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Schavans peinlicher Doktor h.c.: Ehre gegen Geld

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Ex-Ministerin Schavan (Archiv): Uni Lübeck will die Ex-Ministerin ehren Zur Großansicht
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Ex-Ministerin Schavan (Archiv): Uni Lübeck will die Ex-Ministerin ehren

Die Uni Lübeck steuert auf einen peinlichen Termin zu: Sie will die ehemalige Ministerin Schavan mit einem Doktor ehren, trotz deren Plagiatsaffäre. Wird die Ministerin beschenkt, weil sie die Uni vor Jahren mit einer Finanzspritze rettete?

Fünfzig Jahre alt wird die Universität Lübeck im Jahr 2014, sie begeht das Jubiläum diesen Freitag mit einem bunten Programm: Eine Erinnerungstafel soll enthüllt, Freundschaftsbäume sollen gepflanzt werden. Am Abend folgt ein Festakt, bei dem die "Salt Peanuts" aufspielen, die Big Band der Lübecker Universitäten.

Für die Würze im Festablauf wird indes ein anderer Punkt auf der Tagesordnung sorgen. Der Präsident der Universität, der Mediziner Peter Dominiak, überreicht der früheren Bundesministerin für Bildung und Forschung, Annette Schavan (CDU), die Ehrendoktorwürde.

Der Zeitpunkt ist nach Auskunft der Universität an den Jahresempfang der Hochschule gebunden. Doch dummerweise findet er drei Wochen nach Schavans Niederlage vor dem Verwaltungsgericht Düsseldorf statt. Die Richter hatten in dem Verfahren den Entzug von Schavans Titel wegen Plagiats bestätigt.

So steuern Universität und Geehrte auf einen Termin von einiger Peinlichkeit zu, den bisher keine Seite abgesagt hat. Skurrile Pointe am Rande: Zusammen mit Schavan sollen zwei langjährige Mitglieder der Uni-Ethikkommission geehrt werden.

Nur noch Schavan selbst kann die Ehrung ablehnen

Die Universitätsleitung in Lübeck will die Angelegenheit durchziehen, die geraume Zeit in der Schwebe war. Denn die Universität hatte Schavan auf Vorschlag ihres Präsidenten schon vor zwei Jahren ehren wollen. Doch dann kam die Plagiatsaffäre dazwischen, an deren Ende Schavan ihren 1980 in Düsseldorf erworbenen Titel abgeben musste.

Am Mittwochabend ließ der Senat der Universität auf einer Sitzung die letzte Gelegenheit verstreichen, doch noch die Reißleine zu ziehen: Es gebe einen gültigen Senatsbeschluss von 2012, an dem halte man fest.

Kritik kommt an der Universität vor allem von Studentenvertretern. Der Asta verweist auf die Düsseldorfer Gerichtsentscheidung, die den Entzug des Doktortitels durch die Universität Düsseldorf bestätigte. Dass Schavan den Ehrendoktortitel trotz der Plagiatsaffäre erhalten soll, sei "hochproblematisch", erklärt die Asta-Vorsitzende Maren Janotta. Die Mehrzahl der Studenten habe kein Verständnis für die Ehrung, so Janotta. "Eine solche Entscheidung steht im Widerspruch zu der Maxime der guten wissenschaftlichen Praxis, die im Studium vermittelt wird."

Und der "Dr. h.c." für Schavan hat noch einen unguten Beigeschmack, denn er lässt sich auch als akademischen Tauschhandel bezeichnen: Ehre gegen Geld. Schavan habe "2010 entscheidend dazu beigetragen, die Medizin als akademisches Fach an der Universität Lübeck zu erhalten", begründet die Universität ihre Wahl. "Ohne die Medizin wäre die gesamte Lübecker Universität existentiell bedroht gewesen und damit auch die vor Ort betriebene Wissenschaft."

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Uni Lübeck: Wie Schavan die Uni-Rettung herbeitrickste

Schavan hatte damals als Bundesministerin der darbenden Uni aus der Klemme geholfen, indem sie das bekannte Kieler Meeresforschungsinstitut Geomar zum Helmholtz-Institut umdeklarierte. Durch diesen Trick konnten Bundesmittel nach Schleswig-Holstein fließen, von denen über Umwege dann die Universität Lübeck profitierte.

Ein Geschenk "in Bezug auf ihr Amt"?

Für die Intervention den Ehrendoktor verleihen zu wollen, wäre auch ohne Plagiatsaffäre keine gute Idee. Denn unter anderem im Bundesministergesetz sind Geschenke kritisch erwähnt, die Bundesminister "in Bezug auf ihr Amt erhalten". Zwar sind solche Geschenke nicht generell verboten, aber Mitglieder und ehemalige Mitglieder müssen darüber Mitteilung machen.

"Hat Frau Schavan der Bundeskanzlerin die Verleihung als Geschenk angezeigt?", fragt deshalb die Hamburger FDP-Vorsitzende Sylvia Canel. Ein Kommentar zum Strafgesetzbuch führt unter dem Punkt "Straftaten im Amt" sogar die Annahme von "immateriellen Vorteilen" aufgrund von Diensthandlungen auf, zum Beispiel "Ehrungen" und "Ehrenämter".

Den Vorteilsgehalt eines Dr. h.c. für eine ehemalige Doktorin zu ermitteln, ist sicherlich eine Feinschmeckerei für Juristen, mit ungewissem Ausgang. Offenbar ist der mit mehreren ausländischen Ehrentiteln behängten Politikerin der Doktor so wichtig, dass sie das Geschmäckle in Kauf nimmt. Wenig Gespür bei einer Frage der Ehre hatte Schavan schon im Umgang mit der LMU München offenbart, als sie sich Anfang dieser Woche erst auf Drängen der Dekane der Fakultäten aus dem Hochschulrat zurückzog.

In Lübeck verweisen Senat und Hochschulleitung angesichts der Einwände der Studenten darauf, dass Schavan den Titel ja nicht nur für ihren Beitrag zur finanziellen Rettung der Uni erhalte, sondern auch für ihre sonstigen Verdienste um die Wissenschaft.

Solche Verdienste sprechen ihr auch andere Vertreter des Wissenschaftssystems zu; Schavan gilt trotz ihres Rücktritts als erfolgreiche Bundesministerin. Will sie diesen Ruf nicht noch weiter beschädigen, dann bleibt ihr eigentlich nur ein Ausweg: der freiwillige Verzicht auf den peinlichen Ehrentitel.

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1. die kommt schon in Anschlußverwendung
keinname2013 10.04.2014
Zitat von sysopAFPDie Uni Lübeck steuert auf einen peinlichen Termin zu: Sie will die ehemalige Ministerin Schavan mit einem Doktor ehren, trotz deren Plagiatsaffäre. Wird die Ministerin beschenkt, weil sie die Uni vor Jahren mit einer Finanzspritze rettete? http://www.spiegel.de/unispiegel/studium/schavan-luebeck-zeichnet-ex-ministerin-mit-ehrendoktor-aus-a-963649.html
So wie der hier auch: http://www.bertelsmann-stiftung.de/cps/rde/xchg/bst/hs.xsl/nachrichten_120721.htm Dr. Guido Westerwelle (52), ehemaliger Bundesaußenminister, ist in das Kuratorium der Bertelsmann Stiftung berufen worden. Die Amtsperiode des neuen Mitglieds im Aufsichts- und Kontrollorgan der Gütersloher Stiftung beginnt am 1. Januar 2015 und läuft zunächst bis Ende 2017.
2.
gazettenberg 10.04.2014
Zitat von sysopAFPDie Uni Lübeck steuert auf einen peinlichen Termin zu: Sie will die ehemalige Ministerin Schavan mit einem Doktor ehren, trotz deren Plagiatsaffäre. Wird die Ministerin beschenkt, weil sie die Uni vor Jahren mit einer Finanzspritze rettete? http://www.spiegel.de/unispiegel/studium/schavan-luebeck-zeichnet-ex-ministerin-mit-ehrendoktor-aus-a-963649.html
Schavan sollte die Ehrung ablehnen. Der Titel bringt ihr keine Ehre zurück und der Termin wird für sie zum Spießrutenlauf. Warum tut sie sich das an?
3. Besser als gar nichts
Ontologix II 10.04.2014
Dann ist die fromme Frau Schavan eben Dr. h.c. statt Dr. plag. Franz Josef Strauß schmückte sich auch gerne mit seinen vielen Ehrendoktortiteln: Dr. h.c. mult. FJS. Non olet.
4.
rakatak 10.04.2014
Zitat von sysopAFPDie Uni Lübeck steuert auf einen peinlichen Termin zu: Sie will die ehemalige Ministerin Schavan mit einem Doktor ehren, trotz deren Plagiatsaffäre. Wird die Ministerin beschenkt, weil sie die Uni vor Jahren mit einer Finanzspritze rettete? http://www.spiegel.de/unispiegel/studium/schavan-luebeck-zeichnet-ex-ministerin-mit-ehrendoktor-aus-a-963649.html
Natürlich wird sie das. Ein Ehrendoktor wird wegen irgendwelcher Verdienste verliehen, nicht wegen wissenschaftlicher Leistungen. Oder glaubt hier jemand, dass ein Herr Dr. hc. Joschka Fischer eine wissenschaftliche Doktorbeit abgelegt hat?
5. Andere Form von Korruption?
MiniDragon 10.04.2014
Zitat von gazettenbergSchavan sollte die Ehrung ablehnen. Der Titel bringt ihr keine Ehre zurück und der Termin wird für sie zum Spießrutenlauf. Warum tut sie sich das an?
Auch die Frommen sind zuweilen bestechlich.
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Urteil in Plagiatsaffäre: Schavans Schicksalstag