SPIEGEL ONLINE: Sie haben einen Protestbrief an die Bundeskanzlerin geschickt, als sie dem damaligen Minister Karl-Theodor zu Guttenberg Rückendeckung in der Plagiatsaffäre gab. Muss die Bundesregierung nun wieder mit Post von Ihnen rechnen?
Bunde: Nein, erst mal nicht. Bei Schavan liegt die Sache anders. Sie polarisiert nicht so wie Guttenberg, aber vor allem hat sich der Kontext seit der ersten Plagiatsaffäre massiv gewandelt. Die Vorwürfe gegen Guttenberg haben viele als Lappalie abgetan; die Kanzlerin sagte, sie habe keinen wissenschaftlichen Mitarbeiter eingestellt, die großen Wissenschaftsverbände waren extrem zurückhaltend.
SPIEGEL ONLINE: Sie hatten Angst, er könnte davonkommen?
Bude: Immerhin hat sich auch die Universität Bayreuth davor gedrückt zu klären, ob tatsächlich ein Täuschungsversuch vorlag. Die wollten die Sache schnell vom Tisch haben. Da hatten wir als Doktoranden das Gefühl, das Wort ergreifen zu müssen. Ich glaube nicht, dass die Kanzlerin noch einmal so etwas sagen würde - und die Wissenschaft nimmt die Vorwürfe auch ernst.
SPIEGEL ONLINE: Ein erstes Uni-Gutachten erkennt auch bei Schavan eine "leitende Täuschungsabsicht".
SPIEGEL ONLINE: Schavan juckt Sie also nicht besonders?
Bunde: Seit Guttenberg sind wir Doktoranden schon abgestumpfter. Es gab einfach sehr viele Plagiatsaffären. Aber kalt lässt uns auch der Fall Schavan nicht.
SPIEGEL ONLINE: Immerhin geht es um die Bundesbildungsministerin.
Bunde: Das ist richtig. Es sieht jedoch so aus, als hätte Schavan zwar unsauber gearbeitet und nicht korrekt zitiert, aber Guttenbergs Arbeit war eine Collage aus fremden Ideen, das kann man nicht vergleichen.
SPIEGEL ONLINE: Sie stecken gerade selbst mitten in Ihrer Doktorarbeit über internationale Politik. Fürchten Sie nach den ganzen Plagiatsfällen, dass man sie jetzt strenger unter die Lupe nimmt?
Bunde: Nein, ich kriege eher Ärger von meinem Doktorvater, weil ich zu viel zitiere. Zehn Fußnoten pro Seite sind ein bisschen viel, sagt er. Das ist wohl Geschmackssache. Aber natürlich darf man keine Fußnoten weglassen, wenn man Gedanken anderer übernimmt.
SPIEGEL ONLINE: Warum nehmen es einige Politiker offenbar nicht so genau mit den Fußnoten?
Bunde: Viele Dissertationen, die sich hinterher als plagiiert herausstellten, wurden nur für den Titel geschrieben. Diese Arbeiten braucht keiner. Der Doktortitel gehört in die Wissenschaft und nicht in den Alltag. Frau Schavan möchte ich da allerdings ausklammern, sie scheint das wissenschaftliche Arbeiten ernst genommen zu haben.
SPIEGEL ONLINE: Wie lassen sich Plagiate vermeiden?
Bunde: Ein regelmäßiger Austausch, eine gute Betreuung und Kritik untereinander sind der beste Weg. Die Wissenschaft muss sich aber auch noch klarer über ihre Standards werden. Und ein relaxter Umgang mit den zwei Buchstaben vor dem Namen würde ebenfalls helfen.
Das Interview führte Heike Sonnberger
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