18. Dezember 2012, 20:08 Uhr

Streit um Doktortitel

Uni Düsseldorf forciert Plagiatsverfahren gegen Schavan

Von Jan Friedmann und Oliver Trenkamp

Am Ende könnte die Bildungsministerin ihren Doktorgrad verlieren: Der Promotionsausschuss der Uni Düsseldorf hat empfohlen, ein Verfahren zur Aberkennung des Titels von Schavan einzuleiten. Der Hochschulrektor sagt, es gehe um die "damalige Doktorandin, nicht die heutige Ministerin".

Es ist nur ein Zwischenschritt, aber er leitet die nächste Runde im Titelkampf von Bildungsministerin Annette Schavan (CDU) ein. Der zuständige Promotionsausschuss der Uni Düsseldorf hat Schavans Doktorarbeit geprüft und empfiehlt jetzt: Ein Verfahren zum Titelentzug solle beginnen.

Zwar muss über die Aufnahme des Verfahrens der Fakultätsrat der Philosophischen Fakultät entscheiden, doch schon jetzt wird es enger für die Ministerin. Die Vorprüfer aus der Promotionskommission halten die Vorwürfe gegen Schavan offenbar für schwerwiegend und ausreichend stichhaltig - sonst hätten sie den nächsten Schritt kaum empfohlen. Am Ende könnte Schavan dann ihren Titel verlieren, wogegen sie auf juristischem Weg vorgehen könnte.

Ob es so weit kommt, ist allerdings offen. Die Uni veröffentlichte auf ihrer Internetseite bislang lediglich eine kurze Erklärung, darin heißt es: Der Fakultätsrat werde sich am 22. Januar mit der Frage befassen, "ob die von der Kommission ermittelten Befunde als schwerwiegend genug betrachtet werden können", um ein solches Verfahren zu eröffnen. Aus Gründen des Persönlichkeitsschutzes solle das nicht in öffentlicher Sitzung geschehen.

Viel mehr will auch Uni-Rektor Michael Piper nicht verraten: Schavan habe ein Recht auf ein ordentliches Verfahren, deshalb könne er nichts zu Details oder Inhalten sagen. "Es geht um die Frage, wie die junge Wissenschaftlerin Annette Schavan vor 32 Jahren ihre Doktorarbeit geschrieben hat, also um die damalige Doktorandin, nicht die heutige Ministerin. Für die Fakultät ist es unausweichlich, diesen Weg der Überprüfung weiter zu gehen. Das Recht, auch Fakultätsrecht, gilt ohne Ansehen der Person. Alles andere wäre inakzeptabel", so Piper. Schavan und ihr Ministerium wiederum wollen den Fortgang des Verfahrens nicht kommentieren.

Bereits vor einigen Wochen hatte der SPIEGEL über ein internes Gutachten berichtet, das Schavan eine "leitende Täuschungsabsicht" in ihrer Dissertation attestierte. Verfasst hatte es Stefan Rohrbacher, Professor für Jüdische Studien und Vorsitzender des zuständigen Promotionsausschusses in Düsseldorf. Er beanstandete 60 Fundstellen und kam zu einem eindeutigen Urteil: Er erkannte in Schavans Arbeit "das charakteristische Bild einer plagiierenden Vorgehensweise".

Schavan hat die Vorwürfe stets bestritten und angekündigt, sie werde kämpfen. Auch gegenüber dem Promotionsausschuss versucht sie, die Vorwürfe zu entkräften und ihre Sicht der Dinge darzulegen. Über Details dieser Einlassung wurde allerdings bislang nichts bekannt.

Die Ministerin legt viel Wert auf ihren Ruf als jemand, der stets gewissenhaft arbeitet. Auf dem Höhepunkt der Affäre um ihren damaligen Kabinettskollegen Karl-Theodor zu Guttenberg (CSU) hatte Schavan denn auch der "Süddeutschen Zeitung" gesagt, sie schäme sich "nicht nur heimlich". Schavan sagte, es sei richtig, dass Guttenberg den Doktortitel verliere. "Raubkopien sind kein Kavaliersdelikt. Der Schutz des geistigen Eigentums ist ein hohes Gut."

Jetzt hat sie das Problem, dass die Mängel in ihrer Dissertation zwar weit weniger gravierend sind als die in der Arbeit Guttenbergs. Aber das ist bei der Prüfung sauberen wissenschaftlichen Arbeitens eben nicht der Maßstab.


URL:

Mehr auf SPIEGEL ONLINE:

Mehr im Internet


© SPIEGEL ONLINE 2012
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH