Außerdem verfestige sich der Stoff. Wichtig sei es dabei vor allem, sich selbst laut reden zu hören.
  • Notfallzettel vorbereiten: Klar, am besten ist es, wenn der Referent frei redet. Doch gerade am Anfang falle das vielen schwer, sagt Psychologe Franke. Wer sehr nervös ist, kann sich mit einem zweigeteilten Skript behelfen: Dafür schreibt man auf die eine Seite den ausformulierten Referatstext und die andere Seite nur Stichpunkte. Je nach Nervositätsgrad kann man dann zwischen den beiden Vortragsvarianten hin und her wechseln.
  • Ablesen: Wenn es gar nicht anders geht, sollten Erstsemester den Vortrag erst einmal ganz ablesen, rät Franke. "Lieber gut vorlesen als das Referat schlecht anders halten."
  • Ehrlich sein: Eine weitere Möglichkeit ist, die Nervosität kurz zu thematisieren. Das Gefühl kennt fast jeder, sagt Rhetorik-Trainer Dall. Das Publikum sei nach einem solchen "Outing" häufig besonders verständnisvoll.

Drei technische Tipps:

  • Hilfe holen: Technische Hilfsmittel wie PowerPoint, KeyNote und ähnliche Software sind für die ersten Referate besonders nützlich, sagt Oliver Vornberger. Er ist Professor für Informatik an der Universität Osnabrück und mehrmals wegen seiner Vorträge ausgezeichnet worden. Bei Folien gelte laut Vornberger die Fünf-mal-Fünf-Regel: Maximal fünf Zeilen mit höchstens fünf Worten pro Zeile. Dabei müssen es keine grammatikalisch vollständigen Sätze sein.
  • Eins nach dem anderen: Bei der technischen Darstellung sollten nicht alle Punkte auf einer Folie sofort erscheinen. Besser sei, sie so zu animieren, dass sie nach und nach sichtbar werden, sagt Vornberger. Sonst seien die Zuhörer mit dem Lesen beschäftigt, statt dem Vortragenden zuzuhören.
  • Kür für Fortgeschrittene: Richtig beeindrucken können Redner mit sogenannten Audience Response Systemen, einige Hochschulen bieten diese inzwischen an. "Das ist das Prinzip der Publikumsfrage bei 'Wer wird Millionär'", sagt Vornberger. Redner stellen ihren Kommilitonen eine Frage - und diese können dann per Smartphone oder Laptop auf eine Antwort tippen. Falls die eigene Hochschule so ein Tool noch nicht anbietet, können Studenten das System Cliqr der Universität Osnabrück kostenlos nutzen.
  • So gelingen Referate

