Von Jonas Leppin und Oliver Trenkamp
Für die Aufgeregte ist ein Referat der Horror auf Erden. Von dieser Situation wird sie in einigen Jahren noch lebhaft erzählen können: feuchte Hände, zittrige Stimme, riesengroßer Hörsaal. Während Freunde und Familie vor dem Seminar noch eifrig Glücks-SMS schreiben, versucht sie sich nach acht Kaffee gerade wieder etwas zu beruhigen. Jede Abweichung vom Seminar-Ablauf bringt sie jedoch aus dem Konzept. Sie hat sicherheitshalber die bisherigen Referate als Kopie mitgenommen, dennoch erinnert sich der Professor leider nicht an ihren Namen.
So hat sie die Semesterferien verbracht: Vorlesungsverzeichnis wälzen, Stundenplan entwerfen, Literaturlisten durchgehen und Mails an die Dozenten aus dem letzten Semester schreiben, weil es zum Themenkomplex, den sie auf Seite 9 ihrer Hausarbeit behandelt, auch eine andere Sichtweise gibt.
So sieht ihr Handout aus: Anderthalb Seiten, übersichtlich, aber nur schwer lesbar wegen der Kaffeeflecken.
So etwas sagt sie gern: "Äh, da wusste ich jetzt, hm, irgendwie auch nicht so genau, ob ich das irgendwie mit aufnehmen sollte."
So lange dauert es: Meistens geht es viel zu schnell. Für alle anderen jedenfalls. Für sie dauert's viel zu lang.
So reagiert der Professor: "Ja, vielen Dank für Ihre Bemühungen, Sie studieren nicht auf Lehramt, oder?"
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