Schavan-Stipendien: Ohne Abi an die Uni

Wer in Deutschland studiert, braucht ein Abitur. Basta. Aber warum eigentlich? Die Bundesbildungsministerin will mehr Handwerker und Facharbeiter an die Uni holen - und schreibt für die besten 1000 schon mal ein Stipendium aus.

An deutschen Unis sind gegenwärtig die Akademikerkinder mit klassischem Abitur unter sich, mit seltenen Ausnahmen. Handwerksmeister, Techniker und andere Fachkräfte haben echten Exoten-Status. Bundesbildungsministerin Annette Schavan (CDU) will das jetzt ändern - oder zumindest einen guten Willen zeigen - und schreibt erstmals 1000 Stipendien aus, um besonders erfolgreichen Berufstätigen ohne Abitur ein Studium zu ermöglichen.

Studenten an deutschen Unis(hier in Konstanz): Nur vier Prozent ohne klassisches Abitur
DPA

Studenten an deutschen Unis(hier in Konstanz): Nur vier Prozent ohne klassisches Abitur

Das "Aufstiegsstipendium" soll Meistern, Technikern und anderen Fachkräften den Zugang zur Hochschule eröffnen, damit sie sich im Beruf weiter qualifizieren oder nach einer Begabtenprüfung eine akademische Ausbildung machen können.

Die Stipendien werden am Montag offiziell ausgeschrieben - Bildungsministerin Annette Schavan sagt, dass sie besondere Begabungen in Schule, Beruf und Studium "gleichermaßen anerkennen und fördern" möchte. Die neuen Aufstiegsstipendien sollen die Durchlässigkeit zwischen beruflicher und akademischer Ausbildung verstärken. Es soll nicht ein für allemal klar sein, wie das Leben weitergeht, wenn man eine Ausbildung gemacht hat und kein Abitur.

650 Euro im Monat plus Büchergeld

Das Aufstiegsstipendium für ein Vollstudium umfasst 650 Euro monatlich plus 80 Euro Büchergeld sowie für Eltern eine Betreuungspauschale von 113 Euro für ein Kind unter zehn Jahren. Das Stipendium muss nicht zurückgezahlt werden - anders als das BaföG, bei dem es einen 50-prozentigen Darlehensanteil gibt. Studierende in einem berufsbegleitenden Studiengang können jährlich maximal 1700 Euro erhalten. Die Bewerber für ein Aufstiegsstipendium müssen mindestens zwei Jahre Berufserfahrung haben und herausragende Leistungen vorweisen können.

Im Gegensatz zu anderen Industrienationen schaffen in Deutschland nur wenige beruflich Qualifizierte den Sprung ins Studium. 2006 hatten von den rund 1,9 Millionen Studenten in Deutschland etwa 83 Prozent Abitur, 13 Prozent die Fachhochschulreife. Nur etwa vier Prozent hatten den Zugang zur Hochschule über einen anderen Weg geschafft - und davon wiederum nur ein Viertel, also ein Prozent, über besondere Qualifizierung im ausgeübten Beruf oder über eine Begabtenprüfung. Anders sieht es zum Beispiel in Schweden aus: Dort haben 36 Prozent der Studenten kein klassisches Abitur. Im Vergleich mit 22 anderen EU-Staaten belegt Deutschland in Sachen Hochschulzugang für Berufstätige einen der hinteren Plätze.

In der Diskussion ist immer noch das vom NRW-Wissenschaftsminister Andreas Pinkwart (FDP) vorgeschlagene "Nationale Stipendiensystem". Pinkwart bekräftigte Mitte Juli auf der Sitzung der Gemeinsamen Wissenschaftskommission von Bund und Ländern (GWK) seinen Vorstoß. Er will den besten zehn Prozent eines Studentenjahrgangs bundesweit monatlich 300 Euro Begabtenförderung verschaffen.

Bisher erhalten nur zwei Prozent aller Studenten Stipendien.

maf/dpa

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