Weitergabe des Schavan-Gutachtens: Uni Düsseldorf erstattet Anzeige

Das Gutachten aus Düsseldorf setzt Bildungsministerin Annette Schavan massiv unter Druck. Ein Professor wirft ihr darin vor, in ihrer Doktorarbeit getäuscht zu haben. Jetzt hat die Universität Anzeige gegen Unbekannt erstattet - sie will herausfinden, wer das heikle Papier weitergab.

Ministerin Schavan (im Mai): Kämpft um ihren Doktortitel Zur Großansicht
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Ministerin Schavan (im Mai): Kämpft um ihren Doktortitel

Es sind harte Vorwürfe, die in dem Gutachten zu Annette Schavans Doktorarbeit stehen. Von "Leitender Täuschungsabsicht" ist die Rede, ebenso vom charakteristischen "Bild einer plagiierenden Vorgehensweise". Der SPIEGEL berichtet in seiner aktuellen Ausgabe darüber und über die möglichen Konsequenzen für die Bildungsministerin. Verliert sie ihren Titel? Vielleicht sogar ihr Amt?

Jetzt, nach Bekanntwerden des Gutachtens, hat die Universität Düsseldorf reagiert und Strafanzeige erstattet. Es bestehe der Verdacht auf Weitergabe vertraulicher Informationen, teilte die Uni am Dienstag mit.

Informationen über das Gutachten zu der Doktorarbeit seien womöglich unter Bruch der Vertraulichkeit an die Öffentlichkeit gelangt. "Dies betrifft Prof. Dr. Schavan, die sich insbesondere aufgrund ihrer exponierten gesellschaftlichen Stellung vermehrter Aufmerksamkeit ausgesetzt sieht", so ein Sprecher. Zudem sei auch der mit dem Gutachten beauftragte Professor Stefan Rohrbacher betroffen.

Nach Plagiatsvorwürfen gegen die Doktorarbeit aus dem Jahr 1980 prüft der Promotionsausschuss der Hochschule seit Mai die Arbeit. Am Wochenende war die für den Ausschuss bestimmte "Sachverhaltsermittlung" bekanntgeworden. 15 ständige und stellvertretende Mitglieder des Gremiums hatten sie zur Vorbereitung erhalten. Der Ausschuss soll an diesem Mittwoch tagen. Jedoch befinde man sich am Anfang des Verfahrens, betonte ein Sprecher.

otr/dpa/Reuters

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insgesamt 22 Beiträge
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1. Shoot the messenger
Rapporteur 16.10.2012
Zitat von sysopJetzt hat die Universität Anzeige gegen Unbekannt erstattet - sie will herausfinden, wer das heikle Papier weitergab.
Immer wieder gern gewählte Methode.
2. ...
otzer 16.10.2012
Zitat von RapporteurShoot the messanger. Immer wieder gern gewählte Methode.
Es gibt Regeln für das Anfertigen von Disserationen. Und es gibt Regeln für den Umgang mit Dienstgeheimnissen - und das ist auch gut so!
3.
Hans58 16.10.2012
Nur so wird man "Durchstechereien" in Behörden ein Ende setzen. Es geht nicht darum, dass etwas "unter den Teppich gekehrt wird", sondern es gehört sich nicht, dass Betroffene aus den Medien erfahren, wie das Ergebnis irgendeiner Behördenprüfung lautet. Ob eine derartige Veröffentlichung direkt oder indirekt gegen den deutschen Pressekodex verstößt, wenn so etwas getan wird, ist eine weitere Frage, die sich mir stellt ( z.B. Richtlinien zu den Ziffern 4 oder 8 des Kodexes).
4. Whistleblower
rainer_daeschler 16.10.2012
Zitat von RapporteurShoot the messenger Immer wieder gern gewählte Methode.
Natürlich ist es Untreue, wenn z.B. ein Mitarbeiter das Gutachten heimlich an die Presse weitergibt. Wer will so einen Mitarbeiter schon haben? Auf irgend eine Belohnung kann er da sicher nicht hoffen. Er gefährdet nur seinen Job. Trotzdem kommt es öfter vor, als man denkt. Doch was ist die Motivation? Ein Gutachten an die Presse weitergeleitet ist oft der einzige Weg es vor dem Verschwinden in der Schublade, oder einer späteren Weichspülung zu retten. Im Prinzip ist derjenige ein "Whistleblower" und es ist eine frage der Perspektive, ob man es verdammen, oder begrüßen soll.
5.
box-horn 16.10.2012
Zitat von rainer_daeschlerNatürlich ist es Untreue, wenn z.B. ein Mitarbeiter das Gutachten heimlich an die Presse weitergibt. Wer will so einen Mitarbeiter schon haben? Auf irgend eine Belohnung kann er da sicher nicht hoffen. Er gefährdet nur seinen Job. Trotzdem kommt es öfter vor, als man denkt. Doch was ist die Motivation? Ein Gutachten an die Presse weitergeleitet ist oft der einzige Weg es vor dem Verschwinden in der Schublade, oder einer späteren Weichspülung zu retten. Im Prinzip ist derjenige ein "Whistleblower" und es ist eine frage der Perspektive, ob man es verdammen, oder begrüßen soll.
Ein Gutachten in einer Sache medialen Interesses an die Presse weiterzuleiten ist vor allem der persönlichen Geltungssucht geschuldet, und der eine oder andere Euro springt vermutlich auch dabei heraus, wie die Aussicht auf "Berühmtheit" - und sei es, sich den Rest des Lebens damit brüsten zu können, Anteil an der "Beseitigung" einer Ministerin zu haben. Wie soll den bitte so ein Gutachten in der "Schublade verschwinden"? Die Untersuchung nimmt ihren Gang, und am Ende gibt es ein Ergebnis. Das schlimme ist, daß die zuständigen Gremien jetzt dem Erwartungsdruck nicht eines sinnvollen, angemessenen, sondern eines bestimmten Ergebnisses ausgesetzt sind - wehe, es kommt etwas anderes als "Plagiat" dabei heraus -, ähnlich wie Hexenjäger unter dem Erfolgsdruck erfolgreicher Hexenjagd standen, sie anderenfalls Gefahr liefen selbst als Hexen angeklagt und verurteilt zu werden. Und DAS finden Sie gut.
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