lgr/dpa, Verena Wolff

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insgesamt 37 Beiträge
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    Seite 1    
1. schrecklich!
seikor 04.10.2014
Also... die beschriebenen Ratschläge sind einfach nur noch peinlich. In Bayern und sicherlich auch in den anderen Bundesländern, bringt man Schülern in der 6.Klasse in Informatik (Lehrplan googlen mit Suchwort "NT 6.2.4 lehrplan") genau diese Inhalte bei. 1. "Früh genug anfangen": Binsenweisheit schon in der Schule 2. "Gute inhaltliche Vorbereitung": ist das wirklich ernst gemeint? 3. "Alltagsbezug herstellen": Standard schon in der Schule 4. "Zuhause üben": das klingt jetzt vollkommen neu \ironieaus 5. "Notfallzettel vorbereiten": damit fällt man schon in der Schule durch - schlechter Tipp! Ebenso das "Wechseln zwischen den Vortragsarten" - das können Schüler besser. 6. "Ablesen": NoGo in Schule - aber in der Uni erlaubt? 7. "Ehrlich sein": abgesehen davon, dass die Rede von "6 Ratschlägen" war... wenn man seine eigene Unfähigkeit noch demonstriert - wie fällt dann die Note aus?? Die technischen Tipps sind nicht wirklich besser: Powerpoint etc. ist in der Schule längst etabliert. Animationen werden in der 6. Klasse thematisiert. Und die "Audience Response Systemen" passen hier von der Qualität ja gar nicht her..... Schreckliches unreflektiertes Zusammengeschreibsel!
2.
berti72 04.10.2014
Zitat von seikorAlso... die beschriebenen Ratschläge sind einfach nur noch peinlich. In Bayern und sicherlich auch in den anderen Bundesländern, bringt man Schülern in der 6.Klasse in Informatik (Lehrplan googlen mit Suchwort "NT 6.2.4 lehrplan") genau diese Inhalte bei. 1. "Früh genug anfangen": Binsenweisheit schon in der Schule 2. "Gute inhaltliche Vorbereitung": ist das wirklich ernst gemeint? 3. "Alltagsbezug herstellen": Standard schon in der Schule 4. "Zuhause üben": das klingt jetzt vollkommen neu \ironieaus 5. "Notfallzettel vorbereiten": damit fällt man schon in der Schule durch - schlechter Tipp! Ebenso das "Wechseln zwischen den Vortragsarten" - das können Schüler besser. 6. "Ablesen": NoGo in Schule - aber in der Uni erlaubt? 7. "Ehrlich sein": abgesehen davon, dass die Rede von "6 Ratschlägen" war... wenn man seine eigene Unfähigkeit noch demonstriert - wie fällt dann die Note aus?? Die technischen Tipps sind nicht wirklich besser: Powerpoint etc. ist in der Schule längst etabliert. Animationen werden in der 6. Klasse thematisiert. Und die "Audience Response Systemen" passen hier von der Qualität ja gar nicht her..... Schreckliches unreflektiertes Zusammengeschreibsel!
Peinlich - für wen? Wenn das alles alte Hüte sind - und das sind es zweifellos - weshalb dann immer noch die Redeangst. "Gehört/ gelesen" heißt noch lange nicht "verstanden" und "verstanden" noch lange nicht "angewendet". Automatismen bilden sich erst durch ständige Wiederholungen.
3.
unknownpeople 04.10.2014
Zitat von seikorAlso... die beschriebenen Ratschläge sind einfach nur noch peinlich. In Bayern und sicherlich auch in den anderen Bundesländern, bringt man Schülern in der 6.Klasse in Informatik (Lehrplan googlen mit Suchwort "NT 6.2.4 lehrplan") genau diese Inhalte bei. 1. "Früh genug anfangen": Binsenweisheit schon in der Schule 2. "Gute inhaltliche Vorbereitung": ist das wirklich ernst gemeint? 3. "Alltagsbezug herstellen": Standard schon in der Schule 4. "Zuhause üben": das klingt jetzt vollkommen neu \ironieaus 5. "Notfallzettel vorbereiten": damit fällt man schon in der Schule durch - schlechter Tipp! Ebenso das "Wechseln zwischen den Vortragsarten" - das können Schüler besser. 6. "Ablesen": NoGo in Schule - aber in der Uni erlaubt? 7. "Ehrlich sein": abgesehen davon, dass die Rede von "6 Ratschlägen" war... wenn man seine eigene Unfähigkeit noch demonstriert - wie fällt dann die Note aus?? Die technischen Tipps sind nicht wirklich besser: Powerpoint etc. ist in der Schule längst etabliert. Animationen werden in der 6. Klasse thematisiert. Und die "Audience Response Systemen" passen hier von der Qualität ja gar nicht her..... Schreckliches unreflektiertes Zusammengeschreibsel!
Mag ja sein, dass die grundsätzlichen Schritte nicht viel anders sind als bei schulischen Referaten. Allerdings gibt es da schon einen entscheidenden Unterschied: Sie haben es mit einem anderen Themenniveau zu tun. Es macht einen gewaltigen Unterschied aus, ob sie sich wochenlang durch Fachliteratur wühlen müssen, oder ob sie ihre Informationen im Wesentlichen aus Wikipedia und Schulbüchern beziehen. Viele der Themen sind letztlich derart komplex und je weiter sie hineinlesen, desto komplexer werden sie, dass sie den Leuten nicht ernsthaft vorwerfen können, wenn sie Notizen oder Stichpunkte auf Powerpointpräsentationen als Gerüst benutzen. Zudem ist es nicht der Sinn von Wissenschaft etwas auswendig herunterzubeten, sondern die Dinge sollen sich eins aus dem anderen logisch-systematisch herleiten. In der Regel ist die Fachliteratur auch so geschrieben. Ein großer Unterschied zur Schule. Eine der zentralen Schwächen (neben vielen anderen) von Studienanfänger, auch aus den Südländern, ist nämlich, dass sie genau dies nie richtig gelernt haben und mit der Systematik und Komplexität, die sie an der Uni erwartet, überfordert sind. Einige lernen auch nie damit richtig umzugehen. Zudem ist es in der Wissenschaft durchaus erlaubt, Dinge nicht zu wissen, was am besten durch die Fragen Dritter merkt, da Wissenschaft als Prozess zu verstehen ist, bei dem man immer noch dazulernt und wahrscheinlich nie wirklich zu letztgültiger Perfektion kommt. Und dann ist es eben Ansporn für einen seriösen Wissenschaftler das, worauf er keine Antwort hatte, als Anstoß zu neuen Forschungen zu verwenden. So sieht nun mal die Realität aus, der sich alle stellen müssen, auch wenn sie in anderen Bereichen der Gesellschaft als der Wissenschaft arbeiten, insofern hat die Schule leicht reden. Es verbitten sich von daher auch entsprechende Vergleiche.
4.
archivar1985 04.10.2014
Da muss ich seikor zustimmen. Ich hatte mir erhofft, dass man hier vielleicht ein paar Geheimtipps bekommt. Stattdessen wird man mit Ratschlägen abgespeist, die man bereits auf dem Gymnasium zu hören bekommt. Damit ist nun keinem geholfen.
5. Prüfungsangst
haarer.15 04.10.2014
Für manchen schwierig, sie zu bekämpfen. Doch wer am Gymnasium schon geschliffen wurde - Referate gab es in Serie - der hat auch das nötige Rüstzeug für die Uni erlangt. Referate sollten spätestens dann nicht mehr zum großen Problem ausarten. Da mussten wir alle durch. Gegen notorische Nervosität ist allerdings kein Kraut gewachsen.
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